Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Lilian Faschinger

Stadt der Verlierer

Roman

Cover: Stadt der Verlierer

Carl Hanser Verlag, München 2007
ISBN-10 3446208178
ISBN-13 9783446208179
Gebunden, 316 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Matthias hat viele Beziehungen. Und er hasst es, wenn Frauen ihm widersprechen. Als er eines Tages im Lainzer Tiergarten eine Frau, die sich umbringen wollte, rettet, beginnt eine weitere, geheimnisvolle Affäre. Zur gleichen Zeit bekommen Emma Novak und Mick Hammerl, Privatdetektive, einen ungewöhnlichen Auftrag: Sie sollen den Sohn von Greta Mautner finden, den diese einst nach der Geburt zur Adoption freigegeben hatte. Routine, denken sie, bis wieder eine Frau gefunden wird, jetzt aber wirklich tot.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2007

Matthias Karner ist der Name des Protagonisten und Ich-Erzählers von Lilian Faschingers Roman - und er ist ein Unsympath vor dem Herrn. Daran lässt die Autorin keinen Zweifel, die hier, betont die Rezensentin Daniela Strigl, ihren "herrlich bösen Blick" auf Wien und die Wiener ein weiteres Mal bewahrt. Sein Geld verdient Karner als Gigolo, genauere Angaben zum Fortgang der Handlung macht die Rezensentin aber nicht. Dafür macht sie mit weiteren Figuren bekannt, darunter einem Detektivpärchen, dessen männliche Hälfte ein heftiges Allergieproblem hat. Und keinen Zweifel lässt Strigl daran, dass sie den Roman sehr genossen hat, weil sie nicht nur das bösartige Porträt treffend findet, sondern das ganze auch noch "glänzend geschrieben".

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2007

Die Kunst komme in dieser österreichischen Variante nicht allein vom Können, denn das Böse sei die eigentliche Muse dieses Wien-Romans. Auch ohne Freud, analysiert Rezensent Paul Jandl, entfalte die Autorin "wahrheitsgemäß und aufs Schönste erfunden" die Kriminalgeschichte um einen verschwundenen Gigolo Wiener Abart und eine ihn suchende Detektei gleicher Provenienz. Die Stadt Wien als Ort der Recherche werde dabei topografisch exakt benannt, gewissermaßen als Geschmacksverstärker. Alles was der Autorin in dieser Stadt an 'Kulturen' begegne, werde mit "virtuoser Häme" analysiert, einschließlich der naturgemäß abgründigen Familie des verschwundenen Gigolo. Hier setzt der Rezensent ein Ausrufungszeichen, um den Wiener "Witz" dieser Analysekonstellation nicht zu verschenken. Entdeckt werde von der Detektei die Geschichte von der einzigen Liebe im Leben des Gigolo, einer nackten Blassen, die er gleich zu Beginn des Romans vorm Selbstmord rette. Und Liebe, daran lässt Paul Jandl keinen Zweifel, bedeute hier wie bei Horvath "unerbittlich" das Böse. Wenn mit Lilian Faschinger nicht gelegentlich der satirische Gaul durchgehen würde, wäre das Glück des Rezensenten heillos.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.04.2007

Barbara von Becker hat sich bei Lilian Faschingers "Stadt der Verlierer" köstlich amüsiert und sie preist den Roman, der sich unter der Lektüre als Psychothriller entpuppt, als höchst unterhaltsam und fesselnd. Im Mittelpunkt steht der Gigolo Matthias Karner, der einer schönen Selbstmörderin das Leben rettet, von seiner leiblichen Mutter durch ein Detektivbüro gesucht und gefunden wird und der eine nach und nach hervortretende kriminelle Energie entwickelt. Besonders hingerissen ist die Rezensentin vom äußerst skurrilen Personal des in Wien spielenden Buches und von dem Geflecht aus Andeutungen und Zweifeln, die stetig die Spannung der Lektüre erhöhen. Wenn Becker auch die Psychologie des Helden am Ende etwas zu schlicht erscheint und findet, dass Faschinger damit nicht an die Highsmith'sche Qualität heranreicht, so lässt sie doch keinen Zweifel daran, dass sie an diesem Buch große Freude hatte.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.04.2007

Lilian Faschinger habe wieder einmal ein starkes Stück vorgelegt, sprachlich "ruppig" und inhaltlich so frauenfeindlich, wie es selten von einer Frau zu lesen sei. Einfach bärenstark, zieht Rezensentin Meike Fessmann den Hut. Mit gleich zwei Erzählern, einem neutralen Er- und dem Ich-Erzähler werde die Geschichte des Adoptivsohnes Matthias erzählt, der dank früher Verführungen und Missbrauchserfahrungen zu einem ausgewachsenen Frauenfeind von nun dreißig Jahren herangewachsen sei. In zahllosen Liaisons mit einem "Potpurri verkrachter Existenzen" drehe Matthias aber gewissermaßen den Spieß um, bis eines Tages gleichzeitig mit der großen Leidenschaft auch seine leibliche Mutter auftauche. Das alles, so die Rezensentin, sei wunderbar spannend und plausibel erzählt, ohne unnötige Psychologisiererei. Lilian Faschinger sei einfach "wunderbar verrückt" und ihr Buch en passant auch ein angemessenes Wien-Porträt, voller Hass und voller Liebe.

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