Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz. Ein Roman über große Gefühle - und gleichzeitig die Bestandsaufnahme einer Gesellschaft, die von Mädchenhändlern, Terroristen, gewalttätigen Polizisten und zwielichtigen Politikern geprägt ist: Juan Marse erzählt in "Liebesweisen in Lolitas Club" eine Dreiecksgeschichte, die sich schon bald als Spiel mit doppeltem Boden entpuppt. Raul Fuentes, vom Polizeidienst suspendiert, kehrt in sein Elternhaus nach Barcelona zurück. Sein geistig zurückgebliebener Zwillingsbruder Valentin, der dort noch immer wohnt, ist inzwischen erstaunlich selbständig geworden: Zu Rauls Missfallen hilft er in Lolitas Club aus, einem erotischen Etablissement, kauft Nagellack, Feuchtigkeitscremes und Kondome für die Mädchen und backt ihnen süße Kringel. Dabei verliebt er sich in Milena, die mit einem fingierten Arbeitsvertrag von Kolumbien nach Spanien gekommen ist.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2008
Einen zwiespältigen Eindruck hat Juan Marses Roman "Liebesweisen in Lolitas Club" bei Rezensent Martin Krumbholz hinterlassen. Die Geschichte über zwei ungleiche Zwillingsbrüder, den suspendierten Macho-Polizisten Raul und den etwas zurückgebliebenen, aber fürsorglichen Valentin, der im örtlichen Bordell als Mädchen für alles arbeitet, scheint ihm über weite Strecken den Beweis liefern zu wollen, dass der spanische Mann sich auch im 21. Jahrhundert weigert, erwachsen zu werden. Nach zweihundert Seiten ist Krumbholz sichtlich genervt von Rauls klischeehaftem Machogehabe. Dann aber meint er zu verstehen, dass dies durchaus seinen Sinn hat. Marse gehe es nämlich darum, an der Dekonstruktion dieses Klischees "eine Tragödie zu entzünden". Das ist ihm in Krumbholz' Augen am Ende auch eindringlich und poetisch gelungen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.10.2007
Juan Marses Roman "Liebesweisen in Lolitas Club" hat Rezensent Florian Borchmeyer nachhaltig beeindruckt. Er hebt die Achtsamkeit, Subtilität und Zärtlichkeit hervor, mit der sich der Autor seinen Figuren nähert, die im brutalen Rotlichtmilieu agieren. Im Zentrum, erklärt er, stehen Zwillinge: Raul, ein suspendierter Antiterror-Ermittler, und sein geistig behinderter Bruder Valentin, der sich zum Ärger Rauls zum Faktotum im örtlichen Bordell gemausert hat. Die Größe des Romans besteht für Borchmeyer darin, dass er sich nicht in der unordentlichen Familiengeschichte der Zwillinge und ihrem fatalen Rollentausch erschöpft, sondern zugleich das Porträt einer Gesellschaft entwirft, die in der multikulturellen Gegenwart angekommen zu sein scheint, aber zugleich unter vielen "verborgenen Wunden" krankt. Applaus verdient seines Erachtens, wie hervorragend es Marse gelungen ist, "Persönliches und Intimes" ganz mit "Geschichte und Schicksal" eines Landes zu verbinden. Mit Lob bedenkt er auch Dagmar Ploetz für ihre exzellente Übersetzung.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2007
In Spanien hat sich wegen der Bekanntheit von Juan Marse niemand getraut, dieses Buch richtig zu verreißen, meint Jean-Michel Berg, und beweist in seiner Besprechung, dass wir nicht in Spanien sind. "Die Liebesweisen im Lolita Club" waren ursprünglich ein Drehbuch und wären es auch besser geblieben, meint der Rezensent. Was vielleicht im Film funktioniert hätte, laufe zwischen zwei Buchdeckeln ins Leere. Die Geschichte mit den beiden "pedantisch unähnlichen" Zwillingsbrüdern Raul und Valentin hebt für Berg einfach nie ab. Er langweilt sich offenbar das ganze Buch hindurch, stolpert über an Regieanweisungen erinnernde Beschreibungen und abrupte Szenenwechsel, bis er auf den letzten Seiten schließlich durch ein "furioses" Finale erlöst wird. Doch das sei nur noch "erleichternd wie ein kleines Bäuerchen" nach einem drögen Mahl, seufzt der Rezensent.
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