Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Michael Müller. Isaiah Berlin (1909-1997) war der Vordenker des Liberalismus im 20. Jahrhundert. Mehr als zehn Jahre lang verbrachten er und Ignatieff Nachmittage im Gespräch miteinander. Ignatieff stellte eine Frage, und Berlin durchwanderte die weiten Räume seiner verblüffend genauen Erinnerungen. Sexuelle Sehnsüchte traten gleichberechtigt neben seine Neigung zur Hypochondrie, seine unzähligen Reisen boten ebensoviel Stoff wie seine philosophischen Arbeiten oder seine Liebe zur Musik.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.06.2000
Informativ, historisch korrekt, dramaturgisch geschickt, sprachlich elegant, - alles, was eine gute Biografie haben muss, leistet dieses von Elke Schmitter mit Begeisterung aufgenommene Buch. Der Autor verfolgt die Stationen seines Lebens und verknüpft sie geschickt mit Positionen im Denken dieses bekannten Ideengeschichtlers, der in Riga aufwuchs und während der Revolutionswirren nach England emigrierte. Schmitter demonstriert ausführlich das differenzierte Bild, das Ignatieff von Berlin zeichnet, der selbst nur ein schmales, aber bedeutendes Oeuvre hervorgebracht hat: ein Liberaler, kein Mann der Linken, der seine analytische Kraft, wie Schmitter schreibt, nicht auf Ideologien, sondern auf die historische Erscheinung von Ideen verwendete. Einziger kleiner Makel der Biographie, für den Schmitter den Verlag verantwortlich macht: ein gründlicheres Lektorat hätte dem Buch noch mehr gedient.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.04.2000
Etwas gönnerhaft ist der Ton Ursula Pia Jauchs gegenüber dem Ideenhistoriker, den sie - als es um seine Kindheit geht - übrigens einmal einen "hübschen Knaben" und einige Zeilen später einen "dicklichen, äußerlich wenig anziehenden Knaben" nennt. Zwei Dinge haben der Rezensentin an Ignatieffs Biographie gefallen: Einmal die "Nähe und Vertrautheit" des Autors zu seinem Gegenstand, die sein Buch dennoch nie zur Hagiographie ausarten lasse, und dann der Eindruck, dass das Buch das intellektuelle Klima im Oxford der dreißiger Jahre besonders lebendig wiedergibt. Im übrigen sei es nicht nötig, meint Jauch, "dass Berlins Person ... zur Übergröße stilisiert wird", ein Vorwurf, den sie aber nicht an Ignatieff, sondern an die Klappentexter des Verlags richtet, die Berlin mit Hume und Macchiavelli gleichsetzen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000
Rüdiger Görner nutzt in seiner Kritik zunächst die Gelegenheit, um festzustellen, dass Michael Ignatieff heute wohl einer der wenigen Intellektuellen Großbritanniens von Format sei. Um so glücklicher findet er es, dass sich Ignatieff dem großen Liberalen Berlin zuwandte, zumal der Autor dabei auf viele Gespräche zurückgreifen konnte, die er mit dem Philosophen hat führen können. Görner weist darauf hin, dass dies nach den Büchern von John Gray und Ramin Jahanbegloo bereits der dritte biographische Versuch über Berlin sei. Wichtig findet Görner, dass Ignatieffs Buch auch "aus deutscher Sicht wichtige Aspekte" biete. Er erinnert hier vor allem an Berlins zwiespältiges Freundschaftsverhälnis zu dem deutschen Widerstandskämpfer Adam von Trott, der versuchte, Berlin einzuschalten, als er bei der britischen Regierung Unterstützung für seine Pläne gegen Hitler suchte - Berlin scheint sich hier distanziert verhalten zu haben. Bemerkenswert findet Görner bei Ignatieff auch die Darstellung von Berlins Verhältnis zu Zionismus und Liberalismus. Berlin sei einer der wenigen Köpfe gewesen, die diese beiden Schulen in Einklang zu bringen wussten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000
Zum Vorbild für das Genre der intellektuellen Biografie überhaupt - diesen Begriff umreißt Axel Honneth ausführlich am Beginn seiner Kritik - könnte Honneths Meinung nach Michael Ignatieffs Buch über seinen Lehrer, den Ideenhistoriker Isaiah Berlin werden. Von der erzählerischen Gabe Ignatieffs ebenso hingerissen wie von dessen "kognitiven Tugenden", beschreibt er das Buch als ausgesprochen gelungene Synthese von Lebens- und Ideengeschichte dieses einflußreichen britischen Philosophen, mit unverkennbarer Tendenz zu "Hagiographie" allerdings, wie Honneth einschränkend bemerkt.
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