Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Klaus Schlesinger

Trug

Roman

Cover: Trug

Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN-10 3351023855
ISBN-13 9783351023850
Gebunden, 190 Seiten, 16,36 EUR

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Klappentext

Um das Geschäft seines Lebens zu machen, landet Strehlow, Immobilienmakler aus Düsseldorf, Mitte der achtziger Jahre auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Aber statt einen lukrativen Grundstücksdeal zum Abschluß zu bringen, nimmt sein Leben durch eine Reihe sonderbarer Geschehnisse eine jähe Wendung. Erst findet er sich mit 50000 DM Schmiergeld in der Tasche überraschend im Ostteil der Stadt wieder; dann zwinkert ihm sein Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe; schließlich sieht er seine alten Kreppschuhe, die er vor zwei Jahrzehnten auf einem Ostberliner Ruinengrundstück zurückgelassen hat, auf der Theke eines Charlottenburger Bistros stehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2000

Die Sentimentalität, schreibt Thomas Rietzel, hat nicht nur die Hauptfigur dieses Romans, einen 1962 aus der DDR Geflüchteten, gepackt, - auch der Autor ist voll Sehnsucht nach der DDR. Diese DDR, in die er den rheinischen Kapitalisten Strehlow aus Düsseldorf zurückschickt, findet statt im Ostberlin der Vorwendezeit und entpuppt sich als freundlich-gemütlicher Ort voll Wärme und Menschlichkeit. Unfreiwillig aber glücklich tauscht er mit einem, der auch mal Architektur studiert hat, der aber als Heizer und Gemüsehändler sich treu und im Lande geblieben war, und sich jetzt mit dem gestohlenen Pass des Rheinländers in den Westen aufmacht, während Strehlow seine Jugendliebe wiedergefunden hat und feststellt, "dass ihre Körper zueinander passten". Es ist gewissermaßen ein altmodisches Buch in seiner Sprache, aber dem Rezensenten macht das gar nichts aus.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 22.04.2000

Peter Böthig erinnert dieser Roman, der für ihn eher eine Novelle ist, an E. T. A. Hoffmann. Er ist äußerst fasziniert von der Geschichte, in der eine Zufallsbekanntschaft sich als "verzerrtes Spiegelbild des Helden" entpuppt und der Leser schon früh ahnt, dass der rätselhafte Fremde nichts Gutes mit dem Protagonisten im Schilde führt. Die Stärken der Novelle liegen für den Rezensenten vor allem darin, dass Schlesinger das "Unheimliche immer nur anreißt" und dass der Autor genau die richtige Mischung zwischen Ironie und Melancholie getroffen habe. Es ist deutlich spürbar, welchen Sog diese "haarsträubende Geschichte" auf den Rezensenten ausgeübt hat und wie unheimlich ihm Schlesingers Idee ist, einem Menschen zu begegnen, der das Leben weiterführt, das man selber durch eine früh getroffene Entscheidung für sich selbst abgelehnt hat.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.04.2000

Fritz J. Raddatz ist enttäuscht und empört von diesem Roman des sonst von ihm hochgeschätzten Schriftstellers. Nachlässig geschrieben sei er, mit seinen einfallslosen Attributen, Stilblüten und hölzernen Dialogen. Während der Plot spannend sei und eine "hübsche Geschichte" erzählt würde, könne der Text sprachlich nicht überzeugen. Er scheue weder das Klischee noch die Repetition, und es sei unbegreiflich, warum ein ansonsten "untadeliger Mann" so wenig Sorgfalt habe walten lassen. Raddatz` vernichtendes Urteil: "Ein sprachlich weitgehend missglückter Roman".

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.04.2000

Martin Ebel findet die Fabel des Romans zwar ziemlich konstruiert und unwahrscheinlich - aber das hat ihn bei der Lektüre von Schlesinger nicht im geringsten gestört. Der Rezensent beharrt darauf, dass es sich bei dieser Geschichte, die im Ost-Berlin des Jahres 1985 spielt und zwei einander ähnlich Figuren konfrontiert, eigentlich nicht so sehr um eine Reflexion über die geteilte Stadt handelt, sondern dass Berlin nur die Grundstruktur bietet, um ein altes literarisches Muster noch einmal zu variieren. Wichtig sei Schlesinger das Doppelgängermotiv, die Erzählung einer alternativen Biografie. Amüsiert schildert der Rezensent, wie Schlesingers Held, ein DDR-Flüchtling in den Osten zurückkehrt, um an sein altes Leben und seine alte Liebe anzuknüpfen, während sein "Doppelgänger" mit seinem Pass endlich ausbüchsen kann. Schlesingers Wahl der Bilder sei zwar nicht immer glücklich, aber Ebel freut sich an der "novellistischen Knappheit" des Romans.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000

Hans-Jürgen Schmitt charakterisiert Klaus Schlesinger als "DEN Berliner Autor der älteren DDR-Generation". Der Rezensent scheint die Lektüre dieses Doppelgänger-Romans, der mit den Mitteln eines Agententhrillers arbeitet, genossen zu haben. Er belegt durch seine Nacherzählung, wie genau Schlesinger die Atmosphäre Ost- wie West-Berlins in den achtziger Jahren trifft, und er delektiert sich an der klaren Gliederung des Romans, in dem die Handlung in drei Teilen, die an drei aufeinanderfolgenden Tagen spielen, konzentriert werde. Schlesingers Blick auf seine Helden und die Geschichte nennt Schmitt "liebevoll" und "ironisch".

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