Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Viktor ist Schriftsteller. Als solcher liebt er die Frauen, denn ohne sie fällt ihm nichts ein. Seine Seitensprünge, behauptet er gerne, sind dringend benötigte Inspirationsquellen, nichts anderes. Als seine Ehefrau Ellen ihm geschickt eine Affäre nach der anderen verdirbt, gerät Viktor in eine ernsthafte Schreibkrise, die beider Ehe in größere Turbulenzen stürzt, als es die Liebschaften je gekonnt hätten...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2002
Hätte es der Autor doch bei den ersten hundert Seiten belassen, stöhnt Heinz Ludwig Arnold. Rasant und amüsant sei sie zu lesen, die Geschichte einer Lesereise eines Schriftstellers, der dabei verschiedenen Frauen real und in der Erinnerung begegnet. Schnell begreife man, dass dieser Mann namens Viktor Goldmann die Frauen weniger als Sexualobjekte braucht denn als Schreib- und Literaturobjekte. Deshalb sammelt er Liebesbriefe, stapelweise auf diversen Bügelbrettern, die irgendwann in Unordnung geraten - und da hat er dann den "Liebessalat"! Auch der weitere Verlauf des Romans nach Rückkehr des Schriftstellers von seiner Lesereise birgt noch manche nette Pointe, meint Arnold, was aber leider nichts daran ändere, dass der Leser die selbstverständlich ironisierte Schriftstellermasche längst durchschaut habe und sich zu langweilen beginne. Irgendwann liest sich der Roman, so der Literaturkritiker, bloß noch als eine "wahre Nummernoper". Die Mediensatire, wie sich der Roman in ein Drehbuch verwandelt, das allen Ansprüchen gerecht wird, macht dann allerdings einiges für Arnold wieder wett.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.06.2002
Was Viktor denkt und tut, denkt und macht auch Joseph von Westphalen, konstatiert Klaus Bittermann amüsiert. Kein großer Unterschied, so meint er, sei zwischen Westphalen und seinem literarischen Alter Ego festzustellen. Das gereicht dem Roman nicht zum Nachteil, betont er. Viktor alias Joseph seien große Frauenliebhaber und ihr ganzes literarisches Schaffen entspringe im Grunde dem Impuls nach neuen Liebschaften, neuen Begegnungen, aber eben auch nach "wahrer Leidenschaft, wahrer Begierde, wahrem Liebeskummer". All dies packt den Protagonisten, als sich eine Angebetete ihm verschließt oder zumindest nicht offenbart. Insofern steht dieser Roman, so der Rezensent, in der Tradition des Liebesbriefes, des Liebeswerbens, und erst am Ende werde dem Protagonisten klar, dass er einer fixe Idee aufgesessen ist. Der Roman ist insofern ein konventioneller psychologischer Roman, der gut funktioniere und ausgesprochen spannend ist, lobt Bittermann.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.05.2002
Seltsame Erwartung der Rezensentin: Das Buch, schreibt Kristina Maidt- Zinke, belebe die Hormone "auch nicht wirklich". Aber auch sonst hat der Roman sie nicht überzeugen können. Als maskuline Antwort auf die Welle der Prosecco-seligen Frauenliteratur treffe er den Ton des Genres perferkt: hemmungsloses Schwelgen in Banalitäten, stilistische Magersucht, schlappe Scherze etc. Was der Verlag ein Plädoyer für die Liebe nennt, erscheint Maidt-Zinke gerade mal als "freche wie restaurative" Darstellung der Männerphantasien des Autors. Immerhin gewährt Westphalen tiefe Einblicke in die Männerseele. Etwas zu tief vielleicht, denn rästelhaft bleibt am Ende der Lektüre "allein das Umschlagmotiv". Dieses zeigt eine Liegende mit leicht gequältem Gesichtsausdruck, in der Linken ein "offenbar soeben zugeklapptes Buch": Die Rezensentin?
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