Bücherschau der Woche
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Klappentext
Michael Schwelien erklärt Fischers Politikstil, seinen Machthabitus auch aus den Stürmen seiner Biografie: wie die familiäre Vertreibungsgeschichte seine Kosovo-Politik beeinflusst - warum er die Grünen als Sprungbrett seiner Karriere erkannt hat - wie er seine Konversion von der "grünen Tonne" zum Jogging-Guru geschickt zm Gestus des prinzipientreuen Asketen wandelt - wie er sich in seinem Leben zum Außenseiter stilisiert hat. Eine faszinierende Karriere, die gleichzeitig das Altern einer ganzen Protestgeneration spiegelt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.12.2000
Als eine episodische Annäherung an einen "Wandlungskünstler" hat Konrad Watrin die Fischer-Biographie aus der Feder des Zeit-Reporters Michael Schwelien gelesen. Amüsant, respektlos, lautet sein zunächst positives Urteil, das durch sich wiederholende Passagen und den etwas eifernden Ton dann doch etwas gedämpfter ausfällt. Der Autor erkläre die Wandlung des Rebellen zum beliebten Staatsmann als Symptom der Überanpassung, schreibt Watrin; er unterstelle Fischer einen deutlichen Hang zur Biederkeit und vor allem einen gnadenlosen Opportunismus. Dass jemand auch reifen könne in seiner Rolle, sei ein Gedanke, der dem Autor fern läge. Insofern nehme sich dann die Karriere Fischers nicht so viel anders aus als die eines amerikanischen Tellerwäschers, der zum Präsidenten aufsteigt. Vor allem wirft Schwelien dem Außenminister Bellizismus vor und mangelndes Engagement zur Abwendung des Jugoslawien-Krieges, behauptet Watrin. Alternativen würden nicht angedeutet. Für den Rezensenten zeigt die Karriere Fischers nicht nur die Wandlungsfähigkeit eines Menschen, sondern auch den Wandel der Bundesrepublik, die einst mit Abscheu auf Politiker wie Brandt und Wehner reagiert habe, weil sie Exil und/oder gescheiterte Ehen hinter sich hatten. Gegen das Exil sei Fischers Häuserkampf eher ein Sandkastenspiel gewesen, schreibt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2000
Interessant, aber eher im Sinne eines Symptoms, findet Martin Altmeyer diesen Band. Ihn scheint bei Schwelien eine Art Rhetorik des Verdachts zu stören, in der Fischer vor allem auf seinen politischen Ehrgeiz reduziert wird. Alles was er tut, dient demnach nur dem persönlichen Vorankommen und wird gar nicht in sich selbst betrachtet - so scheint es in Altmeyers Kritik. An sich richtige Beobachtungen sieht er so zur `Denunziation` werden, weil sie `einer bösartigen Dramaturgie folgen`. War Fischer wirklich ein `Kriegstreiber` im Kosovokrieg? War seine Diplomatie nur Vorwand? Ist seine Versöhnung mit dem Parlamentarismus politische Anpasserei? Altmeyer findet, dass Fischers Verdienste bei aller Zwiespältigkeit seiner Person nicht wirklich gewürdigt werden. Trotzdem konzediert er dem Buch, dass es in vielen Passagen ausgezeichnet recherchiert ist - dies scheint vor allem für Fischers politische Frühgeschichte in Frankfurter Spontikreisen zu gelten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2000
Dies Buch scheint so wichtig zu sein, dass ihm die FAZ bereits die zweite Kritik widmet. Dabei ist Thomas Schmid von Michael Schweliens Biografie des derzeitigen Außenministers ziemlich enttäuscht. Allerdings aus anderen Gründen als Lorenz Jäger. Er meint, der Autor, von Haus aus Journalist, sei Fischer in einigen Punkten aufgesessen. Schmid lässt zwar die "belustigt-nostalgische Seite" des Buches gelten, mit der Wohngemeinschaftszeiten und Fischers Frauen abgehandelt würden. Überhaupt nicht einverstanden ist der Rezensent dagegen mit Schweliens Auffassung, das Jahr 1968 als Bruch mit der frühen Bundesrepublik zu betrachten. Seiner Meinung nach übersieht der Autor dabei die Übereinstimmung, die Fischers Biografie mit der bundesrepublikanischen Gesamtgeschichte aufweist. Die von Schwelien eingangs gestellte Frage: Verrat oder Triumph eines 68ers, beantworte der Autor darum auch gar nicht eindeutig, er belasse es bei einer "flauen Krititk" - etwa in Sachen: Krieg in Jugoslawien. Fischer ist es mit Hilfe Schweliens gelungen, schreibt Schmid abschließend, seinen Werdegang als "klassische Bildungs- und Vollendungsgeschichte" zu inszenieren.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2000
Die These des Autors, so Matthias Schatz, ist, dass Außenminister Fischer im Grunde gar kein Grüner ist sondern in erster Linie und immer schon seine eigene Karriere im Auge hatte. "Nicht zimperlich" geht er dabei um mit dem Mann, den er seit Frankfurter Uni-Tagen kennt, zeichnet seine Karriere nach vom Metzgersohn, abgebrochenen Oberschüler, Taxifahrer und Buchhändler über den Frankfurter Hausbesetzer, Grünen, ersten Landes-Umweltminister Deutschlands und schließlich Außenminister in Berlin. Der Autor kratzt dabei am Image des "intellektuellen Vordenkers und gebildeten Asketen" und legt den "Machtmenschen" frei, schreibt Schatz. Dabei äußert sich der Rezensent auch kritisch über einige Einschätzungen des Autors, findet beispielsweise nicht nachvollziehbar, dass Fischer seine Politik den "Amerikanern völlig untergeordnet" habe und weist auch auf die durchaus eigene Europa-Vision des Ministers hin. In jedem Fall findet er das Buch eine "schöne, leicht zu lesende Lektüre", die mit den Höhen und Tiefen des Politikers vertraut macht. Matthias Schatz empfindet, offenbar im Gegensatz zum Autor, die "Wandlungs- Anpassungs- und Lernfähigkeit Fischers" eher einen Grund für "Vertrauen in Politikfähigkeit".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.09.2000
Lorenz Jäger ist nicht zufrieden. Diese Fischer-Biografie bietet für seinen Geschmack einfach zu wenig. Vieles, was als Insiderwissen verkauft werde, stamme in Wirklichkeit "direkt aus den Pressearchiven", wichtige Weggefährten Fischers würden schlicht ignoriert und auch so manche Vorwürfe, die Schwelien an die Adresse des Politikers richtet, findet der Rezensent wenig plausibel. So verteidigt Jäger den Außenminister gegen Schweliens Vorwurf, es fehle ihm an "politischer Substanz" oder auch gegen Kritik an Fischers Umgang mit den Medien. Stattdessen bietet das Buch, so Jäger, allerhand Anekdoten, denen jedoch seiner Meinung nach meist die Pointe fehlt. Jäger macht keinen Hehl daraus, dass er Fischer für den "politischsten Kopf" der Regierung hält, was für ihn nicht zuletzt daran liegt, dass Fischer "von der Vertreibung bis zur RAF-Sympathie" selbst für geschichtliche Erfahrung steht. Dieser Tatsache wird diese Biografie seiner Ansicht nach keineswegs gerecht.
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