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Marek Hlasko
Die schönen Zwanzigjährigen
Klappentext
Aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann. Mit einem Nachwort von Marta Kijowska. 1966 publizierte der 32-jährige polnische Schriftsteller Marek Hlasko den Band "Die schönen Zwanzigjährigen", in dem er eine bitter-selbstironische Bilanz der Jahre in Polen, Westeuropa, Israel und den USA zieht. Der autobiografische Text ist ein Zeitdokument über die fünfziger und sechziger Jahre und zugleich die leidenschaftliche Abrechnung eines zornigen jungen Mannes mit Ost und West. Berlin, München, Paris, Israel, Sizilien und Hollywood sind Stationen des ungewollten Exils. Der zu Beginn des Tauwetters von der polnischen Jugend als Idol gefeierte Schriftsteller findet sich als enfant terrible in der westlichen Welt nur schlecht zurecht. "Die schönen Zwanzigjährigen" stellen einen Versuch Hlaskos dar, den polnischen Freunden zu erklären, warum er nicht mehr nach Warschau zurückkehren kann und was dies für ihn bedeutet. So liest sich der Text auch als verzweifelte Liebeserklärung an Polen und ist bei aller Provokation doch voller Trauer, die vielleicht erst heute, im zeitlichen Abstand, wahrgenommen werden kann.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.12.2000
Marek Hlasko, das "Literaturidol der polnischen Nachkriegszeit", hatte ein "atemloses Leben" und erzählte entsprechend eindringlich. "Die schönen Zwanzigjährigen" sind seine Aufzeichnungen aus dem Exil, 1966 auf Polnisch in Paris erschienen, jetzt erstmals auf Deutsch. Ob diese Übersetzung gelungen ist, erfährt man in Olga Mannheimers Kritik nicht, dafür umso mehr über Hlaskos Lebensgeschichte. Hlasko, 1934 geboren, mit 20 Jahren entdeckt, einige Jahre später bereits als "Vaterlandsverräter" bezeichnet, lebte und arbeitete zunächst im Pariser Exil, später in Westeuropa, Israel und den USA. Seinen Schreibstil schulte er "angeblich an Spitzelbriefen" und sein Tod 1969 an einer Überdosis Alkohol und Tabletten bleibt unaufgeklärt. "Erfahrenes und Erdachtes sind dicht verwoben", meint Mannheimer über diese Aufzeichnungen. Doch diene die Vermischung "nicht der Selbstverklärung", sondern im Gegenteil einer erstaunlichen Offenheit. Trotzdem, so die Rezensentin, frage man sich, an welchen Stellen der "wahre" Hlasko erkennbar sei. Erkennbar ist wohl in jedem Fall sein "sagenhaftes Erzähltalent", von dem Mannheimer in hohen Tönen schwärmt: "Ironie, Tempo, lebendige Dialoge, treffende Details - alles ist in dieser Prosa zu finden".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.11.2000
Er wurde der "James Dean der Warschauer Hinterhöfe" genannt, verrät Radek Knapp über seinen Schriftstellerkollegen Hlasko, dessen exzessives Leben 1969 ein frühes Ende fand. Hlaskos wichtigstes Buch, das ursprünglich 1966 in einem Pariser Exil-Verlag erschienen ist, stand in Polen bis zum Ende des Kommunismus auf dem Index, berichtet Knapp, und liegt nun erstmals auf Deutsch vor. Der Rezensent erzählt aus eigener Anschauung von den 60er Jahren, als der im Westen verbliebene Hlasko in Polen eine solche Kultfigur war, dass man sich in der Straßenbahn mit Zitaten aus seinen Büchern verständigte. Dennoch beruhe sein Ruf weniger auf einer Gegnerschaft zum Kommunismus - die ergab sich ganz selbstverständlich aus Hlaskos Lebensweise. "Die schönen Zwanzigjährigen" ist also ganz "nebenbei eine Abrechnung mit dem Kommunismus" geworden, wartet darüberhinaus jedoch mit den skurrilsten Rezepten auf, so Knapp, wie man sich möglichst amüsant durchs Leben schlagen kann. Die können nicht alle pure Fantasie gewesen sein, meint der Rezensent. Wäre Hlasko in Amerika groß geworden, vermutet Knapp, dann wäre er wohl eine Figur wie J.D. Salinger geworden, an den ihn der Autor von seinem Wunsch nach Intensität und mit seiner Fabulierlust erinnert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2000
