Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Nachlass herausgegeben von Thomas W. Gaehtgens und Kurt Winkler. Ludwig Justi war ab 1909 Direktior der Berliner Nationalgalerie und begründete dort die Abteilung für zeitgenössische Kunst. 1933 wurde er von den Nationalsozialisten entlassen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2001
Ein über die Maßen sympathischer Zeitgenosse war Ludwig Justi, Hugo von Tschudis Nachfolger als Direktor der Nationalgalerie in Berlin, wohl nicht. Aus seinen nun aus dem Nachlass veröffentlichten Lebenserinnerungen spricht, wie der Rezensent Ekkehard Mai, um abwechslungsreiches Vokabular für den ebenselben wenig erfreulichen Sachverhalt nicht verlegen, betont: "Eitelkeit", "auffällig starke Ich-Bezogenheit" und "Eigenlob". So aufschlussreich wie die Autobiografie Wilhelm von Bodes, die Justi als Vorbild gedient haben dürfte, scheint ihm der Band bei weitem nicht. Interessant findet er das Buch nichtsdestotrotz, als "Institutions- und Zeitgeschichte", als durchaus für einschlägige bildungskonservativ-nationale Kreise "repräsentative" Quelle.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.04.2001
Er ist eine Legende, und über Legenden lohnt es sich zu lesen, schreibt Petra Kipphoff. Ludwig Justi (1876-1957) baute als Direktor der Berliner Nationalgalerie in der Weimarer Republik die weltweit erste Sammlung der Gegenwartskunst auf, informiert die Rezensentin. Und er machte sich damit viele Feinde, darunter Max Liebermann und Paul Cassirer. Justi hatte sich ganz und gar der Kunst verschrieben, das könne man seinen Memoiren entnehmen. Er war, schreibt Kipphoff, eine Mischung aus dem heiligen Georg und dem heiligen Sebastian, der sich gegen dominierende Meinungen im Museumsbetrieb stellte, dafür bekämpft wurde und schon in frühesten Zeiten den Kunsthandel kritisierte. Nicht nur die Erinnerungen an seine Familie und den Beruf, sondern auch der aktuelle Bezug von Justis Denken machen für Kipphoff daher seine Memoiren so lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.03.2001
Andreas Strobl begrüßt die Veröffentlichung dieser Biographie des Leiters der Berliner Nationalgalerie von 1909 bis 1933, obwohl es eine zum Teil etwas qualvolle Lektüre gewesen zu sein scheint. So beklagt er die "Langeweile", die sich bei der detaillierten Beschreibung der Ahnenreihe Justis eingestellt hat, sowie die "arge Ausführlichkeit", mit der das Buch seine Kämpfe mit der preußischen Verwaltung beim Ankauf von Bildern schildert. Bedauerlich findet es der Rezensent, dass man aus Justis Autobiografie wenig über seinen "Umgang mit Künstlern, Kunsthändlern und Kollegen" erfährt, doch er sieht diesen Mangel durch die ausführlichen Kommentare des Herausgebers aufgehoben. Überhaupt lobt er die "sorgfältige Edition" der Lebenserinnerungen, die, wenn sie auch nicht unbedingt von einem "sympathischen", so doch von einem für die Museumsgeschichte wichtigen Mann verfasst sind, wie er betont.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2000
Henning Ritter bettet seine Besprechung der Lebenserinnerungen von Ludwig Justi, von 1908 bis 1933 Direktor der Berliner Nationalgalerie, in eine Schilderung des damaligen "Berliner Museumskriegs" ein. Im wesentlichen war dies eine polemische Auseinandersetzung um die zeitgenössische Kunst. Während Justi auf deutsche Gegenwartskunst setzte, Werke der Expressionisten etwa, bevorzugten seine Gegner um Liebermann und den Kunstkritiker Scheffler den französischen Impressionismus. Das Ergebnis war "eine gegenseitige Blockierung auch der Kräfte, die ähnliches anstrebten". Die Erinnerungen Justis sind vor allem eine Rechtfertigungsschrift im Kontext dieser Streitigkeiten. Sehr interessant findet Ritter aber auch die Beschreibungen der "Museumsarbeit im Kaiserreich". Die Gestalt Wilhelm von Bodes erscheint hier trotz aller Verehrung Justis mit "unheimlichen Zügen". Der Rezensent empfiehlt die Lektüre des Bandes in der derzeitigen Diskussion um die Neugestaltung der Museumsinsel und lobt zuletzt noch die Ausgabe selbst, vor allem den "glänzend recherchierten Kommentarband."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.11.2000
Sehr zwiespältig sieht Caroline Hilfe die jüngst erschienenen Memoiren des in der Weimarer Republik für die Entwicklung der Berliner Nationalgalerie so bedeutenden Direktors Ludwig Justi. Dieser hatte im Zeitraum von 1919 bis zum Ende der zwanziger Jahre im ehemaligen Kronprinzen-Palais eine Sammlung mit Werken der zeitgenössischen Moderne aufgebaut, die überall Anerkennung fand und zum Vorbild vieler Museen wurde. 1933, kurz nach der Machtübernahme, wurde das Wirken Justis von den Nazis jäh beendet. Die Rezensentin betont, das Buch sei ein wichtiger Beitrag zur Museumsgeschichte im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts. Ein Lesevergnügen ist es jedoch nicht, meint sie. Die Rezensentin kritisiert die Einseitigkeit und Larmoyanz eines verbitterten Menschen, dessen Lebenswerk abrupt unterbrochen und dessen zuvor bewunderte Leistung plötzlich missachtet wurde. Gravierender findet Hilfe allerdings etwas anderes: nämlich das anbiedernde Verhalten Justis gegenüber den Nazis, als er noch im Amt war, seine Schuldzuweisungen an Max Liebermann (der Justis Ankauf expressionistischer Werke vehement kritisierte), Paul Cassirer und Karl Scheffer, sein Verhältnis zum Kaiser und zur Weimarer Republik. Dennoch hofft die Rezensentin, dass die herausragende Leistung Ludwig Justis für die Kunst stärker im Bewusstsein des Lesers bleibe als die angedeuteten Schwächen.
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