Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Niederländischen von Stefanie Schäfer. Karel Van Miert, der ehemalige EU-Kommissar für Wettbewerbspolitik, schildert, welchen Pressionen und persönlichen Anfeindungen aus Politik und Wirtschaft er bei seinen Versuchen ausgesetzt war, Wettbewerbsgleichheit in Europa zu schaffen. "Warum mischen Sie sich da eigentlich ein?" war eine der häufigsten Fragen, die Karel Van Miert während seiner Amtszeit als europäischer Wettbewerbskommissar zu hören bekam. Van Miert beschreibt die brisantesten Fälle, mit denen er zu tun hatte, darunter die Preisdiktate der Autoindustrie quer durch Europa, die Versuche der Monopolisierung des digitalen Fernsehens durch deutsche Medienkonzerne oder die Wettbewerbsvorteile öffentlicher Banken, der Streit um die Buchpreisbindung. Van Miert gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Wettbewerbspolitik in Europa. Zugleich liefert er ein Porträt der europäischen Politik und ihrer maßgeblichen Politiker.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.12.2000
Im Grunde ein religiöses Traktat für den freien Wettbewerb, meint Rezensent (und Verleger) KD Wolff in einer sehr persönlichen Besprechung - egal, ob es um Bücher, Flugzeuge oder Werften gehe. Aber es geht dann doch in erster Linie um Bücher, beziehungsweise die Aufhebung der Bücherpreisbindung, für die van Miert in seinem Buch plädiert und der KD Wolff schon allein aus Gründen der Selbsterhaltung entschieden widerspricht. Am Buch kritisiert er vor allem, wie wenig die konkrete Politik begründet werde, die van Miert, ehemaliger EU-Wettbewerbskommissar, vertritt. Im Gegenteil, über 399 Mal verstecke er sich hinter unbefragten Annahmen. Wolff vergleicht das Vorgehen europäischer Wettbewerbskommissare schließlich mit der "unpolitischen Marktlogik" in Sachen BSE. "Wie soll", fragt sich besorgt der rezensierende Verleger, "eine demokratische Diskussion gegenüber solchen Bürokraten aussehen?" Leider hat man über das Buch zu wenig sachliche Informationen bekommen, um in eine solche Diskussion überhaupt eintreten zu können.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.11.2000
Das Buch hat den Rezensenten mit dem Kürzel "hrm" offensichtlich nicht wirklich überzeugt. Zwar findet er besonders die Passagen, in denen van Miert auf seine Herkunft eingeht - er wuchs in einer großen Bauernfamilie auf - durchaus "sympathisch". Und auch die Schilderung seines politischen Werdegangs hat der Rezensent offenbar mit Interesse gelesen. Was ihn allerdings stört ist eine gewisse Eitelkeit van Mierts, der - wie "hrm" anmerkt - zwar ausführlich seine Erfolge auflistet, allerdings zahlreiche Konflikte und Misserfolge schlicht "unter den Teppich" kehrt. Auch gewisse "Indiskretionen" und Spitzen gegen van Mierts Vorgänger Sir Leon Brittan hätte nicht unbedingt sein müssen, findet der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Dietrich Schwarzkopf scheint nicht besonders von Karel van Miert Brüsseler Erfahrungen inspiriert worden zu sein. Staubtrocken referiert er in seiner Kritik, was der frühere EU-Kommissar eben über `die zentrale Rolle der Wettbewerbspolitik in der Europäischen Union` niedergeschrieben hat, und listet brav all die Fälle auf, mit denen van Miert zu tun hatte. Das war`s. Na gut, man erfährt noch, dass das Buch ein `Plädoyer für mehr Wettbewerb` ist. Das hätte man sich aber auch selbst denken können.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.10.2000
Er ist einer der Guten, meint Carsten Schymik, über den ehemaligen EU-Wettbewerbskommissar van Miert, dessen Memoiren jetzt vorliegen. Sie beschrieben anschaulich das Funktionieren der Brüsseler Eurokratie, wirkten aber am Ende in puncto Selbstkritik etwas blass. Das hat seinen Grund, meint Schymik, in der Loyalität, die der gebürtige Belgier seiner Kommission, der er von 1993 bis 1999 vorstand, notwendigerweise entgegenbringt: sie hat sich gegen handfeste Konzerninteressen und lobbyistische nationale Regierungen durchzusetzen. Gleichzeitig verhindere diese Loyalität die sicher notwendige Distanz zur eigenen Kommission und Arbeit, schlussfolgert der Rezensent. Brisant findet er van Mierts Statement zu den Leuna-Akten, die nach van Miert bereits lange vor den Bundestagswahlen von 1998 vernichtet worden seien. Insgesamt ginge der ehemalige EU-Kommissar mit der Bundesrepublik recht pfleglich um, obwohl gerade sie mit ihm in Sachen Buchpreisbindung, Finanzhilfen für die WestLB und illegale Subventionen harte Kämpfe ausgetragen hat.
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