Bücherschau der Woche
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Klappentext
Änderungsschneiderei Los Milagros, Calle Gascon, Buenos Aires: Hier arbeitet die junge Mariana Nalo bei ihrer Tante Milagros. Sie liebt die unzähligen bunten Garne in der Schneiderei und Gerardo, der bis auf drei Postkarten spurlos in die USA verschwunden ist. Eines Tages kommt die junge Analia Moran in die Änderungsschneiderei. Sie liebt die vollkommene Symmetrie der Zahlen und Roberto, der sie auf Händen trägt. Für ihre Hochzeit will sie das Hochzeitskleid ihrer Mutter aus wertvoller italienischer Seide ändern lassen. Von diesem Augenblick an ist nichts mehr, wie es war.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.11.2008
Rezensentin Petra Kohse ist von Maria Cecilia Barbettas Roman "Änderungsschneiderei Los Milagros" nicht ganz überzeugt, auch wenn sie ihn durchaus "frech und lässig, klug und unterhaltsam " findet. Doch im Grunde ist ihr zu wenig, was Barbetta hier bietet: Der Roman erzählt von zwei jungen Frauen in Buenos Aires, deren Wege sich in einer Änderungsschneiderei kreuzen. Maria Nalo freundet sich mit ihrer Kundin Analia Moran an, bis sie erkennt, dass diese die neue Freundin ihres verschwunden Ex-Freundes Gerardo ist. Viel Atmosphärisches hat Rezensentin Kohse hier vorgefunden, literarische Anspielungen, verschiedene Stilübungen, die ihr nur lose zusammengesetzt vorkamen: "Schnittteile mit offenen Nähten". Doch auch wenn Kohse einräumen mag, dass die aus Argentinien stammende, auf Deutsch schreibende Wahl-Berlinerin Barbetta ihr Handwerk beherrscht, erscheint ihr ein bisschen zu demonstrativ, wie die Autorin dies zeigt: "Kann ich, kann ich, hört man die Autorin trällern."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008
Erst raucht Rezensentin Ingeborg Harms als sinnsüchtiger Leserin noch ordentlich der Kopf. Tapfer quält sie sich durch die Textur aus Träumen und Fantasien und magischen Meta- und Suberzählungen, versucht, die unbändige Freude der Autorin an pathetischer Rede und beim Entwerfen von Mehrdeutigkeiten und Metaphern zu parieren. Alles, um den Roman um eine Heirat und die "Hochzeitskleidherrichtung" in einer Schneiderei vielleicht doch noch als kriminologisches Such- und Spiegelspiel mit verlässlicher Handlungsführung und plausiblen Charakteren zu begreifen. Pustekuchen. Begraben unter immensen Stoffschichten und mit der Erkenntnis, dass zuviel Freiheit den Leser überfordert, gibt die Rezensentin schließlich auf. Erschöpft wendet sie sich den vielen bunten Abbildungen, typografischen Piktogrammen und Textsorten vom Rezept bis zum Wetterbericht zu und ahnt: Das ist gar kein Roman, das ist bildende Kunst!
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.10.2008
Für Meike Fessmann ist der Roman "Änderungsschneiderei Los Milagros" kein ungetrübtes Vergnügen, auch wenn er für sie ohne Frage zu den "interessantesten" Büchern dieses Herbstes zählt. Der Roman erzählt die Geschichte von der Änderungsschneiderin Mariana Nalo, die das Hochzeitskleid einer ihr verwirrend ähnlichen Frau umändern soll, teilt die Rezensentin mit. Dabei illustriere die aus Argentinien stammende, aber seit 1992 in Berlin lebende und auf Deutsch schreibende Autorin ihr Buch nicht nur mit einer Fülle von Abbildungen wie Stadtplänen, Schmetterlingsflügelzeichnungen oder Comicstrips. Zudem spanne sie ihre Geschichte höchst ambitioniert in ein komplexes literarisches Referenzsystem ein, das von Jules Verne über Shakespeare bis zu Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" reiche, so Fessmann. Dass sie dabei aber derart viel "Literaturwillen" auffährt, findet die Rezensentin zu "kokett" und so kann sie nur hoffen, dass die Autorin nach diesem hoffnungsvollen Debüt das nächste Mal etwas weniger dick aufträgt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.09.2008
Völlig hingerissen ist Beatrix Langner von Maria Cecilia Barbettas Roman "Änderungsschneiderei Los Milagros". Sie konstatiert bei der in Buenos Aires geborenen, seit zwölf Jahren in Deutschland lebenden Autorin ein glückliches Zusammentreffen von "argentinischem Sprachtemperament" und "europäischer Intellektualität". Das Ergebnis ist zu ihrer Freude ein unwiderstehlicher Mix aus Esprit, Witz, Tempo und Orignalität, ein Werk, das spielerisch und leicht daherkommt und es doch in sich hat. Der Roman um eine tagträumende Schneiderin führt für Langner nämlich souverän die Neuentdeckung der Schreibtechniken der Moderne für die Postmoderne vor Augen. Namen wie Nabokov, Cortazar, Borges, Eco und Breton kommen ihr bei der Lektüre des Werks in den Sinn. Das Wunderbare ist für Langner, dass der Roman trotz Anspielungen auf Derrida und Barthes unterhaltsam wie eine TV-Seifenoper und niemals anstrengend daherkommt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.08.2008
Großes Leserinnenglück gibt Rezensentin Nina Apin nach Lektüre dieses magisch-realistischen Romans zu Protokoll. Und Lust, nach Buenos Aires zu fahren, wo seine Handlung angesiedelt ist. Es geht, wie wir lesen, um eine liebeskummergebeutelte Schneiderin, die für eine gleichaltrige junge Kundin ein Hochzeitskleid schneidert. Wie in einem "Spiegel von Borges" sieht die Rezensentin die beiden Protagonistinnen sich alsbald in der Geschichte der jeweils anderen verlieren. Spielerisch und geschickt flechte die Autorin hierbei nicht nur die Erzählstränge ineinander, sondern spiele gekonnt auch mit Lauten, Wörtern und ihren jeweiligen Bedeutungsebenen, was die Rezensentin umso erstaunlicher findet, da die argentinische Autorin nicht in ihrer Muttersprache, sondern auf Deutsch schreibe - eine Tatsache, die die Sprache noch einmal extra zu würzen, und der Herstellung speziell argentinischer (und weiblicher) Gemütslagen dabei nicht im Mindesten abträglich zu sein scheint.
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