Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
"Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant", dichtete Hoffmann von Fallersleben. Manche Dichter wiederum verbannen missliebige Zeitgenossen in die Hölle ihrer Werke. Ist auch das Denunziation? Seit über zweitausend Jahren wird angeschwärzt und angezeigt, verpetzt und verraten, Angst und Misstrauen im Gefolge, besonders während der Inquisition oder den Zeiten totalitärer Herrschaft. Karol Sauerland hat die Kultur des Abendlandes ausgespäht und die Grenzen zwischen den Nachtseiten der Kommunikation und der Denunziation als kriminellen Akt gezogen. Sein faszinierendes Buch ist Chronik, politischer Diskurs und Sittengeschichte menschlichen Verhaltens in einem.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2000
Einige Überraschungen hält diese Studie über die Geschichte der Denunziation für den Rezensenten Konrad Watrin bereit. So etwa, dass Denunziation eher ein Phänomen der Moderne ist, obwohl die Geschichte des Verrates natürlich schon viel älter ist. Und dass dieser Verrat meist aus persönlichen und eher selten aus finanziellen oder ideologischen Gründen erfolgt. Der historische, erste Teil der Studie gefällt Watrin, da wird zum Beispiel seiner Meinung nach verständlich, wie "Menschen unter den Bedingungen der Diktatur `funktionieren`", die im zweiten Teil versuchte Typologie des Themas erscheint ihm "freilich recht unübersichtlich" - die Beobachtungen, die der Autor Karol Sauerland macht, findet er trotzdem aber offensichtlich ganz interessant. So führt er zum Beispiel an, dass vor allem in den unteren Schichten denunziert wurde und das selten anonym.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2000
Gut ein halbes Jahrhundert nach Margret Boveris bahnbrechender Studie über das Jahrhundert des Verrats, schreibt Rezensent Jochen Staadt, lege nun der Warschauer Germanist und Mathematiker Karol Sauerland "eine Kulturgeschichte der Denunziation vor, die mit Judas beginnt und bei "Vera am Mittag" endet." Leider befasst sich der Rezensent dann nur mit dem Spitzelsystemen der Nazis und der kommunistischen Geheimpolizei, von Tscheka bis Stasi. Außerdem gibt es einen langen und durchaus lesenswerten Eingangsabsatz, der sich mit der Rezeptionsgeschichte von Heinrich Hoffmann von Fallersleben befasst. Inwieweit dieser Rekurs des Rezensenten mit dem besprochenen Buch zusammenhängt, bleibt allerdings im Dunkeln. Überhaupt erscheinen einem die Einblicke, die der Rezensent uns in das Buch und sein Sujet gewährt, recht dürftig.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2000
Einleitend zeigt sich Urs Hafner reichlich entgeistert über das vierseitige Inhaltsverzeichnis, das "weder durch unterschiedliche Schriftgrößen noch eine Leerzeile gegliedert wird", zumal ihm auch der Sinn der Kapitelüberschriften nicht immer einleuchten mag. Anschließend kommt er auf den "lesenswerten Teil" des Buches zu sprechen, den er vor allem deswegen lobt, weil Sauerland dort "auf Grund edierter Quellen und unter Beiziehung neuerer einschlägiger Literatur" auf Denunziation im Dritten Reich und im `KGB-Reich` zu sprechen kommt. Hafner begrüßt es, dass Sauerland eine klare Abgrenzung zwischen Denunziation und Spionieren bzw. Klatsch vornimmt und aufzeigt, wie wenig die jeweiligen Regierungen darauf angewiesen waren, Spitzel zu rekrutieren: unzählige Bürger legten ganz von alleine einen regelrechten Übereifer in Sachen Denunziation an den Tag. Davon abgesehen findet der Rezensent manche Passagen des Buchs recht verwirrend. Viele Beispiele "scheinen aus der Geschichte zusammengepflückt worden zu sein" und auch Sauerlands Theorie, dass "konstante Dispositionen der europäischen Kultur" dieses ausufernde Denunziantentum erst ermöglicht hätten, kann er nicht zustimmen. Denn demnach müsste es Denunziation im gleichen Maße auch in der Demokratie geben, was - wie Hafner - anmerkt, nun wirklich nicht der Fall ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.06.2000
Die verschiedenen Denunziationsstile in den Diktaturen des 20.Jahrhunderts hat der polnische Literaturwissenschaftler in diesem Buch aufgezeigt, und Elke Schuberts Besprechung zeichnet vor allem die Ergebnisse nach. "Art und Ablauf der Denunziation" erzählt immer auch etwas "über die Art des totalitären Staates", heißt es da. Motive, die Art der Berichterstattung und die Sprache der Denunziation unterscheiden sich erheblich: unter den Nazis wurde viel an eine anonyme Behörde weitergegeben, in der Regel zeichneten die Denunzianten mit ihrem Namen. In der DDR und Polen dagegen wurde in ausführlichen Gesprächen zwischen IM und Führungsoffizier eine geradezu intime Beziehung hergestellt. Wenn die Gestapo mit Material überschwemmt wurde, waren die Motive der Denunzianten meist nicht politisch, sondern speisten sich aus Ehekonflikten, Sozialneid und Nachbarschaftsstreit. In Polen, das als Beispiel einer östlichen Nachkriegsdiktatur vorgeführt wird, wurde dagegen mehr aus politischer Überzeugung gepetzt, wobei die potenziellen Denunzianten zuerst von Geheimdienstlich aufwendig überzeugt werden mussten. Nicht ganz gelungen findet Elke Schubert die Einteilung des Buches und hätte sich mehr konkretes Material zusammenhängend dargestellt gewünscht, das hier manchmal zugunsten des analytischen Zugriffs auseinandergerissen wird. Interessant immerhin auch der Hinweis, dass heutzutage und allenthalben weiterdenunziert wird: bei Finanz- und Ordnungsämtern.
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