Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Harald Behringer ist ein verschrobener Eigenbrötler, der sich in der Anonymität der Großstadt häuslich eingerichtet hat. Doch eine kurze Reise nach Abisko in den Weiten Lapplands genügt, um die allzu vertraute Welt plötzlich ins Wanken zu bringen. Mit verzweifelter Genauigkeit, aber auch voll grimmigen Humors notiert der Held, wie alles um ihn herum in Auflösung gerät und auch seine Verlobte sich schließlich von ihm abwendet. Doch was sich über den Trümmern von Behringers kläglichem Alltag erhebt, ist vielleicht nichts Geringeres als das wahre Leben.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2001
Das zweite Buch des Münchner Schriftstellers Klaus Böldl, schreibt Wolfgang Schneider, ist so schön wie das Debüt des Autors ("Studie in Kristallbildung"). Trotz aller Misanthropie des Protagonisten, ein 40-Jähriger Gelegenheitsübersetzer aus Stockholm, der sich in seinen Traumreisen in das gut 1500 Kilometer entfernte Dorf Abisko begibt, hatte der Rezensent oft Gelegenheit, über diesen gespaltenen Menschenfeind zu schmunzeln. Manchmal erinnere Böldls exakte wie stimmungsvolle Beschreibungskunst an die Frühromantik, insbesondere an Adalbert Stifter, doch für Schneider ist der gelernte Skandinavist trotzdem weit entfernt "vom knirschenden Ernst des Biedermeier-Autors". Zwar stünden hier Einsamkeit, Natur, Traum und Tod im Vordergrund der Erzählung, aber diese eher düsteren Aspekte würden immer wieder von leichten Elementen wie der Beschreibung des Gedudels von MTV, komischen Dialogen oder skurrilen Traumsequenzen durchbrochen. Wolfgang Schneider jedenfalls freut sich schon auf den nächsten Band des Autors.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.02.2001
Stifter, ick hör dir trapsen. Katrin Hillgruber kann nicht umhin, die Erzählung des 1964 geborenen Skandinavisten Klaus Böldl mit denen des bekannten böhmischen Romanciers Adalbert Stifter zu vergleichen. Das meint die Rezensentin durchaus löblich. Böldls strikt kontemplative Erzählweise lebe von minutiösen Farb- und Wetterbeschreibungen und winzigen Verschiebungen in der Wahrnehmung des Protagonisten Harald Behringer. Spannung im herkömmlichen Sinne dürfe der Leser hier nicht erwarten. Der Autor präsentiere vielmehr eine eigentümlich bewahrende Prosa, in der alles seine Zeit, sein Gesetz und seine Stimme habe. Ein nördlicher Pol der Inspiration und Sehnsucht. Und eine Gedankenexpedition zum lappländischen Ort Abisko, der sich die Rezensentin gerne angeschlossen hat.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2000
Wolfgang Werth ist - soweit ersichtlich - gut amüsiert und insgesamt angetan von Böldls neuer Erzählung, will aber, dass sich dies dem Leser einzig und allein aus seiner knappen Nacherzählung erschließt: Ein Sonderling geht nach Lappland, verpasst sich den notwendigen Schuss Natur und kommt als "genauer und oft witziger Beobachter" zurück in die Großstadt. Leitmotiv ist eine Elster. Das Buch wurde als Jubiläumsband 100 der Collection Fischer veröffentlicht, die Werth an dieser Stelle erinnert, dass die 80er Jahre vorbei sind. Sie könne sich jetzt ruhig wieder "Kollektion" nennen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2000
Für Bruno Steiger hat Klaus Bödl sein erzählerisches Niveau, das er mit dem vor drei Jahren vorgelegten Prosadebüt "Studie in Kristallbildung" vorgegeben hat, auch in seiner jüngsten Erzählung gehalten. "Verhaltenheit" ist das Wort, das für Steiger die Prosa Bödls charakterisiert. Die durchgängige Landschaftsmetaphorik ist zwar einer assoziativeren Schreibweise gewichen und die Motive sind dezenter in Szene gesetzt, meint Steiger, aber der trockene Witz und der beiläufige Blick auf Details seien geblieben. Die in eine Atmosphäre der Nördlichkeit getauchte Erzählung handelt von einem Mann, der hoch im Norden Lapplands für einige Tage in einem kleinen Ort absteigt, wo er seinem Leben, dem jede Ähnlichkeit, jede Zugehörigkeit, jeder Zusammenhang mit seiner Person abhanden gekommen ist, hinterher sinnt, bis für einen kurzen Moment mit der Pensionstochter die Wirklichkeit des Gastortes seine Versuche der inneren Zuordnung unterbricht. Bödls Erzählung hat für Steiger eine sogartige Wirkung. Er zitiert Bödl: `Man hat es an solchen Tage fast so gut wie eine Nebenfigur in einem Roman, die über Hunderte von Seiten frei hat`.
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