Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Sie sind 80 Jahre alt und älter, sie stinken, sie treiben Unfug, und sie erinnern sich an nichts: die Witwen. Jan Oltrogge, der junge Zivildienstleistende, will sie zum Reden bringen. Er wäscht sie, er wirbt um sie, er erfüllt ihnen die ausgefallensten Wünsche. Doch als das alles nicht hilft, greift er zu anderen Methoden. Kein Ort, an dem man Abenteuer erwartet: die Luisenstiftung, ein Frauen-Altersheim in Altona. Aber was Jan Oltrogge, der Witwentröster, zu erzählen hat, ist außergewöhnlich und spannend: seine besessene Suche nach dem Geheimnis der Witwen...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2002
Ungewöhnlich findet Rezensentin Felicitas von Lovenberg den Schauplatz, den sich der 1966 geborene Autor für seinen ersten Roman gewählt hat. Sein Thema sei das Alter, nicht die Jugend und so spiele seine Geschichte im Altersheim. Im Zentrum des Romans, dessen Protagonist ein neunzehnjähriger Zivildienstleistender namens Jan sei, stehen die Biografien der alten Bewohnerinnen des Heims, wie wir lesen. Die Lebensdramen, die der junge Mann aufdeckt, findet die Rezensentin nicht besonders überraschend. Doch gerade das mache sie authentisch, fügt sie hinzu. Großen Anteil daran, dass die Rezensentin Wortmanns Witwentröster im Altersheim so bereitwillig über 350 Romanseiten von Zimmer zu Zimmer folgte, hatte für sie dessen "erstaunlich sichere Sprache". Der Zustand der Damen werde weder verspottet noch beschönigt. Allerdings fand die Rezensentin nicht jede der zahlreichen Beschreibungen von Gestank und Fäkalien nötig. Auch manche bilanzierende Passage des Buchs hat seine Sprache und Handlung ihrer Ansicht nach, manchmal unnötig ins Stocken gebracht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.06.2002
Einer Fallstudie gleicht dieser Debütroman, schreibt Nico Bleutge in seiner Besprechung. Obgleich der junge Autor durchaus eigene Erfahrungen hat einfließen lassen, ist das Buch "nichts weniger als eine Milieustudie oder ein flapsiger Ziviroman". Bleutge lobt es als "feines Buch über das Altwerden und die Schlacke der Erinnerung". Wie Wortmann die Konstellationen zwischen den Damen des Altenheims und ihrem 'Witwentröster' "mit kurzen, klaren Sätzen" protokolliert, hat ihm Eindruck gemacht. Um so mehr, als die genauen Schilderungen von einem "veritablen Sprachexperiment" begleitet werden: Raffiniert setzt der Autor seine Motive und variiert die Sprachbilder. "Eine interne Vernetzung strukturiert den Roman, die darüber hinwegzusehen hilft, dass es nicht wenige äußerst magere Abschnitte gibt." Sequenzen, so Bleutge, in denen "nur Beispiele angehäuft, kurze und kürzeste Anekdoten und Dialoge lustlos aneinander gereiht werden".
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