Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Rosalies Mutter arbeitet in der Kaufhalle am Imbißstand, hat früher mit Autos gehandelt und weiß, was man drehen kann und was man besser lassen muß. Sie wird bald sechzig und Faisals Frau. Rosalie lernt den neuen Geliebten ihrer Mutter beim Schweinebraten auf dem Balkon über der Schnellstraße kennen: Faisal, der den Islam predigt, illegal in Deutschland lebt, einen kleinen Überbiß und eine große Familie hat. Dann bekommt Rosalie einen dicken Bauch, aber nicht von ihrem Geliebten, dem Finanzhai.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 17.08.2000
Katharina Döbler nimmt die Erzählungen dreier Autorinnen zum Anlass, eine Lanze für das viel geschmähte Genre der Frauenliteratur zu brechen. Dem Kitschverdacht und dem Innerlichkeitsvorwurf sieht sie dabei auf ganz verschiedene Weise begegnet.
1) Maike Wetzel: "Hochzeiten"
Zu Maike Wetzels Roman bemerkt Döbler, dass die Autorin mit ihrer knappen, klaren Sprache, die auf unnötiges schmückendes Beiwerk verzichte, "Fragmente aus der Wirklichkeit" liefere. Dabei entstehen "Dialogfetzen im Originalton", die für Döbler einen hohen Grad an Authentizität haben. Ein wenig erinnert sie der lakonische Ton an Raymond Carver - allerdings gebe es bei Wetzel nur glatte Oberflächen, bei Carver dagegen "schwindelerregende Transparenz". Wetzels Sprache verliert ihre Klarheit nur dann, wenn sie Gefühle beschreibt, dann "rutschen und kippen die Texte ins Angestrengte", beobachtet Döbler.
2) Alissa Walser: "Die kleinere Hälfte der Welt"
Die Erzählungen von Alissa Walser seien dagegen mit Bedeutung aufgeladen. Döbler bewundert Walsers "außerordentliches Gespür für das sexuell Aufreizende, aber auch das Bedrohliche und Gemeine". Wenn Wetzel mit "achselzuckendem Zynismus" die Dinge nimmt, wie sie sind, beschreibe Walser die Entstehung dieser Haltung als "schmerzhaften Prozess". Besonders lobt Döbler auch die elegante Sprache, die das Derbe mit dem nur Angedeuteten gekonnt kombiniere.
3) Marlene Streeruwitz: "Majakowskiring"
Auch an dieser Erzählung lobt Döbler besonders die Sprache Streeruwitz`, die mit ihrer Rhythmisierung und Künstlichkeit bereits zum Markenzeichen der Autorin geworden sei. Dieser "irritierende Sprachduktus" ist für Döbler ein überzeugendes literarisches Verfahren. Das sich bei Liebesgeschichten immer einstellende Problem der Verkitschung löse die Autorin geschickt, indem sie den "Kitschverdacht offensiv in ihre Erzählung hineinzitiert".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2000
Hoffnungslosigkeit, Traurigkeit, Einsamkeit, getarnt durch schnelles Drüberhinweggehen, Flapsigkeit, Witz; was die Erzählungen von Maike Wetzel thematisieren, charakterisiert ebenso den Stil der 25jährigen Autorin, meint Christiane Schott. Schott fühlt sich an die Erzählungen von Judith Hermann erinnert, die ebenso wie Wetzel bei S. Fischer ihr Erzähldebüt gegeben hat. "Das mit dem Gerettetwerden verschob sie auf später", führt die Rezensentin für den lakonischen Stil der Autorin an, die neben ihren knappen unsentimentalen Sätzen außerdem auf temporeiche Sprache setze, wobei die Protagonisten manchmal persönlichkeitshalber auf der Strecke blieben. Der formale Feinschliff der Oberfläche bedarf etwas mehr Unterfütterung, alles in allem jedoch für Schott ein interessantes Debüt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2000
Die Autorin "Jahrgang 1974" gehöre zu jener jungen Schriftstellerriege, "die Kritiker und andere Leser fortgeschrittenen Alters zu Jugendforschern und Generationsethnologen hat werden lassen", meint Hubert Spiegel. Freilich muß er vorher auch erst mal das Vokabular auffahren, dass einen heutzutage als voll integriert in zeitgenössische Diskurse ausweist. Wetzels Buch findet er dann aber gar nicht schlecht. Die Autorin könne nämlich "ohne viele Worte zu verlieren" Situationen und Charaktere umreißen und Atmosphäre herstellen. Besonders die Erzählung "Nachsaison" gefällt ihm sehr. Am Ende kehrt das Misstrauen zurück. Bücher dieser Generation lese man eigentlich nicht, sondern halte sie eher gegen das Licht: in der Hoffnung, ein Stück Lebensgefühl darin eingeschlossen zu finden. Und auch - ein Stück Jugend. Als könne ein Buch etwas für seine Leser.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 23.03.2000
Präzise Beobachtung attestiert Thomas Kraft der literarischen Debütantin - ihm hat die Atmosphäre dieser zehn Erzählungen gefallen. Maike Wetzels Figuren, allesamt mehr oder weniger auf der Suche nach Liebe, "wissen nur, dass sie etwas wollen, ohne genau sagen zu können, was es ist". Diese Unbestimmtheit einer Generation halte Wetzel in einem sehr bildhaften Stil fest.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000
Recht freundlich schreibt Martin Krumbholz über diesen ersten Erzählungsband der jungen Autorin. Zwar findet er die Konstellationen in den Erzählungen manchmal etwas zu klar geschnitten, so dass es am Ende keine Überraschungen mehr gibt, aber er mag den schnoddrigen Ton und den "Stakkato-Rhythmus" der Techno-Generation, den er bei dieser Autorin zu finden meint. Als gelungenste Erzählung nennt er "Hochzeiten", in der aus einer klaren Konstellation doch einmal überraschende Konsequenzen erwachsen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.03.2000
Mißtrauisch nähert sich Uta-Maria Heim dem Erzählband der 25jährigen Maike Wetzel, den "eine Crew von Werbemanagern nicht griffiger hätte plotten können". Dass diese Frau mit zwanzig schon genau wußte, wo sie hin wollte, findet die Rezensentin recht verdächtig und listet als Beweise dieser Unverfrorenheit die Literaturpreise auf, die Maike Wetzel seitdem gewonnen hat. Lieber sich ein Beispiel an Ingebog Bachmann nehmen. Die hat sich zwar umgebracht. War aber dafür ziemlich authentisch. Und hier? "Keine Utopie. Kein Entwurf. Nicht einmal ein echtes Begehren." Doch die Rezensentin hat glücklicherweise selber eins, nämlich zu erfahren, "was denken sie", die Menschen, die nach 1968 geboren sind? "Wir möchten so gerne mal in so ein Wesen herein gucken, das sich auf der Loveparade bis zum Geisteszusammenbruch durchschütteln läßt!" Vielleicht selber mal hingehen statt sauertöpfische Kritiken schreiben.
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