Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit über neunzig Jahren wendet sich Margarete Mitscherlich, die Grande Dame der deutschen Psychoanalyse die unermüdliche Aufklärerin, mit großer Entschiedenheit nochmals den großen Fragen ihres Lebens zu: Dem Vergessen und Verdrängen und der Unfähigkeit der Deutschen zu trauern; der Emanzipation im weitesten Sinne, also der Befreiung von Denkeinschränkungen, Vorurteilen, Ideologien, aber auch im engeren Sinne der Emanzipation der Frau und ihrer Stellung in der Gesellschaft; den Geschlechterrollen, männlichen und weiblichen Werten.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Margarete Mitscherlich: Die Radikalität des Alters - mehr beim S. Fischer Verlag
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.12.2010
Rezensent Klaus Harpprecht zieht elegant den Hut vor Margarete Mitscherlich - "und schwenkt ihn hoch durch die Lüfte" -, um ihr dann sanft zu widersprechen. Mitscherlich deutet Trauerarbeit als Erinnerungsarbeit: ein ständiges Wiederholen der Erinnerung, die sich dabei verändert. So weit, so gut. Aber ihre These von der Unfähigkeit der Deutschen zur Trauerarbeit, die sie ihnen auch in ihrem neuen Buch bescheinigt, lehnt er ab. Gewiss hätten die Deutschen zwanzig Jahre gebraucht, bis sie auch nur anfingen, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Doch seitdem, so Harpprecht, hat sich jede neue Generation der Erforschung und Vergegenwärtigung dieser Epoche gewidmet. Unfähigkeit zu Trauern kann er darin nicht erkennen, im Gegenteil.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.10.2010
Die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlichs lässt in diesem Band noch einmal die "großen Themen" ihres bewegten intellektuellen Lebens "Revue passieren", und Rezensentin Angela Gutzeit hat darin viel Interessantes gefunden. Aber sie hat auch einiges vermisst. Zum Beispiel, dass die Autorin auf die "zum Teil äußerst kritischen Betrachtungen" eingeht, die anlässlich des hundertsten Geburtstags ihres Mannes Alexander Mitscherlichs formuliert wurden. Oder dass sie zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus Stellung nimmt - ihrer eigenen und auch der durch nachfolgende Generationen. In diesen Punkten bewegt die Autorin sich "im Bereich des Allgemeinen, um nicht zu sagen Widersprüchlichen", stellt Gutzeit unzufrieden fest. Die Stärke dieser Memoiren liegen ihrer Meinung nach dann eher in Mitscherlichs "Ausführungen zu Emanzipation". Da sei sie spürbar auf "ureigenem Terrain."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2010
Das den vorliegenden Band beschließende, erstaunlich lockere und unglaublich "ehrliche" Interview von Alice Schwarzer mit Margarete Mitscherlich ist in den Augen Ina Hartwigs zur Abrundung unbedingt nötig, weil es zeige, dass die Psychoanalytikerin wesentlich weniger nüchtern ist, als sie sich ansonsten liest. Der Band versammelt Aufsätze und Reden der letzten 15 Jahre und umkreist die Hauptthemen der zum Zeitpunkt der Buchentstehung 92 Jahre alten Autorin, wie die Rezensentin betont. Herausgekommen ist dabei so etwas wie ein "berührendes" Lebensresümee, so Hartwig, die Überzeugendes über die "Schuldgefühle der Frauen", Vages über "die Weiblichkeit" und sehr Mutiges über NS-Ärzte bei Mitscherlich gefunden hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2010
Angetan zeigt sich Rezensentin Andrea Roedig von Margarete Mitscherlichs "Einsichten einer Psychoanalytikerin". Sie charakterisiert die Autorin als "sanfte Radikale", die immer wieder auf den Nationalsozialismus und ihr großes Thema Trauer und Emanzipation zurückkommt. Beeindruckend findet sie, wie Mitcherlich das Begriffsgebäude der Psychoanalyse nach feministischen Kriterien umbaut, berührend, wie sie das Freud'sche "Durcharbeiten" auf ihre eigene Biografie anwendet. Manches bleibt für sie im "Ungefähren". Doch bleibt für sie der Eindruck, Mitscherlich ruhe in den Grundfesten ihrer Überzeugungen, die "weise und unaufgeregt" seien.
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