Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Englischen von Anette Grube. Raheen und Karim sind von Geburt an Seelenverwandte. Sie beenden füreinander die Sätze, sprechen in Anagrammen, träumen Rücken an Rücken. Sie lieben "ihre" Stadt Karatschi, die gewalttätige, korrupte, aufregende Millionenstadt. Als Kinder zweier eng miteinander verknüpfter Familien wachsen sie heran: Raheens Vater war mit Karims Mutter verlobt, bis er aus ethnischen Gründen diese Verbindung löste. Wie Raheen und Karim als Heranwachsende feststellen, blieb dieser Vorfall nicht folgenlos. Das bis dahin gehütete Geheimnis beeinflusst auch die Kinder und vertreibt sie als Heranwachsende aus der Stadt, die von Rassenunruhen erschüttert wird. Karims Familie wandert nach London aus, Raheen studiert in den Vereinigten Staaten. In einem Sommer der Trockenheit und der ethnischen Gewalt kommen sie in der geliebten Stadt wieder zusammen ...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.2004
Sandra Kerschbaumer begrüßt es sehr, dass eine neue literarische Stimme aus dem südasiatischen Raum zu vernehmen ist. Kamila Shamsie stammt aus Pakistan, lebt in Karatschi und arbeitet teilweise in London und New York, ist also eine der vielen Grenzgängerinnen zwischen West und Ost, von denen auch ihr dritter Roman (der erste auf Deutsch) handelt. Shamsie gelingt es, mit der Figur des Mädchens Raheen die Geschichte ihres Landes mit der persönlichen Entwicklung der weiblichen Protagonistin geschickt zu verknüpfen, schreibt Kerschbaumer anerkennend. Die Rezensentin findet die technische Umsetzung dieser Parallelführung in Form unvermittelter Rückblenden teilweise etwas zu plump ausgeführt, dennoch habe der Roman nichts Lehrbuchhaftes, da Shamsie darauf verzichte, die politischen und kulturellen Konflikte in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, sondern sie "unaufdringlich am Rande" abhandele. Shamsie beklagt die mangelnde Bereitschaft ihrer Landsleute, so Kerschbaumer, sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen, was ihrer Meinung die Unruhen der jüngsten Zeit begünstigt hätte; um so erfreulicher, hält Kerschbaumer fest, dass es eine junge pakistanische Literatur gibt, die sich der postkolonialen Vergangenheit ebenso annimmt wie die indische englischsprachige Literatur.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2004
Die Rezensentin Angela Schader kommt zu einer gemischten, insgesamt eher skeptischen Einschätzung dieses Romans. Zwar sei die Geschichte interessant angelegt - sie erzählt von einer symbiotischen Freundschaft zwischen Heranwachsenden im pakistanischen Karatschi - doch im Detail ist das dann doch alles nicht so überzeugend: "Die Doppelung hätte gelungener gewirkt, wenn die Schriftstellerin bei der Modellierung ihrer Charaktere nicht gar so ausdauernd mit Spachtel und Polierlappen zugange gewesen wäre." Zudem hat die Rezensentin den Eindruck, dass die Autorin bei der Konstruktion ihrer Erzählung zu deutliche Anleihen bei Arundhati Roys "Der Gott der kleinen Dinge" gemacht hat. Auch die emotionale Noblesse, die die Protagonisten ausstellen, findet Schader etwas ermüdend und vermisst anstelle dieser "mentalen Höhenluft" ein paar Ausflüge in die Topografie des echten Karatschi.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004
Eine "komplizierte Geschichte" hat sich Kamila Shamsie für ihr neues Buch ausgesucht, und dennoch gelingt es ihr, diese mit "großer Leichtigkeit" zu erzählen, lobt Rezensentin Katharina Granzin. Aber die wahre Bedeutung des Romans, der eine Liebesgeschichte in Pakistan erzählt, liege woanders. Shamsie habe es geschafft, den weißen Fleck Pakistan auf der "literarischen Landkarte" verschwinden zu lassen, denn dank ihres Buches und ihrer persönlichen Liebesgeschichte zwischen ihr und "ihrer" Stadt Karatschi sei dieses Land ins westliche Lesebewusstsein vorgedrungen. Da macht es der Rezensentin auch nicht allzu viel aus, dass sich die Autorin mit der "titelgebenden Metapher" Kartographie "wahrscheinlich etwas zu viel" vorgenommen hat. Denn die "große Lovestory" wirke mitunter "recht papieren" und die "betonte mentale Beschränktheit" der weiblichen Hauptperson häufig sehr "gezwungen".
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