Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Russischen von Dorothea Trottenberg. "Du lebst - ich bin tot." Anna Grom, eine junge Russin, die nach Berlin ging, um ihr Glück zu finden, hat ihre letzte Reise angetreten: Vierzig Tage bleiben ihr, bevor sich die Seele endgültig vom Körper lösen wird, Zeit für vierzig Briefe an ihren Geliebten...
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.03.2002
Ulrich M. Schmid stellt eine russische Autorin vor, die einen berühmten Namen trägt: ihr Großvater, Anatoli Rybakov, schrieb den Perestroika-Roman "Die Kinder vom Arbat" - für Schmid ein stilistisch eher angestaubtes Stück der Sowjetliteratur. Ganz anders dagegen die Enkelin, schreibt der Rezensent begeistert, sie habe sich von der realistischen Schreibweise völlig verabschiedet. Das liegt zum einen an den "narrativen Doppelbödigkeiten", mit denen Rybakova ihre raffiniert konstruierte Liebesgeschichte unterlegt, zum anderen an einem erzählerischen Kunstgriff, der die Protagonistin, die sich aus Liebeskummer erhängt hat, in das Zwischenreich der Lebenden und Toten befördert. In Russland nämlich glaube man, so Schmid, dass die Seelen der Toten noch 40 Tage zwischen den Lebenden weilten. Und so kann die Titelheldin ihre Beziehung zu einem deutschen Studenten der Altphilologie Revue passieren lassen und nebenher Streitigkeiten dieser wissenschaftlichen Disziplin austragen, der die Autorin selbst einmal studienhalber gefrönt hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.01.2002
Die Seele hat sich noch nicht vom toten Körper getrennt, der Selbstmörderin bleibt darum noch etwas Zeit, ihrer großen Liebe endlich zu schreiben, was sie lebend nie zu sagen wagte. Diese Briefe empfindet Rezensentin Pamela Jahn als "eindringlich", und besonders schätzt sie ihren "nachdenklichen und doch nüchternen Ton". Aber ihr Lesevergnügen ist nicht ungebrochen, denn wenn die Autorin Maria Rybakova "zu sehr ins Philosophieren" gerate, dann werde es anstrengend. Dann wird auch der klare analytische Blick der Hauptfigur getrübt von zu viel "romantischem Pathos", bedauert Jahn.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.01.2002
In der amüsanten Rezension von Hans-Peter Kunisch wird erst nach seiner subjektiven Wiedergabe des Geschehens langsam deutlich, wie gut ihm die Geschichte gefällt. Der russische Blick auf Berlin, die fremde Perspektive aus dem "Jenseits", die "poetisch knappe" Erzählweise und die gelungene Übersetzung - all dies mag Kunisch. Ihn stört allerdings, dass Anna Groms große Liebe ausgerechnet Ulrich Wilamowitz heißt - wie der "bekannte Philologe des 19. Jahrhunderts", ein "Frauenfeind", erfährt der Leser - aber doch gar nicht dieser Philologe ist. Nun ja. Wie schwer dieser "Fehler" wiege, das sei vermutlich aber eine Geschmacksfrage, meint Kunisch, der anschließend mit seinem Lob fortfährt. Die "prägnanten Formulierungen" sind für ihn das Beste an diesem "verspielten" Buch, sagt er und gibt ein Beispiel: 'Sie gehörte zu den Frauen, die so dünn sind, das sie aussehen, als würden sie schlecht riechen'.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.10.2001
Überaus kritisch bespricht Caroline Schramm diesen Briefroman, dessen Titelheldin nach ihrem Tode Briefe an einen geliebten Mann schreibt. Der Roman habe letztlich "die Liebe, die Literatur und den Tod" zum Thema, aber er entbehre jeglicher Zwischentöne. Auf Schramm wirkt er teilweise peinlich bemüht, und bei aller einfachen Erkenntnis fehle ihm jeglicher Hauch von Geheimnis, der eigentlich dem Thema angemessen gewesen wäre.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2001
Dem "fulminanten Anfang" dieser seltsamen Liebesgeschichte - seltsam, weil sie sich fast nur im Kopf abspielt, wie uns die Rezensentin erklärt - folgt eine Enttäuschung. Klara Obermüller jedenfalls hat bei der Lektüre ziemlich bald das Interesse verloren, weil die Autorin sie mit philosophischen Erörterungen traktiert hat: "Die Spannung verpufft und geht unter in einem Wust von Gedanken," und die sind auch noch "banal". Die wenigen Momente, da das Geschehen "zwischen Traum und Wirklichkeit" gehalten wird und für Obermüller die eigenwillige Begabung der Autorin und die Traditionen, aus denen sie schöpft (Bulgakov etwa), sichtbar werden, ändern nichts an dem Eindruck der Rezensentin, dass hier jemand einfach zu hoch gepokert hat.
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