"Eine Stadt erfindet ihren Autor und ein Autor erfindet seine Stadt", so umschreibt Julia Encke "das Wechselspiel der Fiktion" in der Biographie von Marek Hlasko. In den 60er Jahren habe der Warschauer Dichter als "Star einer unangepassten Literatur" gegolten, "die das Klima der Depression und moralischen Atrophie treffsicher protokollierte". Was uns die Kritikerin sonst von Hlasko erzählt, klingt nach Tragödie: Als ganz junger Mann arbeitete Hlasko für die Geheimpolizei. Immer noch sehr jung, gewann er 1958 einen hochkarätigen polnischen Literaturpreis. Kurz darauf diskreditierte man ihn als Verräter und Staatsfeind. Er war Anfang dreißig, als seine Memoiren 1966 in Paris erschienen. Drei Jahre später starb er an einer Überdosis Schlaftabletten. Die sieben Prosastücke über sein Leben und noch mehr wohl sein Leben selbst, haben die Kritikerin sichtlich bewegt. Sie hätte manches gern genauer gewusst, aber die Anmerkungen der Übersetzung findet sie "zuweilen wenig ergiebig".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000
Über 30 Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung gibt es nun die deutsche Übersetzung der Autobiografie des polnischen Autors Marek Hlasko. Er war 1958 bei den polnischen Verlegern und der Parteipresse in Ungnade gefallen, wurde von der Staatsmacht ins Exil gezwungen und starb nach einer Irrfahrt durch verschiedene Länder 1969 an einer Überdosis Schlaftabletten. 1966 veröffentlichte er die Bestandaufnahme seines Lebens "Die schönen Zwanzigjährigen". Das Selbstporträt des Autors schwankt nach Meinung des Rezensenten Yaak Karsunke zwischen "Selbststilisierung und Selbsterforschung". Einerseits pflege Hlasko hier das Image des "harten, abgebrühten Burschen", andererseits gelängen ihm sensible Beschreibungen seiner eigenen und anderer Existenzen. "Er sieht Menschen in ihren Bedingungen und Widersprüchen scharf und genau - und belässt ihnen gerade dadurch ihre Würde", erklärt der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
Man nennt ihn den "polnischen James Dean", schreibt Katharina Döbler, und findet in dieser Autobiografie jene Momente, die sein Leben tatsächlich als "so wild und schnell und kurz" kennzeichnen wie das des amerikanischen Schauspielers. Indem sie Struktur und Details, den Übergang von Polen nach Paris und Stationen des Davor und Danach, nachzeichnet, thematisiert sie das exzessiv in Kneipen gelebte Leben, das immerwährende Fremd-Sein des so plötzlich Erfolgreichen. Aber sie arbeitet auch die dunkleren Momente, das "Zynische" seiner Haltung bzw. Situation heraus; wie er als Siebzehnjähriger "zu Spitzeldiensten erpresst" sich "durch anhaltendes Fabulieren entzieht", jedoch tatsächlich auch dem Drang nach "Geltung" nachkommt, die sich für ihn später realisiert, als er "die Stimme seiner Generation" geworden ist. Charakteristisch für sein Leben - und dieses Buch - scheint für die Rezensentin vor allem aber das Wort "Odyssee", das sie gleich zweimal gebraucht für den polnischen Autor, der heute in Polen zur "perfekten Vorlage der modernen unchristlichen Legenden" geworden ist.
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