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Klappentext
Aus dem Französischen von Stephanie Singh. Verdrängung, Sublimierung der Triebe, Ödipuskomplex, der ganze Freud: von Wissenschaft keine Rede. Die Psychoanalyse: wahr und gültig nur für eine einzige Person - Sigmund Freud selbst. Michel Onfray, der große Radikale unter den Denkern der Gegenwart, sieht Freud als Schamanen und Stifter einer mächtigen Religion und entlarvt dessen Vermächtnis als "großartiges Märchen" und kollektive Wahnvorstellung, der alle erliegen. Freuds Doktrin vom Unbewussten und von den körperlichen Bedürfnissen (vulgo: den Trieben) hat eine ganze Zivilisation verführt. Kein gesellschaftliches Thema kann ohne Psychologisierung auskommen, nur zu gern bietet sich die Psychoanalyse als "wissenschaftliche" Erklärung an. Doch weder dachte Freud wissenschaftlich, noch heilte er, noch befreite er die Sexualität, so der französische Philosoph Michel Onfray.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Michel Onfray: Anti Freud - Leseprobe beim Knaus Verlag
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2011
Eigentlich hat dieses Buch in Deutschland kein Publikum, meint Andreas Mayer und verweist auf den für den Band konstitutiven Hintergrund der französischen Freud-Rezeption der letzten Jahre. Als erkenntnisbringende Auseinandersetzung mit Freud allerdings taugt Michel Onfrays Polemik laut Mayer auch nicht. Als ehemaliger Anhänger Freuds rekapituliere der Autor nur die gängigen Muster der Anti-Freud-Literatur, etwa die These von der Privatwissenschaft, mit der Freud eigene Neurosen zu heilen suchte. Für Mayer nichts weiter als holzschnittartige Psychobiografik, reißerische Verdachtshermeneutik unter dem Deckmantel einer nietzscheanischen Analyse. Verständlich für den Rezensenten allenfalls vor der Folie der polemischen Auseinandersetzung des Autors mit der Freud-Biografin Elisabeth Roudinesco.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.04.2011
Rezensentin Christine Pries nimmt dieses Buch nicht ernst. Was der französische Autor Michel Onfray hier über die Psychoanalyse vorzubringen hat, reiht sie in das Freud-Bashing ein, das Sigmund Freud von Beginn an über sich ergehen lassen musste. Irgendetwas Neues oder Substanzielles hat Pries in dieser Streitschrift offenbar nicht gefunden, ihrer Darstellung zufolge rechne Onfray hier mit dem angebeteten Idol seiner Jugend ab, das sich bei neuerlichem Lesen als nicht mehr ganz so großartig erwiesen haben. Selbst wenn Freud ein Unsympath war, selbst wenn er ein Verhältnis mit seiner Schwägerin hatte, kokste und ruhmsüchtig war, was, fragt Pries, hat dies mit der Psychoanalyse zu tun? Onfrays Furor kann sie sich nur psychoanalytisch erklären.

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