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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Lea Singer

Die Zunge

Roman

Cover: Die Zunge

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2000
ISBN-10 3608935207
ISBN-13 9783608935202
gebunden, 328 Seiten, 20,35 EUR

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Klappentext

Er liebt die Frauen und die Philosophen, er schätzt gutes Essen und achtet die einfachen Leute. Er ist zynisch und barmherzig, eiskalt und leidenschaftlich in raschem Wechsel. Er ist ein Monster und wird zum Inbegriff des guten Geschmacks: Alexandre Grimod de La Reynière, in Paris geboren, ungeliebt von seinen Eltern, die das an beiden Armen verkrüppelte Kind nicht akzeptieren. Doch was hat dieser geniale Selbst-Inszenierer aus seinem Leben gemacht! Er wird Rechtsanwalt und nebenbei der meistgelesene Theaterkritiker der französischen Revolutionszeit, er ist der gefürchtetste Feinschmecker Frankreichs ? der Erfinder der Gourmetkritik.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2000

Alexander Honold ist nicht überzeugt von diesem Roman, wenn er ihn auch nicht ganz und gar verwirft. Schon die Wahl der Zeit und des Milieus - die Autorin läßt ihren Debütroman in der gehobenen Gesellschaft des Ancien Régime spielen - sei nicht sehr klug, gelte es doch eine Menge "Klischees" zu vermeiden. Was die Autorin zum Bedauern des Rezensenten nicht tut, sondern stattdessen mit sattsam bekannten historischen Anekdoten aufwartet, wie er unzufrieden feststellt. Dennoch sei dies ein Roman "von sinnlicher Opulenz", in dessen Verlauf sich Singer "frei" schreibe und ihrer "virtuosen Erzählfreude" freien Lauf lasse, bemerkt Honold anerkennend. Allerdings bleibe das Gefühl, dass "mehr zu holen gewesen wäre", so der Rezensent enttäuscht.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2000

Was für ein Roman hätte das werden können! Aber leider: Thema verschenkt. Ursula Pia Jauch muß beim Schreiben ihrer Rezension heiße Tränen vergossen haben. Dem Leser zum Trost erzählt sie mit hinreißendem Schwung und einer Fülle von Informationen die Lebensgeschichte von Alexandre Balthasar Laurent Grimod de la Reynière, der 1758 in sehr adeligen Verhältnissen geboren wurde - mit deformierten Armen. Ein Schweizer Arzt verpasste dem Kind eiserne Hände, mit denen es fechten, kochen und kämpfen lernte. Und weil der Knabe nicht fühlen konnte, lernte er, "welche Potenz in der Zunge liegt". Ist diese - wahre! - Geschichte nicht aufregend genug? Offenbar nicht, denn die Autorin, klagt Jauch, habe aus den Geschichtsbüchern die alten Skandalgeschichten "gleichsam mit der Pralinenzange" herausgeklaubt und dann noch mit "Aufmerksamkeit heischenden Adjektiven" angereichert. Ständig müssen Diderot, Malesherbe, Rétif oder Mirabeau "flennen, grinsen, grölen, stieren oder quieken", bemerkt die Rezensentin verbittert. Jauch empfiehlt statt dessen Franz Bleis "Porträtsammlung": Auf acht Seiten, gleich hinter Sade, erfahre man mehr über Grimaud als in Singers Roman.

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