Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Englischen von Hans-Joachim Maass.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.08.2000
Nach Eric Hobsbawn und François Furet bilanziert nun mit Mark Mazower ein weiterer Historiker das 20. Jahrhundert aus europäischer Sicht, und sein Resümee der politischen Extreme des 20. Jahrhunderts wie auch sein Ausblick auf das 21. Jahrhundert können sich daneben sehen lassen, meint Iring Fetscher. Dies gelte besonders, weil der in England lebende polnischstämmige Historiker auch um die Perspektive der kleineren europäischen Staaten bemüht sei. Ebenso hält Fetscher dem Autor zugute, dass er ohne geschichtsphilosophisches Schema an die Arbeit gegangen ist. Mazowers Rückblick auf neun Jahrzehnte europäischer Geschichte, der der Rezensent kommentarlos folgt, endet mit dem Balkankrieg und einem gedämpften Optimismus, dass die liberale Demokratie und das europäische Staatenbündnis sich behaupten werden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 01.07.2000
Wolfgang Templin zeigt sich in einer sehr ausführlichen Rezension über dieses Buch geteilter Meinung. Einerseits scheint er gerne Mazowers „komplexem Desillusionierungsansatz“ zu folgen, da nämlich, wo der Autor aufzeigt, dass der deutsche Nationalsozialismus wie auch der europäische Faschismus und die kommunistischen Diktaturen „nicht als irrationale Eruptionen oder als Verführungswerk größenwahnsinniger Diktatoren zu lesen“ seien. Vielmehr sieht Mazower - so der Rezensent - die Ursachen in der mangelhaften Verankerung der Demokratie in der Gesellschaft. Die Stärke von Mazowers Studie liegt nach Ansicht Templins vor allem darin, dass er aufzeige, wie eng die nationalsozialistische und faschistische Ideologie „mit modernen und rationalen Organisationsprinzipien von Gesellschaft, Industrie und Technik verbunden war“. Eine der wichtigsten Lehren aus dieser Zeit sei es gewesen, demokratische Prinzipien später auch auf die Wirtschaft zu übertragen. Bedauerlich findet es Templin, dass Mazowers Ausführungen hierzu jedoch „einseitig“ ausgefallen seien. Die Äußerung Mazowers, die Scheu Europas vor Eigenverantwortung sei nicht so „fatal, wie man früher hätte befürchten müssen“, findet Templin sogar recht „kurzsichtig“. Auch mit Mazowers Behauptung, die ökonomische Schwäche habe in erster Linie zum Ende des kommunistischen Systems geführt, ist der Rezensent nicht einverstanden: Seiner Ansicht nach ist der Wunsch der Osteuropäer nach europäischer Integration durchaus „mehr als die Sehnsucht nach den kapitalistischen Fleischtöpfen“.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.06.2000
Sebastian Borger beginnt seine insgesamt sehr positive Besprechung dieses Buches mit einem Hinweis auf britische Historiker, die in jeder Generation "ein großes Buch über Europa" produzieren und hebt hervor, was die britische Geschichtsschreibung auszeichnet: "hervorragende Lesbarkeit" und "das ungebrochene Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten", die europäische Entwicklung von Jahrhunderten auf ein paar hundert Seiten zusammenzufassen sowie "die analytische Gabe, Wesentliches von Vernachlässigbarem zu trennen". In dieser Tradition sieht er auch die Arbeit des 42jährigen Dozenten des Londoner Birkbeck College angesiedelt. Im Zentrum von dessen Analyse stehe Deutschland, und obgleich er sich um Nüchternheit bemüht, gerät er - so der Rezensent - öfters ins Fahrwasser der britisch-typischen "Mischung aus Faszination und Grauen", die dieses Land in England immer noch hervorruft. Sehr "überzeugend" findet Borger jene Passagen, in denen Mazower herausarbeitet, wie wenig zwangsläufig die Entwicklung zum Nationalsozialismus war. Weniger ausführlich als andere beschäftige sich der Autor mit den kulturellen Entwicklungen der Moderne, analysiere dagegen jedoch sehr ausführlich "Wirtschaft und Arbeitswelt". Weniger überzeugt haben Borger Mazowers Reflexionen zur EU und die Probleme des Nationalen heute, die er im Großen und Ganzen für wenig subtil hält. Auch scheint es ihm klüger, an eine Dialogbereitschaft der Europäer zu appellieren als an "Bescheidenheit", wie es der Autor in gewissermaßen pessimistischer Perspektive tue. Dennoch, so schließt Borger, ist dieses Buch ganz unzweifelhaft "ein großer Wurf"
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.05.2000
In einer groß angelegten Rezension bespricht Richard J. Evans die "Geschichte Europas" von Michael Salewski und "Der dunkle Kontinent" von Mark Mazower. Evans würdigt den Mut beider Autoren, sich der Herausforderung einer "übergreifenden Darstellung der Geschichte Europas" zu stellen.
1) Michael Salewski: "Geschichte Europas"
Für Salewskis Buch hagelt es Kritik. Der Rezensent sieht es als "bedenkliches Defizit" an, dass der Autor wichtige Epochen wie die Renaissance oder die Industrielle Revolution ausgelassen habt. Gleichermaßen bemängelt er den allzu weiten Rahmen, den Salewski sich gesteckt habe und der dazu führe, dass ihm seine Untersuchung zu einer "Aneinanderreihung" von Ereignissen gerate, die zunehmend "atemlos von einem Land zum anderen springt". Dadurch verliere der Leser den Blick für das Ganze, bemerkt der Rezensent kritisch. Zudem hätten sich ein paar sachliche Fehler eingeschlichen, die Evans angesichts der Größe des Unterfangens aber verständlich findet. Um so überraschender ist es, dass er schließlich dem Buch doch noch gute Lesbarkeit bescheinigt und lobend hervorhebt, es sei "informativ sowie weitgehend zuverlässig".
2) Mark Mazower: "Der dunkle Kontinent"
Mazowers Buch findet mehr Zustimmung. Der Autor bemühe sich um die Darstellung von großen Zusammenhängen und liefere nachvollziehbare Erklärungen, lobt der Rezensent. Vor allem der Vergleich von Nationalsozialismus und Bolschewismus sei "aufschlussreich". Besonders erfreut ist Evans von der "durchgehend intelligenten Weise", mit der der Autor die Wirtschafts- und Sozialgeschichte mit politischen Ereignissen verbunden habe. Doch beklagt Evans auch Schwächen: den untersuchten Zeitraum findet er nicht gut gewählt, wichtige Staaten seien nicht genügend berücksichtigt worden, und den Titel findet er verfehlt. Doch insgesamt sieht er in dem Buch eine "hervorragende Leistung", die mit Gewinn zu lesen sei.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2000
Hans Woller ist spürbar enttäuscht von diesem Band. Zwar räumt er ein, dass der Autor "vieles genau beobachtet, vieles treffend und prägnant formuliert" habe. Dies ist nach Ansicht des Rezensenten aber keineswegs ausreichend. Viele Themen habe er nur gestreift oder sogar völlig ausgespart. Als Beispiele nennt Woller unter anderem die Ursachen der deutschen Teilung, Churchill und Stalin, die europäische Vereinigung oder Brüssel und Straßburg. Auch zum Thema Holocaust hätte der Autor ruhig ein wenig mehr sagen können, findet Woller. Darüber hinaus wirft er Mazower mangelnde Souveränität bei den einzelnen Themen vor. Dies führe zu eine "Überforderung" von Laien und zu "Enttäuschung" bei Fachleuten. Darüber hinaus biete der Band keine wirklich neuen Erkenntnisse.
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