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Kurt Bayertz

Der aufrechte Gang

Eine Geschichte des anthropologischen Denkens

Cover: Der aufrechte Gang

C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406638480
Gebunden, 415 Seiten, 26,95 EUR

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Klappentext

Dass wir auf zwei Beinen gehen, halten wir für selbstverständlich, und doch ist der Mensch eines der ganz wenigen Lebewesen, die dazu in der Lage sind. In seinem Opus Magnum führt Kurt Bayertz den Leser zu nicht weniger als der Frage, was Menschsein bedeutet. Was macht den Menschen zum Menschen? Was erhebt ihn - im wahrsten Sinne des Wortes - über alle anderen Lebewesen? Was beschert ihm seine Sonderstellung, Hochmut und Rückenprobleme inklusive? Bayertz hat das Denkmotiv des "aufrechten Ganges" durch zweieinhalbtausend Jahre Geistesgeschichte verfolgt, von Ovid, in dessen Schöpfungsgeschichte der "rohe, ausdruckslose Erdenkloß" durch seine Aufrichtung erst menschlich wird, über die "aufrecht kriechenden Maschinen" bei La Mettrie, die trotz all ihrer Bemühungen stets "nur Tiere" bleiben, bis hin zum Appell an den "aufrechten Gang" im November 1989 in der DDR. Die Körperhaltung bestimmt stark das menschliche Selbstbild und findet in der Politik bis heute ihren Ausdruck im "aufrechten" Menschen als Metapher und Symbol für ein würdiges Leben.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Kurt Bayertz: Der aufrechte Gang - mehr beim C.H. Beck Verlag

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2013

Kurt Bayertz hat eine Geschichte des anthropologischen Denkens geschrieben, erklärt Dirk Pilz, der an "Der aufrechte Gang" kaum etwas auszusetzen findet. Die menschliche Zweibeinigkeit wurde aus verschiedensten Gründen als ein wesentliches Merkmal des Menschen gesehen, vieles wurde hineininterpretiert, auch und besonders im Christentum, und das, obwohl in den heiligen Schriften nirgendwo die Rede davon ist, erfährt Pilz vom Autor. Einen "weltanschauungsstrategischen Schachzug", nenne Bayertz das. Mit der Renaissance gerieten klassische Deutungsschemata ins Wanken, bis schließlich die Moderne den aufrechten Gang nur noch als "Resultat eines naturhistorischen Prozesses" verstehen will. Auch methodisch findet der Rezensent das Buch gelungen. Bayertz hält wunderbar die Waage zwischen einem hermeneutischen und einem systematischen Vorgehen, er beherrscht die detaillierte Darstellung ebenso wie die geraffte, lobt Pilz. Einzig ein Blick über den "westeuropäischen Tellerrand" würde sich der Rezensent wünschen, der darf aber auch nachgereicht werden, fürs erste hat Bayertz ein tolles Buch geschrieben, findet er.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2012

Johan Schloemann scheut sich, Kurt Bayertz' Abhandlung "Der aufrechte Gang" als umwerfend zu bezeichnen, aber seine Begeisterung ist spürbar. Erstmals wird hier das "Alleinstellungsmerkmal" des Menschen, der aufrechte Gang, ins Zentrum einer von der Antike bis zur Gegenwart reichenden Geschichte des anthropologischen Denkens gestellt, freut sich der Rezensent. Hatte die Antike den aufrechten Gang noch als sinnvollen Teil der kosmische Weltordnung und bei Aristoteles als "Teilhabe am Göttlichen" erkannt, wird der auf zwei Füßen gehende Mensch in der christlichen Theologie zwar einerseits als Höherstehende ausgewiesen, andererseits ermöglicht dieser Umstand erst den Sündenfall, referiert Schloemann aus Bayertz Ausführungen. Der Rezensent ist nicht nur fasziniert von den vielen gedanklichen Fäden, die der Autor aufnimmt, er zeigt sich auch höchst zufrieden, dass er diese konsequent zu einer fesselnden Geschichte spinnt. Am Ende wird sogar noch bewunderungswürdig gründlich Anregung aus einem Schlager von Mary Roos aufgenommen, so Schloemann anerkennend, und so hat er allenfalls die Berücksichtigung von kunstgeschichtlichen Aspekten in dieser ansonsten bemerkenswert umfassenden Geschichte des anthropologischen Denkens vermisst.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2012

Sehr allgemein bleibt Rezensent Helmut Mayer in seiner Besprechung von Kurt Bayertz' Buch über den anthropologischen Topos des aufrechten Gangs als menschliches Distinktionsmerkmal. Allgemein insofern, als er zwar jede Menge von Bayertz bemühte Ideendenker von Platon bis Bloch zitiert und ihre philosophischen Einlassungen zum Thema, über die Strukturierung des Zitatenschatzes im Buch sich jedoch weitgehend ausschweigt. Reizvoll, das erfahren wir immerhin von Mayer, ist vor allem die Tatsache, dass sich mit dieser Darstellung keine definitiven Einsichten einstellen darüber, wie der aufrechte Gang nun zu bewerten sei. Das Miteinander alter und neuer Einsichten dazu lässt den Rezensenten indes Ähnlichkeiten und Unterschiede herauslesen, auch schön.

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Kurt Bayertz

Kurt Bayertz, geboren 1948, lehrt als Professor für praktische Philosophie an der Universität Münster. mehr lesen

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