Bücherschau der Woche
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Klappentext
Nori Laezius, eine Historikerin, Frau eines Bonner Regierungsbeamten, reist im SOmmer 1981 nach Kolobrzeg, in ihre Geburtsstadt, die damals Kolberg hieß. Dort lernt sie den polnischen Intellektuellen Adam kennen und verliebt sich in ihn - eine Liebe, die wie ein verheerendes Erdbeben ihr festgefügtes Dasein zum Einsturz bringt. Sie flieht nach Bonn zu ihrem Ehemann. Aber Leonhards Interesse gilt neben der Politik nur seiner Sammlung kostbarer Weine. Panikattacken überfallen sie. An den schrecklichen Geheimnissen ihrer Kindheit, die sie entdeckt, zerbricht sie fast. Konfrontiert mit ihrer Todesangst, besessen von der Liebe zu Adam, nimmt sie den Kampf gegen die Gespenster der Vergangenheit auf.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.08.2001
Beatrix Langner hält den Roman von Marielouise Janssen-Jurreit für ein sympathisches Buch. Weshalb, wird jedoch nicht ganz klar, zumal sie ausschließlich gewichtige Einwände gegen den Roman vorbringt. Die autobiografische Erzählform, die die Autorin ihrer Geschichte - einer Liebe vor dem weiten Hintergrund einer die politischen Katastrophen des 20. Jahrhundert erleidenden Familiengeschichte - verleiht, nennt sie "eher schlicht". Die beiden Sujets des Buchs, das politische der linksliberalen Gesellschaftskritik der Bundesrepublik während der 80er Jahre sowie das der in eine lebensgeschichtliche Krise geratenen Protagonistin, seien nur schlecht verbunden. Der Versuch, eine gescheiterte Ostwestliebe auf die Ereignisse von 1989 hindeuten zu lassen, laufen, so die Rezensentin, sogar ins Leere. So wundert es nicht, wenn sie am Ende gesteht, dass sie nach der Lektüre nicht mehr gewusst habe, was sie da eigentlich gelesen hat: "eine politische Soap-Opera, eine Lektion in Sachen transnationaler Familienforschung oder die Leidenssuada einer einsamen, überspannten Dame."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2001
So richtig deutlich fällt Sabine Brandt kein Urteil über Marielouise Janssen-Jurreits Roman. Darin haben alle einen Seelenschaden, verursacht aus persönlichen und politischen Umständen, berichtet die Rezensentin. Liebe kann bei Janssen-Jurreits Figuren so gar nicht gedeihen. Auch wenn sie da ist, kann sie sich nicht entwickeln - die Verhältnisse sind schuld und halten die Gefühle in ihrem Bann, informiert Brandt. Doch die Autorin will es am Ende anders und lässt die großen Gefühle doch noch aufleben. Ob sie damit ihrer Geschichte, deren historische und persönliche Logik bis dahin der Psycholast standgehalten habe, einen Gefallen erwiesen hat, lässt die Rezensentin offen. Die Moral des Romans - "es darf auch wieder geliebt werden - scheint Brandt jedenfalls nicht wirklich groß bewegt zu haben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.04.2001
Marielouise Janssen Jurreit hat sich Mühe gegeben, einen Roman zu schreiben, in dem Menschen von ihrer Geschichte und den politischen Verhältnissen beschädigt werden. So sehr, dass sie nicht zueinander finden können. Aber es ist ihr nicht gelungen, meint Roland H. Wiegenstein. Die Ereignisse hingen an den Figuren wie bunte Fetzen an einer Vogelscheuche. Der Rezensent hat hier nichts erfahren, was er nicht schon längst in anderen Büchern gelesen hätte. Was immer die Autorin beschreibt, Wiegenstein hält es für überdeterminiert, konstruiert und "falsch instrumentiert". Schade, denkt Wiegestein, als Essayistin und Journalistin hält er große Stücke auf die Autorin. Doch literarisch kann er ihrem Romandebüt nichts abgewinnen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.12.2000
Weitgehend positiv bespricht Stephan Reinhardt diesen Debütroman, vor allem wegen der Verflechtung von Liebe, Zeitgeschichte und den "Wunden, die in den Zeiten des Faschismus und des Leninismus/Stalinismus geschlagen wurden". Nori, die Protagonistin, leidet an einer Amnesie, wie der Leser erfährt. An einige Jahre ihrer Kindheit hat sie keine Erinnerung. Ein traumatische Erlebnis ist die Ursache. Ein anderer Aspekt, der nach Reinhardt eine bedeutende Rolle spielt, ist Noris Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit ihrer Familie. Und dazu kommt die Liebe zu Adam, einem polnischen Wissenschaftler und Mitglied der "Solidarnosc". Diese verschiedenen Aspekte sinnvoll und "ökonomisch aufeinander zu beziehen", sieht der Rezensent im ersten Teil des Buch gut gelungen. Auch der flüssige Erzählstil gefällt ihm. Doch leider wird im Verlauf des Buchs, wie Reinhardt findet, der Roman mit der äußerst komplizierten Familiengeschichte Adams überfrachtet. Der Wunsch der Autorin, keine Facette dabei auszulassen, erweist sich nach Reinhardt hier als Schwäche. Darüber hinaus zeichne sie nun "manches nach Schnittmustervorlage": Klischees tauchen auf und "nicht mehr ganz taufrische" Dialoge, wofür der Rezensent einige Beispiele aufzählt. Insgesamt lobt er jedoch, dass die historischen Ursachen für das Scheitern der Liebe zwischen Nori und Adam "plausibel vermittelt" werden.
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