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Michel Winock
Das Jahrhundert der Intellektuellen
Klappentext
Aus dem Französischen von Judith Klein. Mit einem Vorwort von Ingrid Galster. Michel Winocks Geschichte der Intellektuellen setzt die Personen, Ideen und Werke in Szene, die in Frankreich das vergangene 20. Jahrhundert geprägt haben, und erzählt von den Auseinandersetzungen, Freundschaften und Feindschaften engagierter Schriftsteller, Philosophen, Künstler und Wissenschaftler. In 62 Kapiteln, die die Schlüsselszenen intellektueller Diskurse beleuchten, stellt er die Debatten über die weltpolitischen Erschütterungen, die Weltkriege, den Faschismus, Kommunismus, Okkupation, Kalten Krieg und die 68er, aber auch die großen Auseinandersetzungen und Fragen der französischen Geschichte von der Dreyfus-Affäre bis zur Entkolonialisierung dar.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2004
Rezensent Frank-Rutger Hausmann bezweifelt, ob es wirklich nötig gewesen wäre, Michel Winocks "monumentale Studie" über die französischen Intellektuellen ins Deutsche zu übersetzten. Schließlich handle es sich um das Buch "eines Franzosen über Franzosen für Franzosen"; die deutschen Leser, die sich dafür interessierten, seien zumeist Spezialisten, die auch das Original lesen könnten. Generell aber wird der Band nach Hausmanns Prognose das deutsche Publikum nicht erreichen, weil Winocks Intellektuelle sich nur mit sich, und das heiße mit Frankreich beschäftigten. "Hundert Jahre Selbstgenügsamkeit" sieht er in dem Band abgehandelt. Etwas enttäuschend findet Hausmann, dass Namen wie Spengler, Schmitt, Jünger, Sieburg oder Habermas erst gar nicht fallen, und selbst die von Freud, Nietzsche, Heidegger und Jaspers nur am Rande vorkommen. Stattdessen werde der Leser mit einer Fülle ihm fremder Namen verwirrt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.03.2004
Ein "Standardwerk", das von nun an die Grundlage jeder Beschäftigung mit der französischen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts bilden muss, sieht Rezensent Ulrich Brieler in diesem Werk von Michel Winocks, das jetzt in einer "vorzüglichen" deutschen Übersetzung vorliegt. Wie er ausführt, setzt der Verfasser theoretische und ästhetische Maßstäbe für den Umgang mit Zola, Gide, Sartre & Co. und liefert eine "große Erzählung" der politischen Interventionen der Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler. Die Geschichte dieser Intellektuellen, die Winock in 62 Kapiteln erzähle, ist nach Auskunft Brielers voller Brüche und Sackgassen, Extremismen und Dummheiten, von großen Entwürfen und kurzatmigen Engagements - aber langweilig ist sei sie nie. Brieler hebt hervor, dass Winock en passant mit einigen Grundirrtümern aufräumt, etwa dem, dass der Geist immer links stehe. Neben viel Lob gibt es auch ein wenig Tadel. So vermerkt Brieler kritisch, dass sich Winock vor allem auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts konzentriert, während er das Jahrzehnt nach 1968 im Schnelltempo durchlaufe, und die Diskussionen der 80er- und 90er-Jahre um das Ende des Kommunismus, den Generalstreik von 1995 oder den neuen Typus des Medienintellektuellen kaum thematisiere. Zudem hält er Winocks Politikbegriff für zu eng. Angesichts der "Überfülle" an biografischen, sozialen, politischen und ideologischen Informationen, die dieser Band bietet, sind diese Mängel für Brieler freilich leicht "verschmerzbar".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003
Das Gelingen dieser umfassenden Darstellung der bedeutenden französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts ist beinahe ein Wunder, meint der Rezensent Jürg Altwegg. Möglich werde es durch die geschickte Unterteilung der Darstellung - die der Historiker Michel Winock ursprünglich in Fortsetzungen in "Le Monde" veröffentlichte - in drei Akte, die jeweils um eine Zentralfigur angeordnet sind, nämlich den faschistischen Intellektuellen Maurice Barres und die Linksintellektuellen Andre Gide und Jean-Paul Sartre. Um sie herum gruppiert werden Porträts der Zeitgenossen, aber auch Darstellungen zeitgeschichtlicher Bedeutsamkeiten, vom Dreyfus-Skandal bis zum Kravtschenko-Prozess, der die dogmatische Wirklichkeitsblindheit der französischen Kommunisten dokumentierte. Der Ton des Bandes ist, so Altwegg, "im Stil des Feuilletons" gehalten, "locker, manchmal etwas ausschweifend". Gelegentliche Ausflüge ins Boulevardhafte verzeiht der Rezensent, bedauerlich findet er nur, dass Winock offenbar keine Lust hatte, nach der "Mitverantwortung der Intellektuellen für die Abgründe" des 20. Jahrhunderts zu fragen.
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