Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Katja Lange-Müller hat sich hineinbegeben in das Leben, hingesehen und zugelangt - und dann darüber geschrieben. Entstanden sind Texte der besonderen Art, die einem ihrer Lieblingsobjekte gleichen - den Pilzen: Sie wölben sich am Hut, stülpen sich aus und lassen sich sammeln, doch in der Tiefe bilden sie ein verzweigtes Geflecht, das sie zusammenhält und das weiter wächst. In ihren kunstvollen, von Fabulierlust vorangetriebenen Erzählungen geht es um Artverwandtes und -fremdes, um Tiere im Zoo und in freier Wildbahn, um Städte und Wälder, um amerikanische Baseballstadien, südamerikanische Strände und Berliner Bezirke, vor allem aber um die Wesen, die diese Orte bevölkern.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.08.2003
Nahezu beglückt zeigt sich Rezensent Rolf-Bernhard Essig von Katja Lange-Müllers neuem Band mit Erzählungen und Miniaturen. Denn die Autorin besitzt die unschlagbare Fähigkeit, schwärmt Essig, bei all den Alltagsdramen, bei all den erzählten "urban legends" und erfundenen Geschichten, die Tag für Tag millionenfach erzählt werden, ruhig hinzuhören, genau hinzusehen und Herz und Verstand zu gebrauchen. Auch dem Berliner Charme der Autorin kann sich Rezensent Essig offensichtlich nicht entziehen. Und als würde das noch nicht für einen ordentlichen Geschichtenband ausreichen, versichert ein ganz und gar seliger Rezensent auch noch, dass die Frau schreiben kann: lebendig, sinnlich und unmittelbar. Und so macht Lange-Müller, wie der Rezensent frohlockt "aus Gehörtem, Erfundenem und Überlieferten Kunst".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2003
In vielen der ganz verschiedenen Prosastücke, die der Band "Die Enten, die Frauen und die Wahrheit" versammelt, zeigt sich Katja Lange-Müller zur Freude von Rezensent Heinrich Detering in absoluter "Bestform". Etwa wenn sie aus einer anekdotischen Urlaubserinnerung vom Strand in Nicaragua, wo sie einem sterbenskranken streunenden Hund begegnet, eine "majestätische Erzählung von Trauer, Tod und Vergeblichkeit" entwickle. Ihre Geschichten von Enten im Stadtpark, der Einsamkeit der Goldhamster oder dem "zarte Schnaufen" des Erdferkels im Nachttiertrakt des Berliner Zoos überzeugen Detering durch ihren "Humor ohne Possierlichkeit" und ihre "Warmherzigkeit ohne Sentimentalität". Allerdings bleiben manche der Erzählungen zum Bedauern des Rezensenten "so skizzenhaft", dass sie über ein "etwas zielloses Geplauder" nicht hinaus kämen. Für die besten Geschichten des Bandes findet Detering einen kuriosen Vergleich: sie lesen sich, versichert er, wie Ernst Jüngers "Subtile Jagden" in einer Remix-Version von Max Goldt, "und das ist eine sehr schöne, geradezu fruchtig-aromatisch abgestimmte Mischung".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.04.2003
Schon den Titel dieses Bandes mit Erzählungen findet Martin Krumbholz "spannend", weil er drei so verschiedenen Dinge zusammenbringt. Der Rezensent verrät immerhin soviel, dass die "Lösung" des Titelrätsels "sexueller Natur" ist. Die einzige Erzählung, die er näher betrachtet, handelt allerdings nicht von Sex, sondern von einer Geschichte, die die Erzählerin ihrem todkranken Kollegen, dem Dramatiker Heiner M., erzählt. Dieser, so der Rezensent verwundert, hat entweder nichts verstanden oder er dekonstruiert bewusst die Geschichte seiner Besucherin. Dabei, so Krumbholz angetan, ist die am Krankenbett erzählte Geschichte von der "Ente in der Flasche" für sich genommen schon "interessant genug". Er lobt die Autorin dafür, sich nicht "beirren" zu lassen, sondern genau hinzuschauen in ihren Schilderungen. In diesem Buch zeigt sich Lange-Müller weniger als "Erfinderin" denn als "Berichterstatterin", urteilt Krumbholz, die in diesen Erzählungen ihren "ureigenen Blick" behauptet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003
Höchst vergnüglich hat sich für Martin Lüdke dieses Sammelsurium aus Reiseberichten, Glossen, Satiren, Skizzen und Gelehrtem gelesen. Dies liege vor allem daran, dass Katja Lange-Müller eine ganze Bombenladung an Pointen und Kalauern abfeuere. Das geht Lüdke zwar manchmal auf die Nerven, aber er meint, dahinter eine "tief sitzende Verzweiflung" und mithin Strategie zu erkennen: "Um nicht pathetisch zu wirken", witzele sich Lange-Müller "über den wahren Wahnsinn hinweg". Vor allem zwei Lehren hat der Rezensent den Geschichten entnommen. Erstens, dass keine Erkenntnis es wert ist, sich dafür von einem Lehrer demütigen zu lassen. Und zweitens: Selbst wenn etwas stimmt, muss es noch lange nicht richtig sein.
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