Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Als seine Frau ihn verläßt, steht der Mann fassungslos vor einem Scherbenhaufen. Er kann nicht verstehen, was geschehen ist. Bis zuletzt schien alles in der Ehe gestimmt zu haben. Sie ist glückliche Mutter. Er hat ihr die Schneiderei finanziert,und gerade jetzt, wo das neue Haus fertig ist - ein Haus, wie sie es sich immer gewünscht hat, mit roten Steinfliesen und Garten mit Teich -, verläßt sie ihn, ohne ein Wort der Erklärung! Der Roman ist eine wortgewaltige Rede des Mannes an seine abwesende Frau, eine Tirade, die unablässig um die eine unbeantwortete Frage kreist: Warum hast du das getan?
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.05.2002
Monolog-Literatur hat große literarische Vorbilder und bietet per se einige Gefahren, die dem Genre laut Hans-Peter Kunisch zu eigen sind: das Monologisieren kann schnell monoton werden, außerdem sei es eine Zumutung für den Leser, der häufig gegen seinen Willen zu einem Urteil berufen wird. Ein Monolog kann also, weiß Kunisch, schnell zur Selbstdemontage des Erzählers und zur Blamage des Autors führen. Das wisse auch Margit Schreiner, behauptet der Rezensent und findet, dass sie viele gefährliche Klippen in ihrem Roman elegant umschifft. Zumal sie einen Sprung über die Geschlechtergrenzen wagt und einen männlichen und dazu nicht besonders sympathischen Ich-Erzähler präsentiert. Klugerweise denunziert sie ihn nicht einfach, obwohl es dazu einige Gründe gebe, wie Kunisch meint, sondern lässt ihn auch "Pluspunkte" machen: dem Mann ist die Frau weggelaufen, aber sie hat ja auch vorher nie den Mund aufgemacht. Für Schreiners Text spricht in der Darstellung von Kunisch, dass es nicht darum geht, die Ideologie einer inneren Rede zu entlarven, sondern mittels sprachlicher Schärfe zum Nachdenken anzuregen. Das alles sei Frau Schreiner soweit gelungen - auch wenn das Konzept in sich Grenzen berge, die selbst beim wohlwollenden Lesen spürbar würden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2001
Franz Haas ruft die Stunde des schwachen Mannes aus! Im österreichischen Frauenministerium gebe es jetzt eigens eine Männerunterabteilung. Und die Literatur beziehungsweise eine gewiefte Autorin nimmt sich "in listiger Umkehrung der Perspektive" ebenfalls des weinerlichen, lächerlichen, erbärmlichen Mannes an, dem die Frau aus dem selbsterbauten Haus weggelaufen ist und der nun gegen das andere Geschlecht hetzt, jammert, grübelt. Gott sei Dank, findet Haas, sei das Männerbild von Schreiner nicht schwarzweiß, der feministische Unterton nicht kämpferisch oder aggressiv. Denn das männliche Geplapper zeitigt auch Träume, Kindheitserinnerungen und Naturphantasien, die den Rezensenten berührt haben; irgendetwas "zwischen Suff und Poesie". Haas kann dem Roman oder vielmehr dieser Rollenprosa sogar regelrecht komische Seiten abgewinnen.
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