Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Kaum jemand in den westdeutschen Verlagen der fünfziger Jahre wollte etwas von den unbekannten jungen Polen Milosz, Szymborska, Herbert, Rozewicz hören, deren Gedichte ihnen auf den Schreibtisch flatterten, eingeschickt von einem Geschäftsstellenleiter der Allianz-Versicherung, Karl Dedecius, der sich auf mühevollen Wegen - und der Tätigkeit im Dienst der feindlichen Großmächte verdächtigt - Bücher aus Polen kommen ließ und an den Abenden und Wochenenden Gedichte übersetzte. Was trieb diesen Menschen an, dessen Lebenswerk heute zum Inbegriff der deutsch-polnischen Verständigung geworden ist?
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2006
Als bedeutenden Kulturvermittler würdigt Ulrich M. Schmid den Übersetzer Karl Dedecius, der 1980 erster Direktor des neu gegründeten Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt wurde. Beeindruckt zeigt er sich nicht nur von Dedecius' enormer Übersetzungsleistung, sondern auch von seinem souveränen literarischen Urteil. So habe der Übersetzer bereits in den fünfziger und sechziger Jahren die späteren großen Namen der polnischen und russischen Gegenwartsliteratur erkannt. Die nun vorliegenden Erinnerungen verdeutlichen für Schmid die entscheidende Prägung Dedecius' durch Lektüre und Übersetzung: während dieser seine nach dem Krieg aufgenommene Tätigkeit als Versicherungsagent, die er immerhin über ein Vierteljahrhundert ausübte, auf gerade einmal einer halben Seite abhandelt, nehmen die Begegnungen mit polnischen und russischen Dichtern breiten Raum ein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.06.2006
Thomas Medicus hat es gern dezent. Drum gefallen ihm Karl Dedecius' Erinnerungen auch so gut. Ohne auf Persönliches und Anekdotisches ganz zu verzichten, so gibt er uns zu verstehen, lebt dieses Buch vom "Geist der Bescheidenheit" seines Verfassers. Um so mehr scheint Medicus die Leidenschaft zu schätzen, die der Text ausstrahlt, wenn es um polnische und russische Literatur und um Weggenossen wie Czeslaw Milosz oder Zbigniew Herbert geht, eine "Herzenssache" des Autors und die "schönsten Kapitel" des Buches. An der Gewichtung der Themen erkennt Medicus, welche wichtige Rolle die Poesie hier spielt: Sie ist das "Gegengift" zu den leidvollen Erfahrungen des Krieges.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.05.2006
Vieles, wenn nicht alles ist Karl Dedecius im Leben gelungen. Mit seiner Passion für die osteuropäische, vor allem die polnische Literatur hat er für diese in Deutschland viel an Aufmerksamkeit gewinnen können. Mit 85 Jahren legt er nun seine Erinnerungen vor. Die Rezensentin Marta Kijowska preist sie als das Werk eines souveränen Meisters seines Fachs. Das liegt zum einen am Stil. Anders als in manch früherem Text halte er hier das rechte Maß und verzichte auf rhetorische Ausschmückungen. Vor allem aber hat Dedecius in seinem Leben viele der von ihm übersetzten Literaten gut kennengelernt, war mit manchen, wie Stanislaw Jerzy Lec, sogar gut befreundet. Die aus genauer Kenntnis und Freundschaft entworfenen Porträts zählt Kijowska denn auch zu den Höhepunkten des Bandes. Erstaunlich aufschlussreich findet sie auch die Fotografien, die Karl Dedecius als Persönlichkeit zeigen, die sich dem Mitmenschen und der Arbeit konzentriert widmet - und dadurch jede Verschwendung von Zeit zu vermeiden versteht.
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