Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Es ist Nacht. Frau und Tochter schlafen. Da findet Vincent, der Tierarzt, bei einem Spaziergang auf dem regennassen Gehsteig einen kleinen Taschenkalender mit den Eintragungen einer Frau. Und darin, unter einem Datum nur wenige Tage später, seinen eigenen Namen. Bereits in diesem Augenblick weiß er, daß diese Unbekannte ihm schicksalhaft bestimmt ist, auch wenn zwischen ihm und seiner Frau Noor die stillschweigende Abmachung besteht, daß er sie nie betrügen wird. Eine ungewöhnliche Dreiecksgeschichte und eine betörende Geschichte von der Liebe.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.05.2000
Angelika Overath widmet sich zunächst ausführlich der Handlung und Verortung des Romans der Holländerin Margriet de Moor, der im deutschen Titel seine Konkretheit eingebüßt hat, wie Overath beklagt. De Moor schildert die Geschichte eines Ehebruchs, der zwar praktisch ohne Folgen bleibt, aber, so Overath, die Vorstellungswelt der - wissentlich wie unwissentlich - Beteiligten auf Hochtouren bringt. Dies sei eines der zentralen Themen bei de Moor: die Inszenierung der Sehnsucht und die auf diese Weise erzeugten Bilder, die oft mächtiger seien als die erlebte Wirklichkeit. Die ständige Durchmischung und Überblendung von inneren und äußeren Impressionen aus dem Blumenland Holland haben der Rezensentin gefallen, allerdings beklagt sie einen manchmal etwas didaktischen Zugriff, der de Moors Prosa stellen-oder ansatzweise den "Ton eines Jugendbuches" verleiht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.05.2000
Silvia Henke ist angetan von de Moors gekonntem Umgang mit ihren Figuren: einerseits würde sie diese dem Zufall überlassen, andererseits aber halte sie die Stränge dieser "Kontingenz" gebieterisch in der Hand. Sie lobt die Geschichte als "meisterhaft konstruiert, mit einer Magie des Indirekten". Neben der Erzählerin Gemma, ihrem Liebhaber Vincent und seiner Ehefrau spiele die Straße Oude Zeestraat eine zentrale Rolle - sie führt durch ein Hyazinthenfeld direkt ans Meer und hat schon mehrere Menschen das Leben gekostet. Diese Todesstrecke mit ihrem Zufallsprinzip scheint ein symbolhaftes Koordinatensystem in der Erzählung zu bilden. Am Ende lasse de Moor den Dingen ihren ihren freien Lauf, ob nach den "Gesetzen der Schwerkraft" oder jenen des Chaos", darüber schweige sich die Erzählerin aus. Und genau das macht für Henke die "erzählerische Souveränität" de Moors aus.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2000
Recht nebulös bleibt Kristina Maidt-Zinkes Besprechung von Margriet de Moors jüngstem Buch, dessen Hauptfigur eine Straße samt daran gelegener Landschaften und Geschichten ist. Die Rezensentin verfängt sich schnell im "Netz magischer Zwangsläufigkeit, so spinnwebdünn wie weitmaschig gewoben" und stürzt in die "Leerstellen und Zwischenräume der Erzählung". Krampfhaft klammert sie sich an ein paar Details, die das offensichtlich ziemlich vage Geschehen konkretisieren. Umsonst, über das Buch hat man nicht viel erfahren.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.02.2000
Wer hier eine Dreiecksgeschichte nach bekanntem Muster erwartet, wird enttäuscht werden, findet Hermann Wallmann. Denn die Autorin zeichnet beispielsweise Gemma, die Geliebte Vincents nur indirekt, indem sie das Augenmerk eher auf das Schicksal Gemmas verstorbener Geschwister richtet. Die Strasse, auf der Gemmas Bruder Laurens einst tödlich verunglückte, bildet für den Rezensenten den Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte, sie ist die geheime Verbindungslinie, die die Schicksale aller beteiligten Personen miteinander verknüpft. Dabei bekommt diese Straße - wie de Moor selbst andeutet - die Rolle einer agierenden Person: "`Blind, taub, wie wir annehmen, und ansonsten mit ein paar Eigenschaften behaftet, die uns entgehen?`". Wallmann zeigt sich sichtlich beeindruckt von de Moors Kunst der Verflechtungen und Verwebungen, die bisweilen auch die Chronologie der Zeiten betrifft. De Moors Roman sei eine Geschichte, die sich "(selber) etwas erzählt. Auf den zweiten Blick: Weltliteratur".
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