Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Nathalie Sarraute

Aufmachen

Roman

Cover: Aufmachen

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2000
ISBN-10 3462028928
ISBN-13 9783462028928
Gebunden, 112 Seiten, 17,38 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Französischen von Erika Tophoven. "Wörter, durch und durch eigenständige lebendige Wesen, sind die Akteure der folgenden Szenen. Sobald Wörter von außen kommen, entsteht eine Wand. Auf dem Plan bleiben nur die Wörter, die im Stande sind, die Gäste angemessen zu empfangen. Alle anderen ziehen sich zurück und werden sicherheitshalber hinter die Trennwand verbannt. Aber diese Wand ist transparent, die Ausgesperrten können hindurchschauen und beobachten. Hin und wieder packt sie die Lust, bei dem, was sie sehen, einzugreifen, sie halten es nicht mehr aus, sie rufen ... Aufmachen."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2000

Sarrautes letztes Buch sei ein "tiefsinniges, verspieltes Meisterstück", findet Wilfried Wiegand. Mit einem Rekurs auf Eichendorffs "Taugenichts", für den das gedruckte Zeichen bloß als graphische Gebilde sich darstellte, und ihm der Blick auf ihre Bedeutung verstellt war, führt Wiegand auf Sarrautes Bewußtseinsbühne, wo die verschiedenen Wörter sich um ihren Auftritt drängeln. Eine Weile begleitet Wiegand das tiefsinnige Geplänkel, in dem sich die Sprache selber entblößt - kommentiert, lobt, erklärt. Das Buch habe die Form einer humoristischen Farce und sei mit virtuosen Eleganz erzählt, urteilt der Kritiker begeistert. Und endet mit einem Blick nach Frankreich, wo das Buch der 97jährigen enthusiastisch aufgenommen worden sei, und den hochgegriffenen Vergleichen mit Sartes "Die Wörter" und den letzten Bildern von Paul Klee mühelos standhalte.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2000

Jürgen Ritte spricht von Nathalie Sarrautes letztem Buch als von ihrem literarischen Vermächtnis, das irgendwo zwischen Literatur und Theater angesiedelt ist, insofern es ein Stück vorführt, in dem die Wörter die Akteure sind. Auch wenn die Form ungewöhnlich ist, behandelt dieses Buch das Thema, das der im vergangenen Jahr mit 99 Jahren verstorbenen Autorin immer am Herzen gelegen hat. Jürgen Ritte beschreibt es als das Misstrauen gegen die Automatismen in der Sprache, die den Sprechenden bestimmte Sprachabfolgen und Allgemeinplätze geradezu aufzwingen. Erika Tophoven sei es gelungen, dieses "so sehr aufs Französisch horchende Buch" auch der deutschen Sprache zu öffnen. Der Rezensent zieht respektvoll den Hut vor der Übersetzerin und erweist einer Autorin, die die Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat, die letzte Reverenz. Sie habe mit 97 Jahren eines der "frischesten und geistreichsten" Bücher der neueren Literatur geschrieben.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.07.2000

Das letzte Buch der kürzlich verstorbenen Autorin, die als die treueste Verfechterin des Nouveau Roman zu bezeichnen ist, galt als unübersetzbar, was Rezensent Heinrich Vormweg in der Anlage des Textes begründet sieht. Sarrautes Thema ist die Eigenmacht, die Eigenständigkeit der Sprache, das Eigengewicht der Worte, die "untereinander agieren und auf die Psyche zurückwirken", wie der Rezensent schreibt. Deutsche Wörter machen andere Anleihen und finden andere Anklänge als ihr französisches Pendant, um so bemerkens- und achtenswerter findet es Vormweg, dass sich Erika Tophoven dieser schwierigen Übersetzungsarbeit unterzogen hat. Das Buch, das aus fünfzehn kleinen Szenen besteht, sei ein Resumée aus allen Romanen Sarrautes, das einen überraschenden Schlusspunkt unter ein Lebenswerk setzt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000

Am Schluß seiner Kritik lobt Hans-Jürgern Heinrichs die Übersetzerin Erika Tophoven, die "aus einer langen und tiefen Vertrautheit" mit Nathalie Sarrautes Werk bei diesem letzen Roman der 1999 Jahr verstorbenen Autorin "eine dem Original adäquate Übersetzung sprachanalytisch erarbeitet" habe. Im übrigen durchstreift Heinrichs noch einmal das literarische Werk Sarrautes seit 1939, um schließlich in "Aufmachen" den zu Ende geführten "Kampf der Wörter mit den Empfindungen" zu sehen, der ihr literarisches Schaffen bestimmte. Fünfzehn Kapitel wie Séancen, Rituale, Exercitien, die "den Faden des inneren Murmelns" fortspinnen. Hier nun gehen die Wörter schließlich als Souveräne aus dem Kampf hervor.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren