Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit Illustrationen von Wolf Erlbruch. Der Klassiker unter den alten ABC-Büchern, neu interpretiert: Wolf Erlbruch hat aus Karl Philipp Moritz` empfindsamem Buchstabier-Buch von 1790 ein verspieltes Denk-, Guck- und Phantasierbuch für große und kleine Menschen gemacht. Für alle, die gerne fragen und Antworten eher langweilig finden, und für alle, die für "Sofies Welt" noch zu jung oder schon zu alt sind.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.04.2000
Elke Schmitter ruft in ihrer Rezension zunächst das kurze und ungewöhnliche Leben des Karl Philipp Moritz in Erinnerung, geht aber auf den Text des Buches anschließend kaum ein. Da, wo sie es tut, äußert sie sich jedoch durchaus lobend. "Klug", so findet sie, ist Moritz vorgegangen bei seinen Erläuterungen von abstrakten bis alltäglichen Dingen. Man könne in dem Band die "deutsche Aufklärung in ihren klarsten und schönsten Worten lesen", findet sie. Wirkliche Begeisterung spricht aus ihren Zeilen aber erst da, wo sie Wolf Erlbruchs Illustrationen beschreibt. Der Facettenreichtum der verschiedenen Stile und Techniken, seine Fantasie, seine "weite" Auffassung machten die geradezu "kongeniale" Bebilderung aus. Übrigens sei das Buch auch für Kinder geeignet, wie Schmitter abschließend anmerkt
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 30.03.2000
In einer für ein Kinderbuch ungewöhnlich umfangreichen Rezension bespricht Benedikt Erenz das Buch, das er den Lesern kaum genug ans Herz legen kann. ?Hocherfreuliches, ergebnismäßig geradzu Hinreißendes? habe der Illustrator Wolfgang Erlbruch mit Moritz? Büchlein angestellt, gar eine ?völlige Neuschöpfung eines alten Textes mit grafischen Mitteln?. Als Beispiel dafür nennt er Erlbruchs Bild zu ?Pracht und Überfluss?, in dem er eine nach Torten gierende, glubschäugige Figur gezeichnet hat, die den Rezensenten an Grosz denken läßt. Ein ?gebildeter Mensch? hingegen ergötzt sich in einer anderen Zeichnung still an einem Schiffsuntergang. Den größten Gefallen findet Erenz jedoch an der Vielfalt der verwendeten grafischen Techniken. Zahlreiche Papierarten (von Lösch- über Rechenpapier bis hin zu alten Karten) werden hier mit verschiedensten Schriften bedruckt und bemalt. Die grafische Skala reiche von Scherenschnitten über verschiedene Stempelarten, Ölskizzen bis hin zu Kreidezeichnungen auf Tafeln. Dabei gibt es, so Erenz, unendlich viel zu entdecken. Das Buch wimmele von Anspielungen, Zitaten und witzigen Bezügen. Dass Erlbruch dabei in mancher Hinsicht einen Kontrast herstellt zu dem meist eher ernsten, mahnenden Moritz, erscheint dem Rezensenten keineswegs als Makel. Für ihn scheinen sich Moritz und Erlbruch eher auf hinreißende Art zu ergänzen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2000
In einer Sammelrezension beschäftigt sich Gundel Mattenklott mit den folgenden vier Büchern über das Alphabet:
1) Karl Philipp Moritz/Wolfgang Erlbruch: "Neues Abc-Buch"
Einen großformatigen Abdruck einer Erlbruch-Illustration aus dem besprochenen Buch mit ihrem Text umrahmend, lobt Gundel Mattenklott die engagierte Pädagogik von Moritz, dessen Abc-Buch 1790 das erste Mal erschien. Seine Einführung ins Alphabet ist eine Einführung in die Welt, in der dem lernenden Kind die fünf Sinne, Mensch, Tier und Ding und ihre Beziehung untereinander vorgeführt werden. Zentral ist diesem "Grundlagentext zum klassischen Bildungsentwurf und zur demokratischen Erziehung" das Motiv von der "Würde des Menschen", schreibt Mattenklott. Die Illustrationen von Erlbruch, die mit allen Techniken "der alten Schule" arbeiten - Rechenkaros, Linien, Zahlenkolonnen, geometrische Zeichnungen - sind für Mattenklott "Inszenierungen des Zeigens" und kombinieren lustvoll Heterogenes durch Montage und Zitat. Den "Bodensatz des Geheimnisvollen und Absurden" verbinden die Bilder in ihren Augen mit den "wunderlichen Zusammenstellungen" der enzyklopädischen Ordnung.
2) Katharina Lausche: "T wie Tukan"
Hier wird jeder Buchstabe durch ein Tier vorgestellt, dessen "intensive Darstellung von Fell, Federn, Haut und Haar" die Rezensentin beeindruckt hat. Und weil es auch das C und das Q und das X gibt, musste die Autorin auf für diese Breiten ungewöhnliche Tiere zurückgreifen, um das ganze Alphabet durchzubuchstabieren, was dem Buch einen besonderen Reiz verleiht, so Mattenklott, denn dadurch kommt auch "die Liebe zu eigentümlichen und farbigen Wörtern auf ihre Kosten".
3) E. Spinner/A. Luchs: "Die Amsel heißt Selma"
Wieder einmal wird das Alphabet durch Tiere dargestellt, aber in besonderer Weise mit buchstaben-spielerischer Phantasie verbunden: jedes Tier trägt als Namen sein Anagramm, (Amsel Selma, Tiger Greti und Yak Kay), und die Reversibilität der Namen ist in der Geschichte vom Fest der Tiere auch aufgenommen als Umkehrbarkeit der Zeit. Mit Buchstabenkärtchen, die dem Buch beigelegt sind, regt die Geschichte an "zum Anders- und Weitererzählen", schreibt Gundel Mattenklott.
4) Nadia Budde: "Trauriger Tiger Toastet Tomaten"
Die handgeschriebenen Texte der Autorin "entwerfen witzige und absurde Situationen", in denen sie das Abc durch Alliteration ihres ganz eigenen Tier-Kosmos durchbuchstabiert, lobt die Rezensentin. Sie zitiert einige, z.B den "einsamen etwas eitlen Elch der einmal ein Eilpaket erhielt", und freut sich an den ungewöhnlichen Figuren, deren Umfeld die Künstlerin mit wenigen Strichen "zum Raum" öffnet. Ihr Fazit: "Wie alle Spiele mit den Buchstaben macht auch dies Lust zum Weiterdichten."
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