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Klappentext
Herausgegeben von M. R. Lepsius und Wolfgang J. Mommsen, in Zusammenarbeit mit Birgit Rudhard und Manfred Schön. Die Edition der bislang unveröffentlichten Briefe Max Webers aus den Jahren 1913 und 1914 gibt insbesondere Einblick in Webers wissenschaftliche Arbeit und seine Lebensführung. Der Band bietet wertvolle Materialien für die Werkgeschichte von Webers Schriften zu Wirtschaft und Gesellschaft und die Entwicklung des großen Sammelwerkes "Grundriss der Sozialökonomik". Darüber hinaus vermittelt er einen hervorragenden Eindruck des wissenschaftlichen Netzwerks, in das Max Weber eingebunden war. Ein Teil der Briefe bezieht sich auf Webers Unterstützung von Frieda Gross nach der Internierung und Entmündigung ihres Mannes Otto Gross sowie auf die Prozesse von Frieda Gross gegen ihren Schwiegervater Hans Gross. Nach dem Kriegsausbruch war Weber als Reserveoffizier mit dem Aufbau von Militärlazaretten in Heidelberg betraut.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003
Die Herausgeber haben die Briefe Max Webers "in aufwändigen Recherchen" in verstreuten Archiven und Nachlässen aufgespürt, "sorgfältig kommentiert" und "vorzüglich ediert", lobt Rezensent Andreas Anter. Außerdem betont er, dass die Briefe ein "plastisches Bild des intellektuellen Lebens" der Zeit ergeben würden, weil zu Webers Briefpartnern viele Größen der Zeit, wie Karl Jaspers, Emil Lask, Georg von Lukacs, Werner Sombart und Ferdinand Tönnies etwa, gehörten - und Weber außerdem ein "unermüdlicher Briefeschreiber" war. Ansonsten beschränkt Anter sich in seiner Besprechung im wesentlichen auf eine Wiedergabe der Lebensumstände Webers in den Jahren, aus denen die Briefe stammen sowie der Themen und Gegenstände, von denen Weber in seinen Briefen handelt. Deutlich wird allerdings, dass das Gelesene das "Weberbild" des Rezensenten weitgehend bestätigt hat. So belegen etwa die in diesen Briefen behandelten Hintergründe von Webers Forderung des Kieler Nationalökonomen Bernhard Harms zum Duell für Anter noch einmal, dass Weber ein "streitbarer Geist" war, "der sich mit jedem anlegte, der ihm in die Quere kam". Schade findet der Rezensent nur, dass sich über Webers Arbeit an den Manuskripten, die später in sein Hauptwerk "Wirtschaft und Gesellschaft" münden sollten - hier leider kaum ein Wort findet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.08.2003
Der Rezensent Stefan Breuer hatte sich von dieser Korrespondenz anderes erhofft. Schließlich handelt es sich bei den Vorkriegsjahren um Webers "werkgeschichtlich wichtigsten" Jahre. Leider erfahre man jedoch kaum etwas, was man nicht schon wusste, seufzt Breuer. Dafür vieles, was man nicht erfahren wolle, etwa Webers Ärger als Herausgeber des "Grundrisses der Sozialökonomik", der sich über seine Mitwirkenden aufregt, aber nichts von seinen eigenen Projekte erzählt, oder auch die detaillierten Aufzeichnungen der Prozesse, in denen sich Weber juristisch einsetzte, die aber leider von keinerlei allgemeinem Interesse sind und nur unnötig an der Lesergeduld zähren. Letztlich wundert sich Breuer zutiefst über die Gewichtung der Herausgeber. Ein paar "Goldkörner", so Breuer, finden sich aber doch inmitten des "Gerölls": unter anderem zwei Briefe an Lukacs im März 1913, in denen sich Weber zu dessen "Kunstphilosophie" äußert, der Briefwechsel mit Hans Gruhle, der sich um "Sinn und Symbolik in der Psychologie" dreht, sowie ein Brief an Ernst J. Lesser über die "Undurchführbarkeit des Zionismus". Der berühmte Webersche Ascona-Mythos allerdings, nach dem Weber vom erotischen Zauber der Stadt berührt wurde, wird so in den Briefen nicht bestätigt, denn wie aus den Briefen hervorgeht, habe der übergewichtige Weber in Ascona geradezu "asketisch" gelebt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2003
Der nun im Rahmen der "Max Weber Gesamtausgabe" erschienene, "glänzend edierte" Briefband bietet zur Freude des Rezensenten Friedrich Wilhelm Graf "faszinierende Einblicke in Webers Werkstatt, seine Lebensführung, die 'Gefährtenehe', seinen moralischen Habitus und die Beziehungsdramen". Graf bezeichnet die 273, mit "höchster Sorgfalt" kommentierten Briefe an Frau, Freunde, Verwandte, akademische Schüler und Kollegen, darunter bedeutende Zeitgenossen wie Heinrich Rickert, Karl Jaspers und Georg Lukacs als "buntes Ineinander von akademischer Geschäftspost und Privatepisteln". Sie verstärkten den Eindruck eines, so Graf, "tief gespaltenen, mit sich selbst ringenden Menschen, der genialische Intelligenz, außergewöhnliche moralische Sensibilität, sexuelle Begierde und tiefe Sehnsucht nach emotionaler Geborgenheit nicht integrieren kann." Insbesondere das spannungsreiche Verhältnis zwischen Webers "Lebensführung" und Theorie werde sichtbar. Wie Graf berichtet, zeigen die Briefe, wie Weber bis an den Rand der Erschöpfung arbeitet, um akademische Anerkennung kämpft und über der Zeit und Kräfte raubenden Herausgabe des "Grundrisses der Sozialökonomik". Auch über "harte Moralkonflikte" im Heidelberger Gelehrtenmilieu ist laut Graf "viel Neues" zu erfahren, über Ehebruch und Bordellbesuche bei Kollegen etwa oder Seelendramen von Freunde, die Weber aus der Perspektiven eines Moraltheoretikers betrachte.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2003
Joachim Radkau nimmt diesen Band mit Briefen Max Webers aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zum Anlass für eine gleich doppelte Abrechnung, mit der "in der Weber-Literatur" angeblich gehegten Vorstellung, "Weber sei ein geborener politischer Führer und verhinderter Staatsmann gewesen" ebenso wie mit allen, die "hinter den zugegeben unwillkommenen Erscheinungsformen ihres Helden den wahren, eigentlichen Weber, den widerspruchsfreien politisch-prophetischen Geist" suchten. Die erste Vorstellung finde in diesem Band "nicht die geringste Stütze". Während der erste Weltkrieg herannahte, war Weber, erfährt der Leser, statt mit politischen vielmehr "in einem geradezu erschreckenden Übermaße" mit privaten Kämpfen und Querelen beschäftigt. Und auf der anderen Seite würden eben auch alle jene etwa enttäuscht, die hier nach einem Schlüssel für eine widerspruchsfreie Lektüre des Konvoluts von Manuskripten suchten, die postum als "Wirtschaft und Gesellschaft" erschienen, als Höhepunkt von Webers Schaffen gelten und deren Abfassung zum Teil ebenfalls in die hier dokumentierten Jahre fällt. Dafür aber würde jeder, lobt Radkau zum Schluss, "den die Neugier auf die geistsprühende Weber-Welt treibt, diesen Band verschlingen". Allein schon wegen der "Informationsfülle der von den Editoren hinzugefügten Fußnoten."
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