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Marcel Proust
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Band 5: Die Gefangene
Werke II, Band 2. Frankfurter Ausgabe
Klappentext
Aus dem Französischen von Eva Rechel-Mertens in der Neubearbeitung von Luzius Keller und Sibylla Laemmel. In "Die Gefangene" nimmt Marcel, der am Ende von Sodom und Gomorrha beschlossen hat, Albertine zu heiraten, sie zu sich nach Hause und hält sie dort versteckt. Mit dieser Gefangennahme weicht seine Liebe jedoch einer Eifersucht, die aus ihm den eigentlichen Gefangenen macht. Immer wiederkehrende Themen des fünften Bandes sind der Schlaf und das Erwachen. Die berühmte Szene, in der Marcel die schlafende Albertine beobachtet, ist bereits Vorzeichen ihres Todes... Die von Luzius Keller herausgegebene "FrankfurterAusgabe" umfasst alle von Proust veröffentlichten und nachgelassenen Werke in teils neuer, teils überarbeiteter Übersetzung.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2001
Die Revision der Proust-Übersetzung durch Luzius Keller schreitet voran, auch dem nun erschienenen fünften Band wird eine eigene Rezension gewidmet. Winfried Wehle rechtfertigt dies auch gleich damit, dass "Die Gefangene" - laut Keller - den "Schluss- und wohl auch Höhepunkt in Prousts Schaffen" darstellt. Was folgt, ist eine recht komplexe Mini-Analyse des kanonischen Textes, in deren Mittelpunkt Albertine als "Kunstgestalt, deren Sinn sich unabsehbar entzieht", steht. Darauf dann aber einige Hinweise auf Übersetzungsschwierigkeiten, die Luzius Keller, wie Wehle findet, in aller Regel im Rahmen des Menschenmöglichen meistert. Gelobt wird das Gespür des Übersetzers für die Stärken wie Schwächen der alten Rechel-Mertens-Übertragung. Über die deutsche Vorgabe hinaus weist, so der Rezensent, der Blick Luzius Kellers für "Anagramme, Palimpseste, Intertexte, Metonymien". Zum Schluss dann, als Beispiel, ein vertracktes Übersetzungsproblem rund um ein Geißblatt, das auf "eine universelle Spaltung" verweist, und zugleich auch auf die Notwendigkeit jeder Übersetzung, "sich auf einen Text festlegen zu müssen, der sich uns changierend gerade entziehen will".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.10.2000
Die Schwierigkeiten, Proust zu übersetzen verdeutlicht Hanno Helbling mit einer Charakterisierung Andrées, also einer der Nebenfiguren aus der "Recherche". Proust spricht einmal von "son visage gluant". Aber wie übersetzt man das : "ihr klebriges Gesicht", "ihr teigiges Gesicht"? Kommt alles nicht hin, meint Helbling. Eva Rechel-Mertens, deren einzige vollständige Übersetzung hier neu bearbeitet vorgelegt wird, schrieb "ihr aus einer wabernden Masse bestehendes Geicht", und die Neubearbeiter Luzius Keller haben daraus "ihr pappiges Gesicht" gemacht. Mit all dem ist Helbling nicht zufrieden - aber dennoch hat er viel Verständnis für die Probleme der Übersetzer. Es sei leicht, meint Helbling, über einen einzelnen Satz zu mäkeln - die Übersetzer aber hatten 4.000 Seiten zu bewältigen, von denen "Die Gefangene" ja nur einen kleinen Teil bildet. Insgesamt nennt Helbling die Neubearbeitung der Bemühugen von Rechel-Mertens "nicht zu verachten", auch wenn er bedauert, dass Proust keinen literarischen Nachdichter gefunden hat, so wie es James Joyce mit Hans Wollschläger widerfahren ist.
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