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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jutta Richter

Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen

(Ab 10 Jahre)

Cover: Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen

Carl Hanser Verlag, München 2000
ISBN-10 3446198962
ISBN-13 9783446198968
Gebunden, 88 Seiten, 10,12 EUR

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Klappentext

Einen Freund zu haben, ist etwas sehr Wichtiges. Vor allem, wenn dieser Freund gruselige Kellerkatzen und Spinnen vertreiben oder sogar zähmen kann. Rainer ist so ein Freund. Aber was, wenn ihn sonst niemand mag? Wenn man selbst plötzlich ins Abseits gerät? Da stellt sich mit einem Mal die Frage, wohin man eigentlich gehört.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.11.2000

In einer Doppelrezension bespricht Gerda Wurzenberger zwei "besonders gelungene" Romane für Jugendliche. Gemeinsam ist beiden, wie die Rezensentin erläutert, dass es um eine zerbrechliche Freundschaft zwischen einem Jungen und einem Mädchen geht, und vor allem aber, dass hier das Thema "Ausgrenzung" eine bedeutende Rolle spielt.
1.) Burkhard Spinnen: "Belgische Riesen" (Schöffling & Co.)
Obwohl hier auch ernste Themen angesprochen werden, wie etwa die Trennung der Eltern eines Mädchens, so betont die Rezensentin doch die "Leichtigkeit", die in diesem Buch vorherrschend sei. Anscheinend ist es dem Autor recht gut gelungen, sich in die Kinder-Perspektive hineinzuversetzen. Wurzenberger betont jedoch, dass auch "mit ein wenig ironischer Distanz" die Sicht der Eltern nicht zu kurz kommt. Nicht zuletzt scheint es der Rezensentin zu gefallen, dass auch ein Gewissenskonflikt eine Rolle spielt, dort nämlich wo der kleine "ehrliche" Konrad seiner Freundin Fridz helfen soll, der Geliebten ihres Vaters eins auszuwischen.
2.) Jutta Richter: "Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen" (Hanser)
"Die humoristische Seite des Seins ist nicht die Sache" der Autorin, stellt Wurzenberger fest. Dennoch scheint ihr das Buch zu gefallen. Hier wird Kind-Sein nicht als immer schön dargestellt, wie der Leser erfährt, sondern es ist auch von Ängsten und Druck die Rede. Wurzenberger erklärt, dass sich hier ein Mädchen mit einem Außenseiter anfreundet, der weiß "wie man die Angst besiegt" und sie völlig ernst nimmt, "obwohl sie ein Mädchen ist". Doch plötzlich wird auch das Mädchen zur Außenseiterin und fängt an, sich Fragen zu stellen. Richter gibt auch Antworten, betont die Rezensentin. Allerdings seien diese Antworten "keineswegs schmerzlos".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.11.2000

Eine schmerzhafte Lektüre scheint dieses Buch für Jörg Schindler gewesen zu sein, das in der Geschichte von zwei ungleichen Freunden bittere Einsichten in Mitläufertum und Kleinstadtheuchelei vermittelt. Denn weder "Happy End" noch "Schönfärberei" habe sich die Autorin geleistet, was sicher nicht besonders "aufmunternd" sei, dafür aber bedrückend deutlich mache, wie man wider besseren Wissens zum Mitläufer wird, so der Rezensent beeindruckt. Er ist begeistert von der knappen Erzählweise der Autorin, die "kein Wort zuviel verliert" und die mit wenigen Andeutungen ein derart "klaustrophobisches Kleinstadtmilieu" zu zeichnen imstande sei.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Freundschaften und Feindschaften, Verrat und Ausschluss, Mut und Feigheit - das sind Themen, die viele spannende Jugendbücher füllen. Jutta Richter hat ein `schmales` hinzugefügt. Ein wenig zu schmal, findet Rezensentin Antje Weber. Zwar sei Richters Geschichte `atmosphärisch dicht` und `sprachlich rund geschliffen`, aber sie bleibe nicht lange in Erinnerung. Abgesehen von der Kürze des Buches ist die Rezensentin aber dennoch voll des Lobes. `Bewundernswert` findet sie, wie die Autorin ohne `falsche Naivität` die Direktheit der kindlichen Wahrnehmung und Sprache mit Poesie verbindet.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000

Die Erzählung vom Schmuddelkind Rainer und seiner kurzzeitigen Freundin Meechen, schreibt Myriam Mieles, hat einen Erzählton, der sie wie ein unbewältigtes Erlebnis der Autorin klingen lässt: mal `mit belegter Stimme`, mal so atemlos wie Kinder erzählen, `die gerade was Tolles erlebt haben`. Meechen erlebt nämlich den unbeliebten Schläger in seinen sanfteren Momenten, und für eine Weile steht sie gegen die anderen zu ihm. Es geht zu wie `in den sechziger Jahren`, findet Mieles, und das wird viele Kinder, die keine so absoluten Papa-Autoritäten mehr kennen oder Nachbarn, die `hinter Gardinen` flüstern, vielleicht fremd vorkommen - aber nur so fremd, wie fremde Länder sind. Und was sie kennen werden, meint Mieles, ist jedenfalls der Konflikt, in dem Meechen am Ende `mit viel Bauchgrimmen` sich doch gegen Rainer und für die alten Freunde entscheidet.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.09.2000

Eine einfühlsame, kurze Besprechung von Rolf Michaelis. Geschrieben sei das Buch aus der Perspektive des heranwachsenden Mädchens, das, von seinen Eltern unverstanden, seinen "einzigen Partner..., den Strubbelhund Raudi" verliert und sich einem eher hässlichen, unbeliebten Jungen zuwendet und in ihn verliebt. Der Held "mit den rauen Händen" weiß zwar, wie man Spinnen in Streichholzschachteln steckt, aber dann kriegt er einen Asthma-Anfall, weil er Angst vor Ratten hat. Michaelis sagt am Schluss etwas sehr Wichtiges: dass dieses "sanft überrumpelnde Buch" der 1955 in Westfalen geborenen Kinderbuchautorin auch zeigt, "wie wichtig vermeintlich Fremde für die von den eigenen Leuten, der Familie, zusammengestauchten Menschen sein können."

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