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Lisa Zeitz
Tizian, teurer Freund
Tizian und Federico Gonzaga - Kunstpatronage in Mantua im 16. Jahrhundert
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Zwei Studien zur Kunstförderung im 16. und 17. Jahrhundert hat Ilona Lehnart sich angesehen: Lisa Zeitz` "Tizian, teurer Freund" (Michael Imhof Verlag) und Claudia Banz` "Höfisches Mäzenatentum in Brüssel" (Gebr. Mann Verlag).
1) Zeitz: "Tizian, teurer Freund"
Viele Bilder aus der Kollektion Federico Gonzagas gelten als verschollen. Für den Leser dieser Studie zur Kunstpatronage am Hof zu Mantua, so teilt uns die Rezensentin mit, bedeutet das, der Autorin in ein hypothetisches Gedankengebäude zu folgen, dessen Fundamente aus Inventarlisten, Briefen, Kaufverträgen etc. bestehen. Einmal eingetreten in das imaginäre Kunstkabinett, heißt es weiter, enthülle sich dem Staunenden allerdings nicht nur die Bedeutung von Kunstwerken im "diplomatischen Geschenktransfer", sondern ebenso der politische Instinkt des schöngeistigen Herzogs und Förderers Tizians. Letzterer wieder wusste, was dem Herzog gefiel: Jede Menge Bildnisse seiner Durchlaucht von zeitloser Sublimität - deren Originale leider verloren sind. Was aber, wenn nicht diese, ist nur auf den vielen, von Lehnart eigens erwähnten Abbildungen des Bandes zu sehen? Doch nicht etwa Kopien?
2) Banz: "Höfisches Mäzenatentum in Brüssel"
Gleiche Zeit, anderer Ort - und andere Interessen, muss man sagen. Nicht Mantua, sondern Brüssel ist der Schauplatz der mäzenatischen Umtriebe, die die Kunsthistorikerin Claudia Banz erörtert. Lehnart attestiert der Autorin eine "stupende Gelehrsamkeit" und Souveränität beim Ausloten der geistesgeschichtlichen Bedingungen, unter denen sich die habsburgische Kunstpolitik in den Niederlanden entwickelte, sowie das nötige Maß an Akribie im Umgang mit einer gleichfalls schwierigen Quellenlage (wie im Fall der Sammlung Gonzaga sind auch die Zeugen der Sammlertätigkeiten am Brüsseler Hof entweder verloren oder weit zerstreut). Was die Arbeit auf diese Weise zutage zu bringen vermag, stellt Lehnart fest, ist eine Kunstpolitik, deren zentrale Motive nicht Selbstzelebrierung und Genuss, wie bei Gonzaga, sondern Repräsentation und fömmelnde Selbstverleugnung im Dienste einer fürstlichen Propaganda waren.
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