Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Portugiesischen von Karin von Schweder-Schreiner. Valmares, Dorf an der Algarveküste in Portugal, zur Zeit der Salazar-Diktatur. Die Erinnerungen der Erzählerin kreisen um jene regnerische Nacht im Jahr 1963, als sie, die fünfzehnjährige Tochter von Walter Dias, mit bangem Erwarten die Schritte ihres Vaters hört, der heimlich die Treppe zu ihrem Zimmer hinaufsteigt, um sie für sein langes Wegbleiben um Verzeihung zu bitten. Dass er nicht ihr Onkel ist, ahnt sie nur, denn darüber wird in der großen Familie des Patriarchen Francisco Dias niemals gesprochen. Gerüchte, Vorwürfe und dunkle Erwartungen umgeben Walter ? den Herumtreiber, den Schürzenjäger ?, seit er das Haus fluchtartig verlassen hat und durch die Welt zieht. Ab und an erreichen Briefe die Familie, versehen mit prächtigen Vogelzeichnungen, die Walters "Nichte" heimlich sammelt. Später, als sie selbst erwachsen ist, wird sie Walter Dias in Buenos Aires aufsuchen und ihm die Fragen stellen, die sie seit ihrer Mädchenzeit umgetrieben haben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.01.2001
"Die Decke des Soldaten" erinnert Barbara von Becker an das 1954 in Portugal erschienene Buch "Die Sybille" von Augustina Bessa Luis. Auch wenn Lidia Jorges ihren Roman in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts beginnen läßt, ihre Schriftstellerkollegin hingegen hundert Jahre früher, entdeckt die Rezensentin Ähnlichkeiten in der Darstellung des ländlichen Lebens in einer äußerst kargen, vom Fortschritt nahezu abgeschnittenen Region Portugals. Lidia Jorges erzählt die Geschichte einer nordportugiesischen Bauernfamilie. Sechs Söhne, drei Schwiegertöchter plus Schwiegersohn und drei Enkel gehören zu der mit strenger Hand geführten Familie des Francisco Dias, die seit Generationen ihr Land in der Algarve bestellt. Eine Hauptperson, so erfährt man in Beckers Rezension, ist der jüngste Sohn Walter, "das schwarze Schaf der Familie", ein Herumtreiber und Frauenheld, der als Soldat eine bescheidene Karriere gemacht hat. Das Ergebnis einer seiner Liebschaften lebt unter dem Dach seines Vaters als seine Nichte, denn nicht er, sondern sein ältester Bruder heiratete seinerzeit die von ihm Geschwängerte. "Die Tochter", wie das Mädchen in dem Roman nur genannt wird, spürt eine besondere Verbindung zu ihrem Vater. Die von Verletzungen geprägte Beziehung der beiden stellt die Rezensentin als einen inhaltlichen Schwerpunkt des Buches heraus. Darum ranken sich zahlreiche weitere Schicksale von Menschen. Die Autorin hat, wie Becker es empfindet, mit ihrem Roman diesem "steinigen Stückchen Erde hinter dem boomenden Touristendorado ...ein berühmtes und manchmal augenzwinkerndes Denkmal gesetzt", zu dessen Gelingen die Übersetzung von Karin von Schweder-Schreiner wesentlich beitrage.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2001
Sandra Kerschbaumer hält die portugiesische Schriftstellerin Lidia Jorge für eine der wichtigsten Autorinnen ihres Landes. Schon in früheren Werken habe sie sich mit sozialen und kulturellen Veränderungen in den dörflichen Gemeinschaften ihrer Heimat beschäftigt. Und auch "Die Decke des Soldaten" erzähle von unterschiedlichen Erwartungen und Lebenswegen der Generationen. Die Rezensentin widmet sich ausführlich dem Inhalt des Romans, dessen Geschichte die Autorin "in klaren Bildern" schildere. Auch wenn sich Kerschbaumer mit einer deutlichen Wertung zurückhält - ihre ausführliche Beschreibung deutet wohl darauf hin, dass ihr der neue Roman von Jorge gefallen hat.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
In den Schoß der Familie, so sieht es aus, kehrt in diesem Roman der "Herumtreiber und Faulenzer" Walter Dias zurück, schreibt Thomas Laux. Das Chaos, das er anrichtet in dieser von der Autorin "überaus eindrucksvoll" beschriebenen "bäuerlich abgeschotteten" Welt" so Laux, wird nur durch die klare "Stimme der Tochter" durchschnitten. Das "Lügengebäude" fällt zusammen, aber der "komplexe Schwebezustand" aller Figuren wird, so der Rezensent, auf "beachtliche" Weise von Lidia Jorge über weite Strecken aufrechterhalten. Wer sich auf diese Welt aus "Geschehen und Gedanken", die alle um den einen schillernden Mann kreisen, aussetzt, muss allerdings viel "Konzentration" mitbringen, urteilt Thomas Laux.
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