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Kazuo Ishiguro

Alles, was wir geben mussten

Roman
Cover: Alles, was wir geben mussten
Karl Blessing Verlag, München 2005
ISBN 9783896672339
Gebunden, 349 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Ein Speisesaal, ein Sportplatz und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen - auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so freundlich und engagiert sie auch sind, heißen hier "Wächter" und lassen die Kinder früh spüren, dass ihnen ein besonderes Schicksal auferlegt worden ist. Diese Gewissheit verbindet Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe - bis für zwei von ihnen das Ende naht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.12.2005

Einen "Klonroman" hat Kazuo Ishiguro geschrieben - das klingt nach Kälte, nach Technik. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, beteuert Harry Nutt. Bei "Alles, was wir geben mussten" handele es sich um ein sehr bewegendes Buch, das trotz seines Etiketts kein üblicher Zukunftsroman sei. Zwar handele das Buch von wissenschaftlichen tödlichen Experimenten, vom Klonen und Organspenden, aber es fehle ihm am Ende die "dramatische Zuspitzung", die finale paranoide Weltverschwörung, meint Nutt. Insofern sei "Alles, was wir geben mussten" ein Gegenentwurf zu so düsteren Science Fiction-Romanen wie Orwells "1984" oder Huxleys "Schöne neue Welt". Ishiguro liefere keinen Gesellschaftsentwurf ex negativo. Da gebe es keine totalitäre Instanz, die moralisch dingfest zu machen sei; es gebe auch keine Rebellion auf Seiten der Opfer, so der Rezensent, die allerdings schon einen gewissen Leidensdruck verspürten. Ihnen - genauer gesagt drei Heranwachsenden, die als Organspender gezüchtet und aufgezogen werden, um dann "alles zu geben" - gelte die ganze Sympathie des Autors. Auf seltsame Weise sei der Roman zugleich eine moderne Variante oder schwarze Parodie des britischen Genres des Internatsromans. Und im Internatsalltag sieht Nutt dann auch vom Autor eine "menschliche Zartheit" bewahrt, die das Buch für ihn ungemein anrührend macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2005

Burkhard Müller ist von diesem Roman des japanischen Autors Kazuo Ishiguro ziemlich beeindruckt. Es geht um ein Internat, in denen menschliche Klone zum Zweck der Organspende aufgezogen werden, fasst der Rezensent zusammen. "So ziemlich jeder andere Autor" hätte aus diesem Sujet die Geschichte einer geglückten oder misslungenen Revolte gemacht, da ist sich der Rezensent sicher. Nicht so Ishiguro. "Rang und Eigenart" von "Alles, was wir geben mussten" bestehe darin, dass das ungeheuerliche Geschehen von den "Spendern" als ganz selbstverständlich hingenommen wird, bemerkt Müller anerkennend. Dabei interessiere den Autor gar nicht die aktuelle Ebene seines Romans, sondern, wie schon in seinem vorherigen Buch, gehe es ihm um das Thema des "Waisenkindes", erklärt der Rezensent, den besonders die darin geschilderte "unbewusste Tapferkeit verlassener Kinder" berührt. Gerade dort, wo Ishiguro die "Normalität" des Internats darstellt, reißt immer wieder ein "Abgrund des Todtraurigen" auf, so Müller, für den diese Passagen zu den "stärksten" des Romans gehören.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.11.2005

Merklich berührt wirft Susanne Mayer von Ishiguros neuem Roman aus einen Blick zurück auf seine bisheriges Werk und schält ein grundlegendes Thema heraus: der Einzelne inmitten der "gesellschaftlichen Ödnis". Seine Figuren erinnern sich, rechtfertigen sich, versuchen, ihre Existenz "im Netz ihrer Erzählung aufzufangen" - hier ist es eine junge Frau, die auf ihre Kindheit in einem Internat zurückblickt, in einer ländlichen englischen Idylle. Sie und ihre Mitschüler sind elternlos, aber keine Waisen, sondern Klone, gezüchtet als Organlager, aber voller Sehnsucht und Seele wie natürlich gezeugte Menschen. Das Internat wird in der Erinnerung zum "Kosmos klebriger Beziehungen", isoliert von jeder Art von gesellschaftlicher Umgebung. Ishiguro gehe es nicht um Technologiekritik, noch nicht einmal um Moral, sondern "um die Reinheit des Herzens". Mayer bewundert das zarte sprachliche Kleid von Ishiguros Figuren, jener "Klang von Stille", der seinen Büchern eines derartige, wie die Rezensentin befindet, "betörende Wirkung" verleiht.

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Kazuo Ishiguro

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