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Leon Wieseltier
Kaddisch
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Griese. Nach dem Tod seines Vaters entdeckt Leon Wieseltier die Wurzeln seiner jüdischen Religion. Elf Monate spricht er täglich das Kaddisch, das jüdische Trauergebet, und stößt dabei auf den ganzen Reichtum jüdischen Denkens, das seit der Antike um Tod und Trauer, Erinnerung und Tröstung kreist. Eine anrührende Autobiographie, in der es nicht zuletzt um die Frage geht, was religiöse Bindung in unserer Gegenwart überhaupt noch bedeutet.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.03.2001
Thomas Sparr zeigt sich recht angetan von diesem Band, auch wenn er einräumt, dass hier eher ein "Kaleidoskop, nicht aber ein ganzes Bild oder geschlossenes System" des Kaddisch geboten wird. Doch die facettenreiche Darstellung des jüdischen Trauergebets, bei der der Autor bis ins 13. Jahrhundert zurückblickt und die verschiedenen Formen und Einflüsse des Kaddisch aufzeigt, hat der Rezensent offenbar mit großem Gewinn gelesen. Deutlich wird nach Sparr, dass der Kaddisch nichts Statisches ist, sondern sich vielmehr stets weiterentwickelt und je nach Umgebung und Auslegung ganz verschieden praktiziert wird. Zwar sind die vielen Aphorismen und Zitate dem Rezensenten bisweilen schon ein wenig zuviel. Doch insgesamt handelt es sich seiner Ansicht nach hier um "eines der eindrucksvollsten Bücher über die Suche nach der eigenen Religion und ihrer Reflexion von Tod und Trauer".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2000
Friedrich Wilhelm Grafs ausführliche Rezension ist eine einzige Hymne auf dieses Buch. Der New-Republic-Redakteur Leon Wieseltier schildert seine Auseinandersetzung mit dem Glauben seiner jüdischen Vorväter. Nach dem Tod seines Vaters will er, der Agnostiker, aus Pietät das Kaddisch, das rituelle Trauergebet, begehen und ist bald zutiefst fasziniert von den religiösen Zusammenhängen. In seinem Buch geht es ihm darum "sich mit jüdischer Tradition rational, denkend auseinanderzusetzen". Es gelinge ihm dabei, so Graf, "äußerst diskret" zu bleiben, ganz auf die "distanzierende Kraft der Reflexion" zu setzen. Kritisiert wird von Wieseltier die Oberflächlichkeit eines amerikanischen Judentums, das (in den Worten des Rezensenten) Religion als "Krafttraining im Seelen-`gym`" begreift. Wieseltiers Reflexionen wie seine Ansprüche an Religion sind dagegen sehr viel anspruchsvoller. Philosophische Kenntnisse werden vorausgesetzt, eigene Erkenntnisse verdichten sich zu Aphorismen, die den Rezensenten an Lichtenberg erinnern. Er liest "Kaddisch" als "Text über den lebensdienlichen Sinn von Ritualen" und stimmt allen zu, die das Buch emphatisch feiern. Heftige Kritik übt er allerdings an der deutschen Übersetzung, deren Mangelhaftigkeit die "Grenzen des Erträglichen" überschreite.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Mit der Trauer um den Tod seines Vaters hat der Literaturredakteur des New Republic, Leon Wieseltier, zur jüdischen Religion (zurück)gefunden, oder genauer: nicht unbedingt zum Glauben an Gott, sondern zu den Riten der Liturgie und religiösen Praxis. Insbesondere: dem Kaddisch, dem öffentlichen Trauerritus. Das hat zum "Studium der Tradition" geführt, von dem er in dem Buch nun berichtet, dessen "System präziser Verhaltensvorschriften" er entfaltet. Die Rezension von Martin Treml ist reich an Informationen über das Kaddisch und über Wieseltiers Buch, eine Einschätzung enthält sie nicht.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
`Schöne Sätze` schreibt er schon, der literarische Redakteur von `The New Republic` in Washington, meint Joachim Schlör. Dennoch ist dem Rezensenten Lektüre und Lob des Buches schwer gefallen. Er schätzt ihn irgendwie, diesen Bericht über das Trauerjahr nach dem Tod des Vaters, in dem sich Wieseltier das erste Mal seit seiner Kindheit wieder aufs Jüdische Ritual einlässt und zudem der Geschichte des `Kaddisch`, des jüdischen Totengebetes, nachgeht. Aber Schlör, der in einer Klammer bekennt, selbst seinen Vater als Zwölfjähriger verloren zu haben, macht sein Widerstreben gegen das Buch immer wieder deutlich. Oft stellt er Fragen, die ihm das Buch nicht beantwortet hat: die Bedeutung des Rituals - worin liegt es denn wirklich? Wieseltier scheint zufrieden, zu beschreiben, dass es ihn beruhigt. Das Kaddisch: warum spricht ausgerechnet dies Gedicht nicht von den Toten? Wieseltier ist scheint`s zufrieden mit einer neuen Recherche-Obesession (woher kommt das Kaddisch) und der Beschreibung seiner neu entdeckten Treue zum Gebet. Nein, Schlör findet nicht, dass `die Unfassbarkeit des Todes` hier etwa gefasst wäre; aber unberührt hat ihn das Buch nicht gelassen.
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