Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Ukrainischen von Sofia Onufriv und aus dem Polnischen von Martin Pollack. Ja, Europa, dein Herz schlägt iregendwo zwischen Dijon und Paris, und dein schönes Haupt ist die Iberische Halbinsel auf dem blauen Kissen des Wassers. Dein unersättlicher Bauch ist Deutschland. Und ich? Das heißt wir? Sind wir etwa deine Lenden?
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2004
Wolfgang Schneider hält das Buch des ukrainischen Autors Juri Andruchowytsch und des polnischen Autors Andrzej Stasiuk über Osteuropa für die "brisanteste Heimatkunde, die derzeit zu lesen ist". Diese Gemeinschaftsproduktion, in denen die "oft surreal anmutenden Welten hinter Dukla oder Iwano-Frankiwsk" beschworen werden, ist keine "Pflichtübung", sondern entpuppt sich als "ergiebige literarische Ressource", versichert der Rezensent. Während sich die beiden Autoren in ihren Beschreibungen von "gottverlassenen Bahnhöfen", Dorfläden und weiten Landschaften mitunter wie "programmatische Hinterwäldler" gerieren, betreiben sie tatsächlich an der Romantik geschulte "Universalpoesie" meint Schneider überzeugt, der sich allerdings bei so mancher Reflexionsschleife nicht immer sicher ist, ob er das Gelesene "geistreich" oder "nichtssagend" finden soll. Sowohl Andruchowytschs wie Stasiuks Haltung beschreibt der Rezensent als "antiwestlich", hält aber dagegen, dass wenn Stasiuk der westlichen Sterilität seine "Dukla-Welt" entgegenstellt, das mitunter auch "haarscharf am Edelkitsch" vorbeischrammt.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2004
In den höchsten Tönen lobt Andreas Breitenstein diesen Doppelessay von Juri Andruchowytsch und Andrzej Stasiuk. "Mein Europa" zeuge von der Kunst, Erkenntnis zu Literatur zu machen, schreibt der Rezensent, "sprich: das Geheimnis zu beschreiben, statt es sezierend zu zerstören". Stasiuk widme sich den verlorenen Landschaften zwischen Polen und Rumänien, Tschechien und der Ukraine als Landvermesser und Polyhistor, als Geopolitiker und Meteorologe, als Ethnograph und Reisender, als Tagträumer und Poet, wobei er Optik und Stil, Haltung und Stimmung "virtuos" variiere. "Traumzeit herrscht", formuliert Breitenstein sein Lektüreerlebnis, "und wer darin wohnt, hat für die 'herrliche Souveränität und Subjektivität der Menschen im Westen' wenig Verständnis." Auch Andruchowytschs als Familiensaga und Epitaph angelegter Essay hat Breitenstein rundum überzeugt. Als Thema nennt er die Wiederaneignung der Geschichte aus den Trümmern einer "untergegangenen und ehemals vollkommenen Welt" (Andruchowytsch). Bei Andruchowytsch kündeten die Städte und Flüsse, Häuser und Landschaften, Sprachen oder Wörter Galiziens in ihrer Geschundenheit von einem Jahrhundert, das "ein idealer Lehrmeister der Verzweiflung und der Ungläubigkeit" war.
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