Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Französischen von Erika Tophoven. "Wörter, durch und durch eigenständige lebendige Wesen, sind die Akteure der folgenden Szenen. Sobald Wörter von außen kommen, entsteht eine Wand. Auf dem Plan bleiben nur die Wörter, die im Stande sind, die Gäste angemessen zu empfangen. Alle anderen ziehen sich zurück und werden sicherheitshalber hinter die Trennwand verbannt. Aber diese Wand ist transparent, die Ausgesperrten können hindurchschauen und beobachten. Hin und wieder packt sie die Lust, bei dem, was sie sehen, einzugreifen, sie halten es nicht mehr aus, sie rufen ... Aufmachen."
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2000
Sarrautes letztes Buch sei ein "tiefsinniges, verspieltes Meisterstück", findet Wilfried Wiegand. Mit einem Rekurs auf Eichendorffs "Taugenichts", für den das gedruckte Zeichen bloß als graphische Gebilde sich darstellte, und ihm der Blick auf ihre Bedeutung verstellt war, führt Wiegand auf Sarrautes Bewußtseinsbühne, wo die verschiedenen Wörter sich um ihren Auftritt drängeln. Eine Weile begleitet Wiegand das tiefsinnige Geplänkel, in dem sich die Sprache selber entblößt - kommentiert, lobt, erklärt. Das Buch habe die Form einer humoristischen Farce und sei mit virtuosen Eleganz erzählt, urteilt der Kritiker begeistert. Und endet mit einem Blick nach Frankreich, wo das Buch der 97jährigen enthusiastisch aufgenommen worden sei, und den hochgegriffenen Vergleichen mit Sartes "Die Wörter" und den letzten Bildern von Paul Klee mühelos standhalte.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2000
Jürgen Ritte spricht von Nathalie Sarrautes letztem Buch als von ihrem literarischen Vermächtnis, das irgendwo zwischen Literatur und Theater angesiedelt ist, insofern es ein Stück vorführt, in dem die Wörter die Akteure sind. Auch wenn die Form ungewöhnlich ist, behandelt dieses Buch das Thema, das der im vergangenen Jahr mit 99 Jahren verstorbenen Autorin immer am Herzen gelegen hat. Jürgen Ritte beschreibt es als das Misstrauen gegen die Automatismen in der Sprache, die den Sprechenden bestimmte Sprachabfolgen und Allgemeinplätze geradezu aufzwingen. Erika Tophoven sei es gelungen, dieses "so sehr aufs Französisch horchende Buch" auch der deutschen Sprache zu öffnen. Der Rezensent zieht respektvoll den Hut vor der Übersetzerin und erweist einer Autorin, die die Literaturtheorie des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat, die letzte Reverenz. Sie habe mit 97 Jahren eines der "frischesten und geistreichsten" Bücher der neueren Literatur geschrieben.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.07.2000
Das letzte Buch der kürzlich verstorbenen Autorin, die als die treueste Verfechterin des Nouveau Roman zu bezeichnen ist, galt als unübersetzbar, was Rezensent Heinrich Vormweg in der Anlage des Textes begründet sieht. Sarrautes Thema ist die Eigenmacht, die Eigenständigkeit der Sprache, das Eigengewicht der Worte, die "untereinander agieren und auf die Psyche zurückwirken", wie der Rezensent schreibt. Deutsche Wörter machen andere Anleihen und finden andere Anklänge als ihr französisches Pendant, um so bemerkens- und achtenswerter findet es Vormweg, dass sich Erika Tophoven dieser schwierigen Übersetzungsarbeit unterzogen hat. Das Buch, das aus fünfzehn kleinen Szenen besteht, sei ein Resumée aus allen Romanen Sarrautes, das einen überraschenden Schlusspunkt unter ein Lebenswerk setzt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000
Am Schluß seiner Kritik lobt Hans-Jürgern Heinrichs die Übersetzerin Erika Tophoven, die "aus einer langen und tiefen Vertrautheit" mit Nathalie Sarrautes Werk bei diesem letzen Roman der 1999 Jahr verstorbenen Autorin "eine dem Original adäquate Übersetzung sprachanalytisch erarbeitet" habe. Im übrigen durchstreift Heinrichs noch einmal das literarische Werk Sarrautes seit 1939, um schließlich in "Aufmachen" den zu Ende geführten "Kampf der Wörter mit den Empfindungen" zu sehen, der ihr literarisches Schaffen bestimmte. Fünfzehn Kapitel wie Séancen, Rituale, Exercitien, die "den Faden des inneren Murmelns" fortspinnen. Hier nun gehen die Wörter schließlich als Souveräne aus dem Kampf hervor.
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