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Klappentext
Maxim Billers erster Roman erzählt die Geschichte von Motti, dem Israeli, der alles vergessen will, was er als junger Soldat im Libanonkrieg erlebt hat, und von Sophie, der Touristin aus Deutschland, die ihm helfen soll, in ihrer Heimat ein neues Leben zu beginnen. Doch zwischen Mottis Welt, der Welt seiner Eltern in Tel Aviv, die dem Holocaust entkamen, und Sophies deutschem Leben und deutscher Familie wächst eine Kälte, die Mottis Seele zu zerreißen droht. So flieht er in eine neue, gefährliche Liebe - die Liebe zu ihrer gemeinsamen Tochter Nurit.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.04.2000
Hans-Peter Kunisch geht in seiner Rezension hart mit einigen - ungenannten - Kollegen ins Gericht, deren "wütende" Attacken auf Biller ihm beweisen, dass sie den Roman nur auf die Stellen hin gelesen haben, "die zeigen, dass Biller immer noch kein braver Jude in Deutschland geworden ist". Auch den Vorwurf, der Roman sei `gegen Deutschland` geschrieben (auch bei diesem Zitat sagt Kunisch nicht, wo er es her hat), weist er zurück: Das große Trauma des Helden Motti ist für Kunisch nicht der Holocaust, sondern der Libanonkrieg. Dann geht es plötzlich andersherum: Dem Kritiker (hier kann nur FAZ-Rezensent Thomas Wirtz gemeint sein), der Biller gleich mit James Joyce auf eine Stufe gestellt habe, will Kunisch auch nicht folgen. Denn zweifellos sei Biller formal ein "konventioneller, traditionsbewusster" Erzähler. Kunisch bewundert das Buch aus ganz anderen Gründen: Biller habe hier eine "deutlich psychologische" Variante des Realismus vorgeführt. Als Beweis führt er den Wandel von Mottis Blick auf die Deutschen an - aus "netten Deutschen" werden im Laufe der Geschichte "Schweine-Deutsche". Der Rezensent hält dies für ein Zeichen von Wahnsinn - bei Motti, nicht beim Autor. Die Techniken, mit denen Biller Mottis fortschreitenden Wahnsinn zeige, sind von Schnitzler inspiriert, meint Kunisch. Im übrigen findet er den Beginn des Romans "furios", in der Mitte aber "durchhängend". Besonders gefällt ihm jedoch, wie Biller "die Freiheit der Literatur" nutzt, um alle Gewissheiten zu vertreiben. Am Ende wisse der Leser nicht mal mehr, ob Mottis Geschichte nur ein Traum war.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.04.2000
Dorothea Dieckmann flicht dem Autor einen stattlichen Lorbeerkranz, in dem sich einige Disteln verstecken. Ihr imponiert sichtlich die "große Grübelei" und der "unbeugsame Ernst", mit dem Biller die Verstrickungen seines Helden Motti schildert. Motti ist ein nach Deutschland geflüchteter israelischer Soldat, Sohn eines KZ-Häftlings, der seine Tochter missbraucht. "Die Verschränkung von Täter und Opfer", macht Dieckmann dann auch als das zentrale Thema des Romans aus. Missfallen hat ihr vor allem die Darstellung der Frauen: alle groß und schwer, mit blassen, fetten Gesichtern. Die "stereotyp unterwürfige Manier" mit der sich diese Frauen von dem schmächtigen Helden besteigen lassen, kommt ihr wie eine "plumpe Männerfantasie" vor. Ihre Ambivalenz gegenüber dem Roman, die sich auch aus manchen "Klischees" und der "konventionellen Rollenprosa" speist, schlägt am Ende jedoch in echte Anerkennung um: Biller, der immer `realistische` Romane schreiben wollte, ist besser als er selbst weiß.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000
Ein großer Roman der großen Form an großen Vorbildern geschult: Thomas Wirtz ist nicht kleinlich in seinem Lob für diesen Debütroman. Hier ist, so Wirtz, "Literatur als Monumentalarchitektur" zum Ereignis geworden - und das von einem Autor, der sich bisher eher als Polemiker und Erzähler einen Namen gemacht hat, der sich mit seinem Roman jedoch als Traditionalist und "Freud-Joyce-Musil-Leser" entpuppt. Wirtz entfaltet in der Besprechung seine Thesen zu Biller als Romancier neben der Nacherzählung des Romans: der in Deutschland lebende Israeli Motti sieht in einem Pornostreifen seine Tochter als Darstellerin; daraufhin verbringt er einen Tag (in München) als Erinnerungsgang durch sein Leben und legt Schicht um Schicht frei, was Billers Thema auch hier wieder ist: "der Veitstanz im Minengelände deutsch-jüdischer Geschichte". Nebenher gibt es allerdings noch einen - durchaus vage und hintergründig bleibenden - Ich-Erzähler, der seinem Freund Motti "das eigene Leben an den Hals geschrieben" und sich dessen Inzest mit der Tochter zusammengereimt hat. Ein "hochambitioniertes Unternehmen", das "virtuos Liebe als Kehrseite des Selbsthasses" vorführt, urteilt Wirtz und rät dringend zur Lektüre.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.03.2000
Eberhard Falcke lobt zunächst den "erzählerischen Drive" dieses Romans um einen Israeli, den es aus Liebe zu einer Deutschen nach Deutschland verschlägt. Aber dann meldet er auch erhebliche Zweifel an dem Buch an: Die Schwarzweißseherei Billers, der ja mehr als ein Zeitungspolemiker bekannt ist, schlägt nach Falcke ungünstig auf sein Buch durch: Was auch immer der arme Held erleide - Deutschland ist schuld. Alles Deutsche sei bei Biller tot und böse, der Autor erliege seiner "Lust aufs Vorurteil" und mit ihm sein erster Roman.
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