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Klappentext
Marino Niola führt den Leser in die Vororte Neapels und auf die Friedhöfe, zu den Heiligen und den Krippen, in die Welt des organisierten Verbrechens und des Untergrunds. In kurzen Essays tritt er eine andere als bloß touristische Reise kreuz und quer durch seine Stadt an.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2000
Georg Sütterlin bespricht zwei Neuerscheinungen zu Italiens Süden: Peter Robbs "Sizilianische Schatten", eine ihn politisch wie literarisch überzeugende Reportage über die sizilianische Mafia sowie "Totem und Ragù", Marino Niolas Städteportrait Neapels, das ihm weit weniger gelungen erscheint.
1 Peter Robb: "Sizilianische Schatten".
Ganz ausgezeichnet findet Georg Sütterlin die Sizilien-Reportage des australischen Journalisten, der die Formierung der "Neuen Mafia" in den 70er und 80er Jahren untersucht und dabei auch die italienische Nachkriegspolitik unter die Lupe nimmt: Das schnelle Wachstum der sizilianischen Mafia verdankt sich unter anderem auch den amerikanischen Besatzungstruppen, die sich der Beziehungen amerikanischer Mafiosi für ihre Sache bediente. Robb bewältige sein umfangreiches Thema souverän, schreibt Sütterlin, er verbinde historische Exkurse, eigene Reiseerlebnisse, Portraits und kulturelle Schlaglichter mit seiner politischen Recherche, die keinen Hehl aus seiner Meinung von Giulio Andreotti mache. Als - interessanten, aber eigentlich störenden - Fremdkörper empfindet Sütterlin die eingeflochtenen Erinnerungen Robbs an seine Zeit als Englisch-Lehrer in Neapel; für sich genommen ein überzeugender Text, der auf ihn im Kontext zu Sizilien allerdings wenig erhellend wirkt.
Marino Niola: "Totem und Ragù. Neapolitanische Spaziergänge"
Im Vergleich zu Robbs Ausführungen über Neapel kommt dieses literarische Portrait der Stadt viel schlechter weg. "Akademisch-dürr" nennt Georg Sütterlin die Ausführungen des Autors, der schließlich den Leser an der Hand nehmen und durch die (Geschichte der) Stadt führen soll. Das Brevier sei zwar in gut klingende Stichworte unterteilt wie "Theater der Toten" oder "Kastrat und Matriarchat", leider sei die Sprache jedoch zermürbend theoretisch, das ganze Buch eher als eine "Parodie strukturalistischen Denkens" zu lesen. Bloß dass der Witz auf der Strecke geblieben ist. Was dem Leser bleibt, ist die laut Sütterlin "verlockende Aufmachung" des Buches, das zumindest optisch zum Lesen einlädt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2000
Mit spürbarer Begeisterung bespricht der Rezensent mit dem Kürzel "Pa." diesen Band, besonders, weil der Autor sich hier nicht auf die Auflistung von Neapel-Klischees beschränkt. Vielmehr gehe es Niola, der sehr spannende Fragen stelle, um eigenwillige Phänomene. Als Beispiel nennt der Rezensent die Tatsache, dass es in vielen "südlichen Dialekten kein Futur" gibt oder auch wieso in Neapel, wo es in materieller Hinsicht oft am Nötigsten fehlt, dennoch ein Faible für Luxusgüter auszumachen ist. "Pa." fühlt sich bei Niola geradezu an Benjamin erinnert und lobt den Gestus des "geschulten Flaneurs". Nicht zuletzt gefällt ihm Niolas Interpretation des Chaos, das für ihn weniger "Unordnung" ist, sondern eher ein "Reich der Möglichkeiten".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.08.2000
Recht ärgerlich findet der Rezensent Yaak Karsunke diese Sammlung von Kurzessays des Autors über seine Heimatstadt Neapel. Mal setzt Niola zu viel an Vorwissen voraus, kritisiert der Rezensent, dann wieder lässt er die "Vertrautheit" mit dem Gegenstand "vermissen". Geschrieben sei das Buch in kaum lesbarem Seminarstil, der, da ist sich Karsunke aber gar nicht sicher, in einem der Kapitel sogar persifliert wird. Das aber mache die Sache nicht besser und wenn schon nicht unterhaltsam, so doch immerhin interessant werde das Buch nur, "wenn es mit konkreten Details aufwartet".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2000
Mit großer Begeisterung bespricht Elke Schubert diesen Band, vor allem weil Niola nicht nur einen tiefen Einblick in das neapolitanische Leben gewähre, sondern auch mit zahlreichen althergebrachten Klischees aufräume. Eine große Rolle spielt dabei, dass Niola unter der auf den ersten Blick chaotischen Oberfläche immer wieder einen Blick auf das einzigartige Zusammentreffen verschiedener Epochen und Kulturen in dieser Stadt wirft. Dies erschließt sich dem Leser, wie die Rezensentin meint, beinahe beiläufig, in dem er Niola bei seinen Spaziergängen durch Neapels Straßen, Gärten und über Friedhöfe begleitet. Besonderen Gefallen hat die Rezensentin auch an Niolas Bild der ?neapolitanischen Mama? gefunden, in der er keineswegs nur eine Beschützerin, sondern durchaus auch eine Unterdrückerin ihrer Kinder sieht und sie damit auch von einigen wohlgemeinten Klischees befreit. Natürlich darf auch ein Kapitel über den neapolitanischen Fußball nicht fehlen, das Schubert sogar für ?das schönste Kapitel? in diesem Buch hält. Überall treffe Niola bei seinen Spaziergängen auf ?kleine Altäre, Plakate und Graffiti?, durch die Fußballer wie Maradona, der einst für den FC Neapel kickte, fast wie Heilige verehrt werden. Fußball sei in Italien ?säkularisierter Kult?, der sich von der Fußballbegeisterung in anderen europäischen Ländern fundamental unterscheide, so Schubert. Dass Niola Phänomene wie dieses mit spürbarer Sympathie beschrieben habe, gehört für die Rezensentin zu den ausgemachten Stärken des Bandes.
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