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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

John Le Carre

Absolute Freunde

Roman

Cover: Absolute Freunde

List Verlag, München 2004
ISBN-10 347178098X
ISBN-13 9783471780985
                         , 425 Seiten, 22,00 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Roth. An das Spiel mit zwei Identitäten hat Ted Mundy sich nie gewöhnen können. Jetzt führt er endlich ein ruhiges Leben in Deutschland. Bis Sasha, ein alter Weggefährte, vor seiner Tür steht - und ihn in die Untiefen der gegenwärtigen Zeitläufte lockt. Das brillante Porträt einer ungewöhnlichen Freundschaft vor dem Hintergrund der weltpolitischen Abgründe unserer Zeit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2004

Etwas verhalten bespricht Uwe Pralle den neuen Roman von John Le Carre, in dem der "Romancier des Kalten Krieges" die Geschichte von Ted Mundy und Sascha erzählt, die sich 1968 in Berlin kennen lernten und im Kalten Krieg zu Top-Spionen des Westens aufstiegen. Diese Vergangenheit holt Ted nun, in Zeiten Kriegs gegen den Terror, mit einem Besuch von Sascha wieder ein. Doch die Überleitungen zwischen den einzelnen zeitlichen Ebenen sind dem Rezensenten zu abrupt, wenn nicht gar "rabiat". Auch mit dem Ende ist Pralle nicht einverstanden, denn dieser strapaziere die literarische Phantasie ziemlich kräftig, wenn sich die "zwei westlichen Alt-68er einem dubiosen Milliardär in den Nahen Osten anschließen". Pralle kommentiert: "Wahrscheinlich würde eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehen, als dass von Marcuse oder Adorno ein Weg zu al Qaida führt". Er findet es deshalb "umso erstaunlicher", dass der Schlussteil noch mal Spannung erzeuge.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

John Le Carres Romane gehören in eine bestimmte Kategorie der Agententhriller, die man später mal heranziehen wird, um die internationale Politik des 20. Jahrhunderts zu analysieren, prophezeit Gustav Seibt. Am Anfang dieser Reihe steht für Seibt ohne Zweifel Eric Ambler, dessen Faschismus-Romane das Genre geprägt haben. Le Carre hat die Amblersche Methode weitergeführt und gar noch verfeinert, schwärmt Seibt, da er als "mitfühlender Menschendarsteller" Ambler diesbezüglich überlegen sei. "Absolute Freunde" erzählt die Geschichte einer Männerfreundschaft zwischen einem Engländer und einem Deutschen, die im wilden West-Berlin der siebziger Jahre beginnt, später nach England und in die starre Welt des Ostblocks führt, um am Ende den Terrorismus als neue kriegstreibende Kraft in Aussicht zu stellen. Nebenbei vermittele der Roman eine deutliche Kritik an Tony Blairs Kriegskurs im Irak, wie Seibt überhaupt den ganzen Roman als eine einzige Liebeserklärung an das alte Europa interpretiert. Denn das größte Manko der amerikanischen Politik, behauptet der begeisterte Rezensent und beruft sich dabei auf seinen Autor, ist "ihr Mangel an kultureller Einfühlung, an Ortskenntnis". Genau das wiederum zeichnet Le Carre aus, freut sich Seibt, der die "meisterhafte" Fähigkeit des Autors lobt, seine Figuren zu "Exponenten ihrer unterschiedlichen historischen Herkunftswelten" zu machen: hier der Engländer mit kolonialem Hintergrund und einer Liebe zum Islam, dort der deutsche Pfarrerssohn, der sich wegen seiner Schuldgefühle zum fanatischen Kommunisten - und später Terroristen? - bekehren lässt.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.03.2004

Der Krieg gegen den Terrorismus ist der Hintergrund von John Le Carres Buch, das bisweilen eher "eine halbwegs interessante Chronologie als ein richtig spannender Roman" ist, befindet Kolja Mensing. Le Carre holt weit aus: Der Protagonist Ted Mundy - geboren in Pakistan kurz nach dem zweiten Weltkrieg, als Sohn eines Kolonialoffiziers - war einst "Teil einer 'klassischen Doppelagenten-Operation des Kalten Krieges'" und arbeitet nun, im Jahr 2003, als Fremdenführer in München, während er den "kriminellen Feldzug" der USA gegen den Irak rekapituliert, den der Autor "mit anderen Mitteln im Herzen des alten Europas weiterführen lässt". Dabei bewältige Le Carre soviel Stoff, berichtet Mensing, dass sein Buch über den "neuen Kalten Krieg gegen den muslimischen Terror" schlechterdings "kein Vergnügen" mehr sei, eher die Grundlage für einen "vermutlich sehr, sehr umfangreichen Roman über das verhängnisvolle koloniale Erbe Großbritannien und Europas - und damit natürlich auch für einen Roman über Amerika, den 11. September und alles was danach kommt." Indes: John Le Carre wäre genau der Richtige, ihn zu schreiben, räumt Mensing ein.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2004

Als großen Wurf und Meisterwerk feiert Rezensent Lorenz Jäger John Le Carres "zornigen" Roman, den er mit "Blick auf schärfste Aktualität" als "grandiose Rechtfertigung des alten Europa" geschrieben findet. Zwar dauert es Jäger zufolge 278 Seiten, bis man als Leser von der Pflicht zur Kür gelangt. Doch es lohnt sich, wie man den begeisterten Ausführungen des Rezensenten aus jeder Zeile entnehmen kann. Am Ende des Buches hat er gelernt, dass Meisterwerke sich nicht daran erweisen, dass jede Einzelheit glatt und gekonnt geschrieben ist, hat er selbst erzählerische Durststrecken gern in Kauf genommen, weil er dahinter eine "andere Intelligenz" am Werke sah. Im Zentrum steht, wie wir lesen, die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem Deutschen und einem Briten, die sich aus der Berliner Studentenbewegung der späten sechziger Jahre kennen. Man folge ihnen durch ihr Leben, Etappen ihrer Freundschaft und durch die europäische Geschichte. Dabei entfalte "der Meister der höheren Spionagegeschichte" zugleich, samt "Zwischenplot" und einer "letzten, irrwitzigen, bitter-grotesken Pointe", ein historisches Panorama, ein Lehrstück über Techniken der Desinformation und eine "furiose", in den Augen des Rezensenten "oft überaus witzige Abrechnung mit der Kriegspartei des letzten Jahres".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.03.2004

Tobias Gohlis freut sich, dass John LeCarre nach "literarisch müden Rentnerausflügen in die Karibik" wieder zurück in Deutschland ist. In einer 200-Seiten-Rückblende erzählt LeCarre die Geschichte vom ewig revoltierenden Ostdeutschen Sascha und seinem pragmatischem Freund und Briten Mundy, die sich im wilden Berlin des Jahres 1968 begegnen und im Dschungel von Geheimdiensten, Straßenschlachten und Verschwörungen tapfer zur Seite stehen. LeCarre, der als "zorniger Alter" immer noch so scharf schreibe wie ein Junger, habe zur "Kunst des großen Erzählens" zurückgefunden, findet der Rezensent. Und so sei der neue Roman von Deutschland und einer großen Freundschaft "LeCarre as its best".

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