Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Martin Page

Antoine oder die Idiotie

Roman

Cover: Antoine oder die Idiotie

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN-10 3803131677
ISBN-13 9783803131676
Gebunden, 134 Seiten, 16,50 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Mosche Kahn. Antoine ist ein Mann ohne Eigenschaften. Ganze zweimal hat er seinen ganzen Ergeiz darauf verwandt, ein bedeutender Mensch zu werden: Einmal, als er beschloss, dem Alkoholismus zu verfallen. Und ein andermal, als er sich das Leben nehmen wollte. Wegen einer "physiologischen Überempfindlichkeit" allerdings landete Antoine schon beim ersten Schluck im Krankenhaus. Danach sterben alle in seinem Umfeld wie die Fliegen -- nur Antoine bleibt auf tragische Weise heil. Deshalb versucht der Pariser Intellektuelle nun, seine Geistigkeit wie eine Krankheit auszutreiben. Indem er bei McDonalds essen geht zum Beispiel. Oder im Fitnessstudio Muskeln "als Stigma seiner Normalität" ansetzt. Aber damit fängt der ganz normale Wahnsinn erst so richtig an.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2003

Durch und durch albern findet Rezensentin Ingeborg Harms diesen Debütroman. Trotzdem hat er ihr keinen Spaß gemacht. Denn das Kalkül des französischen Autors, "die Welt durch eine von der Norm abweichende Eigenschaft in ein völlig neues Licht zu versetzen", sieht sie an mangelnder Konsequenz scheitern. Die Außenseiterposition des an seiner überdurchschnittlichen Intelligenz leidenden Protagonisten, dem "weder Alkoholikertum noch Selbstmord" glücke, werde zwar behauptet, aber nicht gestaltet. Die vielen Menschen, denen er auf seiner "Don Quichottiade" begegnet, empfindet Harms als "flache Stichwortgeber", denen Abnormitäten das verleihen soll, was ihnen an Charakter fehlt. Bis auf einige "sehr hübsche Partien" haben der Rezensentin außerdem "zusätzlich gewundene Wendungen und ein angestrengter Humor" die Lektüre verleidet. Ihr fehlt der Blitz, der die Witze entzündet.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.08.2002

Einen "umgekehrten Erziehungsroman", so Milo Rau, hat der französische Autor hier vorgelegt, und nach dieser Klassifizierung reicht er seinen Lesern und Leserinnen eine ausführliche, krause Nacherzählung der Story, nur um sie dann wissen zu lassen, dass es natürlich nicht um "die Wirklichkeit" geht, sondern um Wörter und Sätze... Deutlicher wird die Sache vielleicht, wenn er schreibt, dass Page nichts mit "Einfachheit und Lakonie" im Sinn hat, sondern eine alte französische Rhetorik bemüht, die "stilistische Emphase". Und überdeutlich wird es, wenn Rau endlich Klartext redet und Pages Roman als "Stundenbuch der Ironie und der Gedankenblitze" charakterisiert, was einen ahnen lässt, dass die Geschichte selbst die Mühe des Lesens kaum wert ist. Zur Übersetzung von Moshe Kahn äußert Rau sich nicht, aber die wenigen, von ihm vorgestellten Zitate lassen nichts Gutes ahnen.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren