Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Karl Mickel
Schriften in sechs Bänden
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.04.2000
Jörg Drews outet sich hier als langjähriger Mickel-Bewunderer, der auch von diesem "unendlich instruktiven, überrumpelnden und beglückenden Brocken" restlos überzeugt ist. Es gebe viel zu lernen von dem Schriftsteller, der zugleich Wirtschaftshistoriker ist. Seine Interpretationen machten deutlich, dass Geschichte - nicht Politik - Objekt der Dichtung sei. Somit ist in Mickels Deutungen nicht "einfach Lyrik erfahrbar, sondern Deutschland wird darin greifbar", so Drews. Der Autor gebe der Dichtung ihre Würde und ihr Gewicht zurück. Er demonstriere in trockener Sprache und disziplinierter Kühle das Abgründige, mitunter die sich artikulierende "heitere Pornographie" der deutschen Dichtung zwischen 1750 und 1850, die den Schwerpunkt von Mickels Interpretationen bildet. Dieser Buch sei mehr als nur ein "Band Literaturgeschichte" und mitunter bleibt dem begeisterten Drews bei der Lektüre angesichts der kühnen Deutungen sogar "die Spucke weg".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2000
Fritz J. Raddatz glaubt, mit seiner Rezension des sechsbändigen Werks von Karl Mickel einen zu Unrecht fast Unbekannten zu würdigen. In den Gedichten, den Essays und einem Romanfragment sei die DDR kritisch erfaßt, und Mickels Arbeiten hätten mit "gefälliger Wartezimmerlektüre" nichts gemein. Raddatz preist den Autor als herausragenden Lyriker, der eine ganz eigene "Poetik des Konkreten" zum Ausdruck bringe und dennoch seine geistesgeschichtlichen Wurzeln nicht verleugne. In seinen anspielungsreichen Gedichten, die Anlaß zu erbitterten Literaturdebatten gegeben hätten, artikuliere sich sein überragendes Sprachgefühl und in einer Gesellschaft, die den Optimismus zum politischen Programm gemacht habe, habe er den Mut zu seinem "Canto der Trauer" gehabt. In den Essays bewundert Raddatz seinen Wissensreichtum und seine Gedankenschärfe. Wenn er etwas am Gesamtwerk Mickels auszusetzen hat, dann nur, dass der abgedruckte Roman bisher Fragment geblieben ist. Und so fordert er zum Schluß vehement und ungeduldig dessen zweiten Teil.
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