Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Helmut Frielinghaus. Ein einziges Mal hat Henry Bech einen brillanten Roman geschrieben und fortan nur noch Mittelmaß produziert. Dennoch wuchs sein Ruhm. Gleichwohl bleibt Bech empfindlich bei Verrissen. Beim Warten auf die U-Bahn kann er endlich seinen alten Traum vom perfekten Mord ausleben. Das Opfer: sein schärfster Kritiker ...
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2001
Gerrit Bartels weist in seiner kurzen Kritik zunächst darauf hin, dass es sich hier nicht um den ersten Roman Updikes über seine Figur Henry Bech handelt, den man nach Bartels als eine Gegenfigur Updikes zu sich selbst ansehen muss - denn auch Bech ist Schriftsteller, wenn auch einer mit Schreibblockade. Bartels erkennt in dem Roman auch so manche schriftstellerische Wunscherfüllung Updikes, denn Bech hat offensichtlich keine Bedenken, missliebige Kritiker um die Ecke zu bringen und erhält am Ende außerdem den Nobelpreis. Und darauf wartet auch Updike. Insgesamt bleibt Bartels Kritik dieser "Parodie auf den Literaturbetrieb" aber doch recht lauwarm.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2000
Damit wir bei diesem "Updike" nicht unvermittelt einschlafen, gibt uns K. H. Kramberg den praktischen wie, bei einem Buch von "nur" 284 Seiten zumal, höchst beunruhigenden Rat, unsere Lektüre gleich auf Seite 249 zu beginnen. Auf diese Weise entgingen wir den vielen "mehr oder minder gleichgültigen, jedenfalls entbehrlichen Romanepisoden", schreibt er, und landeten direkt in Schweden, Stockholm. An dieser Stelle im Buch dann, in ehrfurchtgebietender Anwesenheit des Nobelkomitees sozusagen, vor das es den eher mittelmäßigen Schriftsteller-Helden des Romans überraschenderweise verschlägt, wie wir lesen, läuft der Autor aber doch noch zu Hochform auf: "Fabelhaft pfiffig, schlicht zum Tränenlachen", was sich Updike da habe einfallen lassen. Aber dann ist es auch schon zu Ende, "Bech in Bedrängnis" - eben bloß "fast ein Roman".
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.10.2000
Denis Scheck bespricht zwei neu erschienene Romane von John Updike. Sein Urteil könnte unterschiedlicher kaum ausfallen.
1) "Gegen Ende der Zeit"
Diesen Roman bewertet der Rezensent als Tiefpunkt in Updikes Oeuvre. Ein "griesgrämiges Altmännerbuch" sei diese Geschichte um den 66-jährigen Börsenmakler Ben Turnbull. Scheck zitiert eine Passage aus dem Roman, in der Turnball von einer prächtigen Erektion träumt, aufwacht, seinen `armen Schwanz, rot und schlapp wie ein Hahnenkamm` betrachtet und sich verzweifelt fragt: `Wie hat ein so überflüssiges Anhängsel jemals der Nabel meiner Welt sein können?` Leider versuche Updike nicht einmal, auf diese Frage eine Antwort zu geben, kritisiert Scheck. Noch mehr schadet dem Roman seiner Ansicht nach die Verlegung der Handlung ins Jahr 2020. Dass Updike Turnbulls "morose Meditationen über die eigene Vergänglichkeit" mit einer Geschichte vom drohenden Weltuntergang verknüpft, scheint Scheck ziemlich eitel zu finden.
2) "Bech in Bedrängnis"
Dieses Buch hingegen hat Scheck so gut gefallen, dass er zum Ende seiner Rezension Updike sogar den Nobelpreis gönnt. `Fast ein Roman` - so der Untertitel - sind die fünf Erzählungen über den Schriftsteller Henry Bech, der eine radikale Verwandlung durchläuft: vom "sanftmütigen Festschriftenautor zum Kritiker mordenden Rächer aller verkannten Künstler dieser Welt", so Scheck. Updike habe Bech schon in zwei Romanen als sein Alter ego auftreten lassen, aber nie vorher habe er "dieser Figur größeren Freiraum gegeben als in dieser scharfzüngigen Abrechnung mit dem internationalen Kunst- und Literaturbetrieb".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
John Updike hat in seinen zwei neuen Romane, `Bech in Bedrängnis` und `Gegen Ende der Zeit` (beide Rowohlt), als Hauptfiguren zwei Männer gewählt, die `ihr Leben zur Neige` gehen sehen. Die Schriftstellerin Elke Schmitter hat beide Romane sehr elegisch besprochen.
Lese man die beiden neuen Bücher Updikes, und Elke Schmitter hat es getan, auf ihre inhaltlichen Mitteilungen zum Thema `Geschlechterparallele`, dann sei der Befund kläglich. Elke Schmitter sagt uns dann noch einmal, wie es ist: das nämlich Männer und Frauen sich nie berühren, außer beim Sex, jawohl. Und wie sich das dann im einzelnen Updike-Roman so verdeutlicht, schildert die Kritikerin in einem Tonfall, der auf große Begeisterung schließen lässt. Wir lernen erst den erfolgreichen Schriftsteller Henry Bech kennen, dem schon zwei Erzählungsbände gewidmet waren und seine ganz persönliche sexuelle Erfolgsökonomie: `Bekanntheit gegen Brüste, Charisma gegen Koitus`. Aber irgendwann hat ihn, erzählt die Kritikerin, die Wirklichkeit im Würgegriff, und sie ist sehr fasziniert von der Beschreibung der Druckstellen und Male, die das bei Bech hinterlässt.
Aber dass sie Bech im Grunde für den weniger spannenden Helden hält, wird bei der Beschreibung von Ben Turnbull, dem Protagonisten des zweiten Romans, `Gegen Ende der Zeit`, klar. Sie kriecht beinahe hinein in Handlung und Helden. `Wie kunstvoll ist das erdacht und entwickelt!` ruft sie auf halber Strecke aus. Sogar für das Wort `Meisterwerk` ist sie sich nicht zu schade. Und: `Updike, der Glückliche im Können, hat verlässliches Glück mit seinen Übersetzern`. Der Reichtum des Vokabulars wird gelobt, die `materialistische Genauigkeit und lyrische Präzision`. In beiden Büchern sei Updikes Sprache auf ihrer eigenen, einsamen Höhe. Weshalb als besonderer Genuss empfohlen wird, die Bücher aufeinander bezogen zu lesen.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Theodor W. Adorno: Philosophie und Soziologie (1960)
Herausgegeben von Dirk Braunstein. Die Vorlesung über "Philosophie und Soziologie" aus dem Sommersemester ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








