Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Marcel Benabou

Jacob, Menachem und Mimoun

Ein Familienepos

Cover: Jacob, Menachem und Mimoun

Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN-10 3827005086
ISBN-13 9783827005083
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Französischen von Jürgen Ritte. Seit seinem Studienbeginn in Paris verfolgte Benabou das Projekt, das Familienepos seiner jüdisch-marokkanischen Vorfahren zu schreiben und von seiner Jugend in Meknes zu erzählen, einer Schnittstelle dreier Kulturen. Von einer ganz eigenen "Geschichte des Lesens", als hebräische Lettern noch mit Honig bestrichen wurden, von Thora-Schule und Synagoge, dem Gymnasium unterm französischen Protektorat, das die arabische Bildwelt des Jungen kolonisierte (was ihn 17-jährig nach Paris trieb), von den Großvätern Mimoun und Menachem, der Herzenswärme der Mutter, von Wesiren und Sultanen, Rabbinern und Kaufleuten, Berbern, Briganten und dem Schatten eines deutschen Kaisers. Aber der moderne Autor, der dreißig Jahre später erzählt, legt über den epischen Bericht eine andere Geschichte: die Geschichte dieses Projekts selbst.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.04.2005

Robin Detje berichtet voller Freude von einem der schönsten Streiche der "Kindsköpfe unter den Metaschriftstellern", den Mitgliedern der Gruppe Oulipo, einer "Werkstatt für potenzielle Literatur". Marcel Benabou, Geschichtsprofessor und "Ständiger provisorischer Sekretär" der Gruppe, hat ihn verfasst. Es handelt sich um ein "Anti-Epos, ausgestattet mit allem, was wir an der französischen Kultur so hassen: Koketterie und intellektueller Eleganz." Nur das sie hier ins "Gewand der Schüchternheit" gekleidet ist. Es handelt sich auch um einen Roman der Wurzelsuche - Benabou ist Franzose aus der marokkanischen ex-kolonialen Peripherie -, doch ohne Nostalgie und unter Umgehung aller möglichen "Kitschfallen". Immer wieder unterbricht der Autor seine Erzählung, um die Schwierigkeiten seines Unterfangens mitzuteilen - es handelt sich also auch um "Metaschriftstellerei", doch mit "lieblichen" Angesicht. Vor allem aber handelt es sich, so Detje, um "ein Buch für erwachsene Kinder - die einzig wahren Leser. Ein intellektueller Kriminalroman ohne Mörder und Opfer, der von einem Verlust mit Trauer, aber ohne opernhafte Schmerzen erzählt."

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.12.2004

"Gelungenes Scheitern" attestiert Rezensent Thomas Laux dieser genealogischen Suche von Marcel Benabou. Auf den ersten Blick scheint ihm das Buch eine Art Erinnerungsband zu sein, in dem Benabou, 1939 in Marokko geboren, "beschwingt und sehr sinnlich" von familiären Wurzeln und jüdischen Vorfahren erzählt. Dabei gelinge ihm ein "buntes, überaus intensives Bild des jüdisch-marokkanischen Lebens dieser Zeit." Doch der Autor verfolgt ein anderes Programm: Als Anhänger des "Ouvroir de Litterature Potentielle" betreibe er das Schreiben als "kalkuliertes Spiel", das mathematisch und kombinatorisch sein wolle und die Reflexion über das Schreiben selbst im Mittelpunkt stelle. Laux sieht denn auch das vorliegende Buch auf "Verzettlung" und "Scheitern" angelegt. Zugleich scheint ihm der Autor ein wenig mit dem Scheitern zu kokettieren, "um so ein weiteres Muster seiner Erzähl- und Reflexionsfreude abzuliefern." Am Ende liege es ja vor, das Buch. "Gescheitert?", fragt der Rezensent, um gleich darauf zu antworten: "Kann uns egal sein, denn selbst wenn: Selten war ein Scheitern so schön zu lesen wie bei Marcel Benabou."

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren