Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Eines Tages steht ein junges Mädchen aus Budapest vor der Tür eines Münchner Komponisten in München. Judit, die fest an die hohen Ideale der Kunst glaubt, möchte das Cellospiel erlernen. Der Komponist ist sich seiner Sache nicht so sicher. Er verdient seit geraumer Zeit sein gutes Geld mit Erkennungsmelodien für Fernsehserien und plagt sich nimmermüde mit dem Projekt einer Mandelstam-Oper ab. Judit, die "falsche Tochter", bringt nicht nur mit ihrem irrlichternden Wesen den Komponisten an den Rand eines Nervenzusammenbruchs, sondern auch mit ihrer nicht ganz so kleinen Familie, die ihr bald nachfolgt und jedes geregelte Leben und Arbeiten unmöglich macht.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.01.2001
Der Rezensentin Sibylle Kramer gefällt der neue Roman Michael Krügers, dessen frühere Romane sie zu den "raren Schätzen der humoristischen Literatur nach dem Krieg" zählt. In diesem Zusammenhang vergleicht sie ihn auch mit Oskar Pastior und Rolf Hauf. Krüger schafft ihrer Meinung nach immer wieder neue, amüsante Variationen des Themas: "Intellektueller in nachaufklärerischer Zeit, der als Klotz am Bein die schauerlichen Aufträge aus dem Zeitalter der Aufklärung mit sich herumschleppt". Protagonist seiner neuen Erzählung ist ein Komponist aus Bayern, der eher zurückgezogen im Abstrakten lebt, bis sein Leben von seiner plötzlich auftauchenden zwanzigjährigen Tochter durcheinander gebracht wird. "Leicht lesbar" und trotzdem "gescheit" findet Kramer diese Erzählung und ordnet sie als "in der Geschichte der 68er verankert" ein.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2000
Gerhard Schulz ist unzufrieden mit Michael Krügers neuem Roman, in dem das Leben des Altachtundsechzigers und wenig erfolgreichen Münchner Komponisten Georg durch eine ungarische Cellistin durcheinandergewirbelt wird, weil er sich verliebt, obwohl sie vielleicht seine Tochter ist. Das alles gibt eine Farce ab, die nicht wirklich witzig ist, so Schulz. Was ihn besonders stört, ist, dass das Buch "Musiker in großer Zahl" präsentiert, dass die Musik aber in Krügers Roman nie recht greifbar zu werden scheint.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2000
Geteilter Meinung zeigt sich Andreas Kühne über dieses Buch. Zunächst einmal vermisst er so etwas wie eine logische Notwendigkeit. Zu viel erscheint ihm beliebig, konsequenzlos. Wenn etwas geschieht, so ist es seiner Meinung nach oftmals nur "eine Möglichkeit unter anderen". Und obwohl der Protagonist doch einiges erlebt, so haben diese Ereignisse - wie Kühne feststellt - auf den Komponisten kaum einen "kathartischen" Effekt, er macht halt mehr oder weniger so weiter wie bisher. Auch die "Kapitel, in denen vom schweren Los des Künstlers" die Rede ist, findet er inhaltlich wie sprachlich wenig gelungen. Darüber hinaus stört sich Kühne an den "literarischen Allusionen", die der Leser auch bemerken würde, wenn er nicht mit der Nase darauf gestoßen würde. Gut gefallen ihm hingegen die Erinnerungen des Protagonisten an die sechziger Jahre, wenn er lebendig über die damals relevanten gesellschaftlichen und musikalischen Themen reflektiert und dem Autor dabei "treffsichere Situationsbeschreibungen und brillante Charakterstudien" gelingen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Gustav Seibt ist schon vom Anfang des Romans derart begeistert, dass er sich Sorgen macht, der Autor könne das rasante Tempo, mit dem er losprescht nicht durchhalten. Doch er sorgt sich umsonst, denn er stellt fest, dass Krüger seinen "schreiberischen Höhenflug" nicht nur hält, sondern sogar noch steigert. Die Geschichte, in dem das geordnete Leben eines alternden Komponisten von der Tochter seiner Jugendliebe durcheinander gebracht wird, sei zwar "alles andere als originell", doch überzeuge die "Brillanz von Krügers Beobachten und Schreiben" und am Ende entstehe sogar so etwas wie eine "ganze Kulturdiagnose", schwärmt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.10.2000
Michael Krüger, der im Hauptberuf Verleger bei Hanser ist, scheint auch in seinem Nebenerwerb über Talente zu verfügen. Elke Schmitter schreibt jedenfalls in heiter geistreicher Art über dieses Buch, auch wenn sie einem nicht das Gefühl gibt, vor Enthusiasmus zu vibrieren. Der Roman handelt bekanntlich von einem achtenswerten, aber nicht unbedingt großartigen Komponisten Neuer Musik, und was Schmitter daran gefällt, ist der `nüchterne Realismus`, mit dem er seine Leistungen und Talente einschätzt - ein Argument, das man als feinfühliger Leser von Schmitters Rezension natürlich gleich auf Krüger selbst zurückbezieht. Aber darüber hinaus findet Schmitter den Roman auch `kunstvoll gebaut`, ohne dass er mit seiner formalen Intelligenz zu paradieren scheint. Schließlich gefällt ihr sehr, dass Krüger einschlägige Sinnfragen zu Kunst und Leben weder stellt, noch beantwortet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2000
Angelika Overaths Urteil bleibt zwiespältig. Der Roman bietet "pralles Leben" und "aberwitzig komische Passagen", er zeichnet einfühlsame Porträts und genaue Milieustudien, meint sie. Dabei bleibe der Ton des Romans trotz des angedeuteten Inzest-Tabus, trotz des melancholischen Scheiterns des Protagonisten "heiter". Doch die Fülle der eingeführten Personen und Themen lassen alles zu sehr in der Schwebe, und die Stimme des Autors bleibe seltsam gelassen, "ein wenig zu vornehm", so die Rezensentin unzufrieden. So bleibe der Roman im "kleinen Format", was vielleicht zu wenig ist.
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