Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Italienischen von Julika Brandestini. Wie Mutter und Tochter leben Bonaria Urrai und die sechsjährige Maria zusammen. Die Bewohner des sardischen Dorfes sehen den beiden verwundert nach und tuscheln, wenn sie die Straße hinunterlaufen. Dabei ist alles ganz einfach: Die alte Schneiderin hat das Mädchen zu sich genommen und zieht es groß, dafür wird Maria sich später um sie kümmern. Als vierte Tochter einer bitterarmen Witwe war Maria daran gewöhnt, "die Letzte" und eine zuviel zu sein. Nun hat sie ein eigenes Zimmer in dem großen reinlichen Haus Bonarias, wo alle Türen offen stehen und sie jeden Raum betreten darf. Doch ein Geheimnis umweht die stets schwarz gekleidete, wortkarge Frau, die mitunter nachts, wenn Maria schlafen soll, Besuch erhält und dann das Haus verlässt. Es scheint, als würde Bonaria in zwei Welten leben. Das Mädchen spürt, dass sie nicht danach fragen darf. Erst sehr spät entdeckt sie die ganze Wahrheit.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2010
Diese "eigenwillige Variante des Entwicklungsromans" hat Maike Albath gut gefallen, und Michaela Murgia trägt damit aus ihrer Sicht weiter zur gegenwärtigen Renaissance der sardischen Literatur bei. Seine Sogkraft bezieht das Buch für die Kritikerin aus den Schilderungen der zahlreichen heidnischen Gepflogenheiten der sardischen Kultur, die ihr "einem ursprünglicheren Verhältnis zu Leben, Tod und Leid" geschuldet zu sein scheinen. Beeindruckt schildert sie eindringliche archaische Bilder aus dem "erzählerischen Universum" des Romans. Bei der Schilderung der Geschichte ihrer ungewöhnlichen Heldin folge die Autorin dem Muster der mündlichen Erzählung, deren Hauptmerkmale für die Kritikerin viele "Wiederholungen, Elemente aus Legenden und eine bildhafte Sprache" sind.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.05.2010
Wirklich gegeben hat es die "Accabadora" des Titels, also die Frau, die Sterbenden zum Tode hilft, mutmaßlich nie. Was Michela Murgia in ihrem Romandebüt erzählt, ist also eher eine sardische Legende. Daran, dass dieser Roman realitätsgesättigt und so "poetisch" wie "nüchtern" (lobt Jutta Person) von der italienischen Insel und ihren Bewohnern erzählt, ändert das freilich nichts. Um Adoption geht es, um das Verlassen der Insel und um die Rückkehr, aber an keiner Stelle werde daraus ein Stück Nostalgie. Kein Wunder auch, findet Person, bei einer Autorin, die sich auf ihrer Website heftig in die Gegenwart einmischt und mit einem Tagebuch ihres Leidens als Callcenter-Mitarbeiterin debütierte.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2010
Reife attestiert Niklas Bender dieser Autorin. Wer derart abgeklärt, elegant und schlicht über das archaische Erbe Sardiniens zu schreiben vermag, meint Bender, der steht keinesfalls mehr am Anfang, auch wenn es sich bei diesem Roman von Michela Murgia um einen Erstling handelt. Ein wenig wundert sich Bender zwar, wie relativ heiter die Autorin ihre kleine Heldin, die sechsjährige Maria, in einem sardischen Dorf in den 50er Jahren mit dunklen archaischen Riten in Berührung kommen lässt und die so heikle wie zeitlose Frage nach dem Recht auf selbstbestimmtes Sterben stellt. Weil es der Autorin so jedoch gelingt, Archaik nicht als Folklore, sondern als selbstverständlichen Teil eines Reifeprozesses zu zeigen, leuchtet es Bender schließlich ein.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010
Betörend, aber auch "verstörend" findet Elisabeth von Thadden den Debütroman der sardischen Autorin Michaela Murgia. Die Geschichte um das Mädchen Maria, das an Kindesstatt von einer Frau aus dem Dorf aufgenommen wird, der es obliegt, als "Accabadora" die Alten des Dorfes dem Tod zuzuführen und die Kinder auf die Welt zu holen, spielt in den 1950er Jahren und pflegt einen märchenhaften Ton, erklärt die Rezensentin. Den archaischen Zuständen im Dorf aber wird mit der jugendlichen Maria eine klug reflektierende Stimme entgegengesetzt, die ihre Pflegemutter liebt, aber Stück für Stück ihre "Abgründe" aufdeckt, so die Rezensentin weiter. Nachgerade "beunruhigend" findet Thadden die naive Haltung der Männer des Dorfes, die sich der "tödlichen Weisheit" der Accabadora überlassen, und demgegenüber "berückend schön", wie sich das Mädchen von ihrer Umgebung emanzipiert.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.03.2010
Zwischen "Krimi und Gedankenspiel" changiert der unheimliche und manchmal beklemmende Roman der gebürtigen Sardin Michela Murgia, schauert es Nina Apin. Schon die auf Brauchtum beruhende Beziehung zwischen der kinderlosen Schneiderin Bonaria Urrai und der jungen Maria, die als "Tochter des Herzens", man könnte es aber auch Altersversicherung nennen, adoptiert wird und Erziehung und Bildung genießt, mutet seltsam an. Bonarias zweiter, in der Dunkelheit ausgeübter Beruf tut es erst recht. Als Accabadora (als "Beenderin") hilft sie Sterbenden über die Schwelle zum Tod. Über diese Tätigkeit, die als "von der Gemeinschaft mitgetragener Akt der Barmherzigkeit" aufgefasst wird und zumindest in den Legenden und Sagen der Sarden noch in den fünfziger Jahren eine Rolle gespielt hat, kommt es zum Konflikt zwischen Maria und Bonaria. Die Autorin habe kein italophiles Wohlfühlbuch geschrieben, warnt die Rezensentin, sondern einen "harten Blick" auf eine archaische Kultur geworfen, "die in ihrer Kindheit noch von den Alten gelebt wurde".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Theodor W. Adorno: Philosophie und Soziologie (1960)
Herausgegeben von Dirk Braunstein. Die Vorlesung über "Philosophie und Soziologie" aus dem Sommersemester ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








