Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.11.2004
Gegen die vorschnelle Einmottung des Mythos wendet sich der Gießener Religionsphilosoph Linus Hauser in einem "gelehrten Wälzer von gut 500 Seiten", den Rezensent Eckhard Nordhofen mit einigem Bedauern zugeklappt hat. Fasziniert haben ihn die "oft ins Bizarre und Obskurantistische spielenden" Beispiele, mit denen der Autor seine These belegt, wonach der Mythos keineswegs ein Relikt längst vergangener Tage ist. Der vorliegende erste Band (von drei geplanten) stellt die "religionsförmigen Neomythen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts" ins Zentrum. So taucht neomythisches Denken nicht nur bei neureligiösen Gruppen wie etwa Scientology auf, sondern auch bei prominenten Nobelpreisträgern, Computerwissenschaftlern oder Raumfahrern. Ein kurioses und sehr unterhaltsames Panorama breitet Hauser hierbei aus, erklärt unser Rezensent. Aber das Werk sei mehr als ein bloßes Kuriositätenkabinett: "Hausers Arbeit stellt einen der bedeutendsten religionswissenschaftlichen Beiträge der nachmarxistischen Ära dar." Der Kritiker ist schon gespannt auf die beiden folgenden Bände.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.07.2004
Rezensent Helmut Zander sieht Linus Hausers Buch auf tönernen Füßen stehen. Dabei analysiere Hauser durchaus anregend die im 19. Jahrhundert neu entstandenen Mythen, in denen sich metaphysische Selbstvergottung und wissenschaftliche Machbarkeitsphantasie vereinten. Nur -so bedauert der Rezensent - bewege sich Hauser trotz enormer Materialfülle "in keinem seiner Felder sicher auf dem Stand der Forschung". Am Beispiel der These, dass Adolf Hitlers Denken hauptsächlich der Theosophie entstamme, macht Zander dies deutlich: So sind - seiner Ansicht nach - Hausers Hauptquellen als "unzuverlässig" und "Teilfälschung" bekannt oder auch schlichtweg nicht angemessen "ausgeschöpft" worden. Für die beiden in Aussicht gestellten Folgebände wünscht der Rezensent dem Autor für seine interessante Kulturkritik ein solideres Fundament.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.03.2004
Dieser erste von drei geplanten Bänden, in denen Linus Hauser die "Entwicklung vom menschenerschaffenden über den menschengeschaffenen bis hin zum menschlichen Gott" zu untersuchen und darzustellen beabsichtigt, widme sich vor allem der Ausbildung eines begrifflichen Rahmens und einer philosophie- und religionsgeschichtlichen Fundierung, berichtet Stefan Breuer in seiner recht akademischen Rezension. Der Leitfaden des Buches sei, dass die im Zuge der Aufklärung und des Erfolges der Naturwissenschaft raumgreifende Idee der "Machbarkeit" auf die Religiosität übergreife und damit zur "Idee der Machbarkeit von Religionen und Gottesbildern" und schließlich von Gott führe, so Breuer, der Hausers Unternehmen im Umfeld der "Dialektik der Aufklärung" verortet. Anhand seines Konzeptes der "Neomythen", das "eine Art Hineinnahme des wissenschaftlichen Standpunktes in das Feld des mythischen und religiösen Denkens" bezeichnet, analysiere der Autor unter anderem den Mesmerismus und Spiritismus des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Hausers Konzeption erschließe dergleichen Phänomene - wie auch die "völkischen und rassistischen Theoreme" des Nationalsozialismus - nicht länger als bloßen "Rückfall in archaisches Denken", sondern als "'empiristische' Religiosität", die mit dem modernen Wissenschaftsglauben verbunden sei, würdigt Breuer. Als einziges Manko dieses "ungemein reichhaltigen und anregenden" Buches kritisiert der Rezensent eine unglückliche Gewichtung der empirischen Untersuchungen, die dem "philosophischen und literarischen Mainstream" der in den Blick genommenen Zeit zu wenig Raum gewähre.
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