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Klappentext
Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.07.2000
Gerda Wurzenberger bespricht drei Jugendromane, die das Gewalttabu brechen und deren Heldinnen Mädchen sind. Allen drei Büchern ist eigen, dass die gewalttätigen Handlungen der Mädchen nicht als "Fehlverhalten" kritisiert werden, sondern im Gegenteil "geradezu als vernünftige Handlungen" erscheinen. Bevor sie sich den drei Büchern im Einzelnen zuwendet betont Wurzenberger, dass die "hohe literarische Qualität" der Romane plumpe Gewaltverherrlichung ausschließt.
1) Cynthia D. Grant: "Mary Wolf"
Die Titelfigur erschießt am Ende des Romans ihren Vater. Verständlich wird das für den Leser, weil man dem sozialen Abstieg einer Familie ganz aus dem Blickwinkel der 16jährigen Tochter Mary zusieht, so Wurzenberger. Mary muss erleben, wie ihre lebensuntüchtigen Eltern mit Diebstahl und Notlügen die siebenköpfige Familie in die Verwahrlosung treiben. Der "Sogwirkung der Ich-Perspektive" könne man sich so wenig entziehen, dass man als Leser am Ende "geradezu erleichtert" ist über den Schuss, bekennt die Rezensentin.
2) Bart Moeyaert: "Im Wespennest"
Auch dieser Roman lebt vor allem von der Ich-Perspektive der Heldin Suzanne, schreibt Wurzenberger. Nur sei der Blick hier so verengt, dass sich eine quälende Spannung einstelle, weil der Leser immer nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Gesamtbild vorgeführt bekomme. Die "Aura des Geheimnisvollen", die Moeyaert so schaffe, versetze den Leser in eine "nervöse Spannung", die auch dann noch bestehen bleibe, wenn der Leser beginnt, die Zusammenhänge zu begreifen. Wenn die Heldin in ihrem kleinen Dorf schließlich einen gewalttätigen Eklat provoziert, empfindet man diese Katastrophe als "unvermeidlich", meint Wurzenberger.
3) Mireille Best: "Camille im Oktober"
Auch diese Geschichte eines Mädchens, das in den fünfziger Jahren in der französischen Provinz aufwächst, ist in der Ich-Form erzählt. Anders als bei Moeyaerts Suzanne beobachte Camille ihre Umgebung jedoch mit distanziertem, wissenden Blick. Beeindruckt beschreibt die Rezensentin die "lakonisch-ironische Erzählweise" mit der hier die 50er aufs Korn genommen werden. Die materiellen Sorgen schlossen damals noch eine "sanfte Rücksichtnahme auf die Zartheit einer Kinderseele" aus. Wurzenberger beschreibt sehr anschaulich, wie sich die Mütter beim Kaffeeklatsch ungeniert in Gegenwart ihrer Kinder erzählen, mit welchen Methoden sie versucht hatten, ihren Nachwuchs abzutreiben. "Fast schwebend" leicht sei diese Geschichte erzählt, schreibt die Rezensentin bewundernd, dennoch hinterlasse sie "tiefe Spuren und im besten Sinne gemischte Gefühle".
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