Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold. Feiner, kalter Nebel bedeckt die kahlen Bäume, die erstarrte Landschaft, unter Schnee und Reif verborgen, leuchtet klar und hell - dieser Winter des Jahres 1936 ist wie immer: Nur etwas ist anders in jenem Winter. Unbeleuchtete Lastwagen und endlose Karawanen von Maultieren transportieren des Nachts Munition und Waffen. Wie Todesboten ziehen diese langsamen Prozessionen vorbei - der Beginn eines Krieges. Die Menschen sind auf der Flucht und schleppen ihr wertvollstes Gut mit sich: ihr Leben.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2004
Nico Bleutge zeigt sich von diesem Roman des spanischen Autors Manuel de Lope beeindruckt. Er spielt vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkriegs und ist dennoch kein Kriegsbuch, das sich für exakte historischen Daten interessiert, stellt der Rezensent klar. Vielmehr geht es um die alte Maria Antonia Etxarri, die in einem Haus voller Gemälde ihren Erinnerungen nachhängt, die durch den Enkel der früheren, verstorbenen Hausbesitzerin Miguel Goitia eine Verschiebung erleben, fasst Bleutge zusammen. Er findet es ein bisschen schade, dass der Autor sich in seiner literarischen Erinnerungsarbeit mitunter allzu stark Marcel Proust "an den Hals wirft" und ebenfalls etwas ermüdend findet er die vielen "Embleme und allegorischen Kleinigkeiten", mit denen De Lope seinen Roman verrätselt hat. Andererseits räumt der Rezensent ein, dass dieses Verfahren vielleicht ganz gut zu dem "Geheimnis" passt, dass in diesem Buch steckt. Auf jeden Fall lobt Bleutge die "eigentümliche Spannung", die der Roman aufbaut und die seiner Ansicht nach vor allem darin liegt, dass der junge Enkel die Lösung dieses Rätsels, die den Lesern irgendwann aufgeht, nicht erfährt.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.04.2004
Ein junger Anwalt namens Goitia bereitet sich in einem baskischen Landhaus auf seine Prüfungen vor. Dann reist er zurück nach Madrid. Das ist die Handlung von Manuel de Lopes Roman "Fremdes Blut". Eher mager. Aber die magere Handlung lässt viel Raum für Subtilitäten. Und von diesem Raum macht der Autor, so urteilt Florian Borchmeyer, auch reichlich Gebrauch. Denn das, worum es eigentlich geht, ist nicht die Unansprechbarkeit des jungen Juristen. Sondern das sind die Wunden, die die Vergangenheit geschlagen hat. Ein Netz von Gewalt und "zuweilen fast animalischer Brutalität", zurückreichend in den Spanischen Bürgerkrieg, umgibt Goitia, ohne dass er es ahnte. Vergewaltigungen, Hinrichtungen, eine Fehlgeburt - "die Ausstoßung von Fruchtwasser, Blut, Plazentastücken und einem violetten Fötus mit Fischaugen" - von all dem nimmt der antiheroische Held des Romans keine Notiz. Statt dessen überlasse es der Autor dem Leser, die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen zu (re-)konstruieren, befindet Borchmeyer. Lope verzichte "auf künstlich erzeugte Spannungseffekte und forcierte narrative Experimente"; vielmehr gewinne sein Roman "aus der subtilen Faszinationskraft seiner Charaktere und den sich stets verdichtenden Fragen".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004
Der elfte Roman des 1949 geborenen Manuel de Lope reiht sich ein in eine ganze Bücherflut in Spanien, die sich mit den Geschehnissen im Spanischen Bürgerkrieg beschäftigen, hat Jennifer Wilton in Erfahrung gebracht. "Fremdes Blut" spart die unmittelbare Vergangenheit aus, verrät sie, die Gegenwart werde direkt mit der Zeit des Bürgerkriegs in den dreißiger Jahren in Verbindung gebracht und nicht etwa chronologisch abgetragen. Dabei werde die Erinnerung, das "Nichtvergessen" zum großen Nebenthema, denn alles, was sich über damals in Erfahrung lassen bringe, erscheine zweifelhaft, ungewiss. Lope bedient sich für seine auf dem Land spielende Geschichte einer sehr barocken Sprache, führt Wilton aus und spricht von einer regelrechten Metaphernwut, die der Autor manchmal nicht in den Griff bekomme, weshalb er weniger Geschichten erzähle als Stimmungen beschreibe. Aber auch dies ist eine Methode, verschüttetes Terrain zu sondieren, so die Rezensentin.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2004
Ein "Protokoll eines scheiternden Dialogs" und ein "Dokument unterbliebener Mitteilungen" sieht Rezensent Kersten Knipp in Manuel de Lopes Roman über den alten Doktor Castro, der nicht herausrücken will mit seinen Erinnerungen an seine furchtbaren Erlebnisse im spanischen Bürgerkrieg, und den angehenden Notar Miguel Goitia, für den eben das wichtiger wäre, als er annimmt. Wie Knipp berichtet, ist es dieses Schweigen Castros und seiner Haushälterin Maria Antonia Etxarri, das dem Roman auch seine Form gibt. Streng verweigere der Erzähler den Protagonisten das Wort und gestehe ihnen nur ganz knappe Dialoge zu, die, kaum begonnen, schon wieder den eigenen Ausführungen weichen müssen, während der Erzähler selbst aus der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurückspringe und so das Gestern und Heute gegenseitig erhelle. De Lope erweist sich zur Freude des Rezensenten bei alledem nicht nur als "sensibler Beobachter und glänzender Stilist", sondern auch als "gewiefter Konstrukteur", schließlich werde Goitia alle jene Ereignisse des Jahres 1936, die er dem Leser so bestürzend vor Augen führt, niemals erfahren.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Erhard Oeser: Das Reich des Mahdi
Mit 33 Abbildungen. 1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen ...
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








