Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Anette Grube. Mr. Barney Panofsky, ein alter Jude aus Montreal, hat mit Import/Export ein mittleres Vermögen gemacht und insgesamt drei Frauen geheiratet: eine Ikone des amerikanischen Feminismus, eine jüdisch-kanadische Prinzessin und eine, die bald die Nase voll hat von ihrem saufenden, hemmungslos schwadronierenden Mann. Eine wilde Geschichte über die Lust am Leben, einen Mord und seine spektakuläre Aufklärung.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2000
Tilman Urbach warnt davor, Richler nur als Satiriker zu sehen und findet in all den "gewitzten Unwahrheiten" dieses halb autobiografischen, als Erinnerungsband angelegten Romans vor allem einen Grundton von Melancholie, ja ein "Notat der Verzweiflung". Besonders liebevoll geht Urbach auf Richlers Schilderung der Pariser Bohème in den fünfziger Jahren ein. Abschließend weist er darauf hin, wie raffiniert und offen der Roman, der sich an der Oberfläche aus "erzählerischen Petitessen" zusammenzusetzen scheint, von Richler konstruiert wurde.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.07.2000
Maike Albath ist die Begeisterung für dieses Buch deutlich anzumerken. Ihr gefällt nicht nur der Humor und die (Selbst-)Ironie in dieser Geschichte, in der der Protagonist und alternde Lebemann Barney an "seinem eigenen Mythos arbeitet". Vielmehr weiß sie durchaus die nicht unkomplizierte Konzeption des Romans zu schätzen. Denn Barneys Version seiner Lebensgeschichte wird auf vielfältige Weise sabotiert, sei es durch die "humorlosen" Fußnoten des Herausgebers dieser fiktiven Autobiographie oder durch die einfließenden Dialoge mit zahlreichen anderen Figuren. Dadurch gelingt Richler "ein durchkalkuliertes Spiel mit den Erzählebenen", so Albath, was sich durch das ständige Hin- und Herspringen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und die zahlreichen schwadronierenden Abschweifungen Barneys noch verstärke. Aber vor allem anderen begeistert sich die Rezensentin für das "bunte Geschichtengewirr" Barneys, der in munterem Parlando nicht nur den Feminismus, "Anhänger von Vollkornkost" und die kanadische Politik aufs Korn nimmt, sondern auch ohne Probleme zu Themen wie Eishockey und der Welt jüdischer Einwanderer im Montreal der 30er Jahre etwas zu sagen hat.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.07.2000
Egon Schwarz war schon von Richlers Roman "Der Traum des Jakob Hersch" außerordentlich begeistert. Die Qualitäten dieses früheren Buchs findet er nun bei "Wie Barney es sieht" ohne Abstriche "ins Meisterhafte und Virtuose gesteigert". Zunächst geht er jedoch auf das Genre des jüdischen Romans der Gegenwart ein - "eine Art Post-Holocaust-Darstellung jüdischen Wesens", wie Schwarz es nennt. Hier habe Richler einige Konkurrenz wie beispielsweise Saul Bellow oder Philip Roth. In Sachen "Humor und Komplexität" sieht Schwarz deren Versuche von Richler jedoch übertroffen. Richlers Protagonist stolpert von einer Pleite in die nächste, nichts ist ihm fremd oder heilig, und stets plagt er sich mit den Widrigkeiten des gemeinen Lebens ab, so Schwarz. Er hebt vor allem Richlers Gespür für satirische Feinheiten hervor, aber auch die Selbstironie, mit der er seinen Protagonisten ausgestattet hat. Was die formale Gestaltung betrifft, so weist Schwarz darauf hin, dass Richler hier eine fiktive Autobiografie konstruiert hat, die durch Anmerkungen und Fußnoten des "Herausgebers" kommentiert wird. Gleichzeitig liegt ein besonderer Reiz dieser Darstellung in der eitlen Selbstbespiegelung Barneys, die in gewissem Kontrast zu den Schilderungen Dritter (z. B. in Briefen) steht. Dass das Jüdische hinter diesem "Feuerwerk von verblüffenden Formulierungen und skurrilen Getalten" zurücktritt, tut der Qualität dieses Buchs nach Ansicht des Rezensenten keinen Abbruch.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2000
Mit Gewinn gelesen hat Eva-Elisabeth-Fischer diese "groteske Autobiografie", die sich der bekannte kanadische Autor über Barney Panofsky hat einfallen lassen. Als verkrachter Künstler in Paris, später Fernsehproduzent, dreimal verheiratet und schließlich im New York der neunziger Jahre "der fortschreitenden Alzheimer-Krankheit seine Erinnerungen" abringend wird er vorgeführt. Und es gibt sogar ein Thriller-Element, einen unaufgeklärten Mord an Barneys Freund Boogie, der drogensüchtig war und den der Ich-Erzähler womöglich selbst umgebracht hat... Aber alles das ist am Ende nur Gerüst für die endlosen Schimpf- und Hasstiraden des geistig nicht besonders beweglichen Barney, der aber deswegen dennoch zu allem und jedem eine Meinung hat, vor allem auch zu Literaturbetrieb und politischer Korrektheit. Hier hat sich der Autor "eine besonders hässliche Maske übergezogen", meint die Rezensentin, und verführt darin geschickt den Leser zur Freude an der "Perfidie".
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